Lampertheim

Musik Helmut Wehe und das Grammophon-Orchester begeistern mit Konzert im Schwanensaal

Reise zurück in die Goldenen Zwanziger

Archivartikel

Lampertheim.„Wochenend und Sonnenschein“ versprachen Helmut Wehe und das Grammophon-Orchester im Schwanensaal. Die Musikerinitiative Lampertheim hatte sich ganz den Schlagern der 1920er und 1930er Jahre verschrieben. Die Goldenen Zwanziger dürfte wohl keiner der Besucher selbst erlebt haben, dennoch bejubelten sie jeden Titel bereits nach den ersten Akkorden.

Die Lieder, die so herrlich aus der Zeit gefallen schienen, machten einfach Spaß. Das Programm saß, Frack und Fliege auch. Die Bühne war stilecht mit zeitgemäßer Couch und Stehlampe ausgestattet.

Mit nasalem Timbre sang sich Helmut Wehe durch die ungewohnten Lieder und führte galant durch den Abend. Das Orchester meisterte einen Quickstepp wie „Junger Mann im Frühling“ genauso souverän wie die vielfältigen Tangonummern.

Herzen mit Saxofon gebrochen

Beim „Wildcat Blues“ drehten die Musiker richtig auf. Alex Kiesow glänzte mit einem munteren Klarinetten-Solo und Hans-Jürgen Götz wirbelte auf allem, was sein Schlagwerk zu bieten hatte. Kiesow hatte eine ganze Auswahl an Blasinstrumenten mitgebracht. Neben seinem versierten Querflötenspiel kam bei „Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n“ das Saxofon zum Einsatz.

Für alle, die dieses Jahr auf die Italienreise verzichten mussten, holte Wehe mit „Bella Marie“ Urlaubsstimmung nach Lampertheim. Der Sänger schmachtete die feurige Spanierin „Oh, Donna Clara“ an und bewies komödiantisches Talent bei Ohrwürmern wie „Am Amazonas, da wohnen unsere Ahnen“. Den Titel „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami“ widmete er „unserem Hauskellner Herbert“.

„Schade, dass Tanzen verboten ist“, bedauerte Wehe, als er den langsamen Walzer „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“ anstimmte, den Isabelle Kühni gefühlvoll auf der Bratsche begleitete. Mit zackigem Schmiss erklang dagegen der durch Heinz Rühmann bekanntgewordene Marsch „Ein Freund, ein guter Freund“. Pianist Peter Schnur lies den kleinen grünen Kaktus mit langem Intro gedeihen. Hans Heer vervollständigte das Orchester mit den tiefen Tönen am Kontrabass.

Immer wieder unternahmen die Musiker auch Abstecher in die neuere Zeit mit den Songs von Max Raabe „Rinderwahn“ und „Kein Schwein ruft mich an“.

Ein Auftritt wie in einem alten Schwarz-Weiß-Film, bei dem die Zuschauer in den eingängigen Melodien schwelgten und sich über die saloppen Wortspiele amüsierten.

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