Lampertheim

Altrhein SHM-Leser spricht von „Umweltskandal“ / Regierungspräsidium kündigt Maßnahmen an / Experte erkennt einen „Weckruf“

RP: „Wir haben aus dem Fischsterben gelernt“

Lampertheim.Tausende Fische haben im Heegwasser vergangene Woche ihr Grab gefunden. Feuerwehr, Technische Betriebsdienste und Technisches Hilfswerk haben den Rest der Woche sowie einen Teil des Wochenendes damit zugebracht, die Kadaver aus dem Gewässer zu holen. Ein Leser des Südhessen Morgen fragt besorgt: „Wer hat hier geschlafen?“

Bei einer regelmäßigen Überprüfung des Sauerstoffgehalts des Wassers hätte es nicht zu einem Fischsterben kommen müssen, schreibt der Leser. Eine solche Maßnahme müsste in einem Naturschutzgebiet eine Selbstverständlichkeit sein. „Müssen erst Tausende Fische sterben, bevor die verantwortlichen Stellen aufwachen und reagieren?“, fragt er sich und kommt zu dem Schluss: „Für mich ist das ein Umweltskandal erster Güte.“

So weit würde Rainer Hennings nicht gehen. Doch der Experte vom Büro für Fischereiberatung und Gewässerökologie in Fürth, der im Auftrag des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt vor Ort ist – für das Heegwasser ist das RP in Vertretung des Landes Hessen zuständig – spricht von einem „Weckruf“. Im vergangenen Jahr habe ein Angler Alarm ausgelöst, nachdem die Fische immer näher an der Oberfläche des Gewässers geschwommen seien. Anschließend seien Belüftungsapparate eingesetzt worden, die ein Fischsterben verhindert hätten.

Ein Konzept für ein Gewässermanagement sei schon seit Jahren in der Diskussion. Doch eine Umsetzung sei an den komplexen Zuständigkeiten gescheitert – und nicht zuletzt an den Naturschutzverbänden, die sich bislang gegen den Einsatz von Entlüftungsanlagen gewehrt hätten, um negative Auswirkungen auf andere Tiere im Umfeld des Gewässers zu verhindern. Hennings spricht vor diesem Hintergrund von einer „schwierigen Gemengelage“, die ein konzertiertes Vorgehen zum Schutz der Fische erschwert habe – und in der gegensätzliche Positionen einer Lösung im Weg stünden.

Eine Dauerbelüftungsanlage würde Hennings für sinnvoll halten. Diese wäre unter anderem kostengünstiger als der sporadische Einsatz solcher Apparaturen. Sie wäre auch ohne Geräuschbelästigung einsetzbar. Zumindest fordert der Fischexperte ein Monitoring, also eine regelmäßige Beobachtung der Situation an Altrhein und Heegwasser. Hennings selbst wird noch in den kommenden Wochen weitere Messfahrten auf dem Gewässer unternehmen. Die jetzt installierte Belüftungsanlage werde voraussichtlich bis zum Spätherbst in Betrieb bleiben. Lob findet Rainer Hennings unterdessen für den geballten Einsatz durch städtische Kräfte am Heegwasser, bei dem die toten Fische geborgen wurden.

Unterdessen verlautet im Regierungspräsidium auf Anfrage: „Wir haben aus dieser Sache gelernt.“ Die Behörde kündigt Maßnahmen an, ohne jetzt schon konkret werden zu wollen. Mindestens aber solle ein Monitoring umgesetzt werden. Sprecher Christoph Süß sagt zu, „dass so etwas nicht wieder passiert“. Laut Bürgermeister Gottfried Störmer ist noch zu klären, wer für die Kosten der Einsätze am Heegwasser aufkommen muss. Er selbst habe „dringenden Bedarf an einer Gesprächsrunde aller Beteiligten“ angemeldet.

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