Lampertheim

Kerwe Humorvolle Rede von Rainer Anthes im Internet / Besucher verweilen wie früher in den Gaststätten / Verkaufsoffener Sonntag

Rückgriff auf alte Traditionen

Lampertheim.Christoph Oberfeld tuckerte mit seinem neuen Lanz-Bulldog am Samstagvormittag die Römerstraße entlang. Er transportierte eine fröhliche „Fracht“: Owwerkerweborscht Markus Gutschalk und Spargelkönigin Alina-Sophie I. Weitere Kerweborscht begleiteten das historische Gefährt.

„Ich habe zehn Jahre lang an dem Bulldog gebaut“, verriet Oberfeld. Stolz genoss er diese spezielle Ausfahrt bei Feiertagswetter. Für die Borscht war es auch ein Fest, selbst wenn ihre heiß geliebte Kerwe coronabedingt abgespeckt werden musste. Sie feiern Kerwe light „mit Abstand und Anstand“ – auch am Montag noch – und nach eigenen Angaben unter der Einhaltung der vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln. Am Alten Rathaus bremste Oberfeld ab und ließ die Hebebühne samt Gutschalk und dem Kerwekranz, den Florist Jürgen Schuster gebunden hatte, in die Höhe schweben. An traditioneller Stelle platzierte Gutschalk den Kranz, die Borscht Rainer, Noah, Simon und Lennard sowie die Spargellieblichkeit standen Spalier. Immer wieder erklang Rainer Anthes’ fragender Ruf: „Wem g’heert die Kerwe?“ und die Zuschauenden antworteten: „Unser!“

Anthes war Ideengeber der Kerwe light. „Bis zum Jahr 1977 gab es in Lampertheim eine Wirtschaftskerwe“, erinnerte Anthes. Aufgrund der Corona-Pandemie habe man jetzt auf das alte Brauchtum zurückgegriffen. Seine Redd, die bewundernswert und aufwendig gestaltet wurde, schmetterte er allerdings nicht über den Europaplatz. Sie ist auf der Homepage und der Facebookseite des Wirtschafts- und Verkehrsvereins (WuVV) zu finden.

„Die Kosten der Kerwe trägt der WuVV, die Stadt muss keinen Cent bezahlen“, sagte Initiator Anthes, der mit seiner Idee der alternativen Kerwe zu WuVV-Sprecher Otto Edinger gegangen war. Es sei ihre Imagearbeit für Lampertheim. Noch einen Tag zuvor sei Anthes in den teilnehmenden Lokalen gewesen: Die Gastronomen seien in den Corona-Maßnahmen geübt und in ihrem Bereich in der Verantwortung. Dass sich die Zeremonie der Kerweborscht nicht zum Besuchermagnet entwickelte, war Absicht. Auch das Kerwe-Kranz-Aufhängen bei Eis Oberfeld am Nachmittag war nicht groß angekündigt worden. Dafür gesellten sich weitere Kerweborscht sowie die „Zwoa Spitzbuam“ dazu, die die musikalische Umrahmung lieferten.

Kinderspaß am Europaplatz

„Ich habe mich mit meinem Kleid den Borscht angepasst“, erzählte Alina-Sophie I. und entzückte im Dirndl. Gaudi pur brachte eine Runde auf dem Kinderkarussell von Schaustellerbetrieb Schneider auf dem Europaplatz. Da wurden die Kerweborscht zu Kindern: Noah quetschte sich in einen Truck, Rainer und Markus schwangen sich auf ein Motorrad. Wenige Meter weiter schleppte Ute Gabel-Schader, Leiterin der Tanzschule „House of Dance-Style“, ihre Utensilien in den Biergarten der „Krone“. Hier und an weiteren Stationen war sie für Kinderschminken und Spielaktionen verantwortlich.

Wie Besucher berichteten, sei bei den Musikveranstaltungen am Neurhein beste Stimmung gewesen. Einige Kerweborscht waren am Sonntagmorgen beim Frühschoppen auf dem Gelände des Angelvereins 1920 anzutreffen. „Ich freue mich auf den verkaufsoffenen Sonntag, besonders auf die Präsentation der neuen Herbst- und Winterkollektion im Modehaus Horlé“, schwärmte Kerwe-Besucherin Brigitte Scholz. „Bei uns im Weltladen kann der Kunde verschiedene neue Fairtrade-Kaffeesorten probieren“, berichtete Rita Lüling, zweite Vorsitzende des Vereins „Eine Welt Lampertheim“. Fritz Medert, der geradelt kam, sagte spitzbübisch über diese Kerwe: „Die schlechten Dänz müssen aach gedänzt werden.“

Info: Fotostrecke unter www.suedhessen-morgen.de

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