Lampertheim

Ü12-Summertime Jugendliche versuchen sich an Fingerfarben, Holz und Ytong / Vernissage zum Abschluss

Sägen, feilen, schleifen

HOFHEIM.Einmal der jugendlichen Kreativität freien Lauf lassen, unbefangen Hände und Füße in Farbe tauchen, sägen, feilen und schleifen was Holz und Ytong aushalten. Darin konnten sich in der vergangenen Woche jeweils neun Jugendliche in drei Workshops der Künstler-Initiative-Lampertheim (KIL) im Rahmen der Ü12-Summertime ausprobieren. Am Freitagabend haben die Kursteilnehmer ihre Kunstwerke bei einer kleinen Vernissage in der Hofheimer Alten Post ausgestellt.

In den Räumlichkeiten der KIL durften Nachwuchskünstler mittlerweile im vierten Jahr in Folge ihre Ergebnisse Eltern und Freunden präsentieren. Die Woche über hatten sie gemeinsam mit den Künstlern Bernd Kalusche, Bernhard Hossner und Anette Jansen in den Kursen „Vom Klotz zur Kunst“, „Klecks!“ oder „Wandobjekte aus Holz“ ihre künstlerische Ader entdeckt. „Da darf auch mal was schepp sein“, meinte Hossner. Der Spezialist für Holzskulpturen leitete den letzten Workshop am Tag der Vernissage.

„Am seidenen Faden“

Kurz vor Torschluss sägten, malten und klebten die jungen Künstler noch fleißig an ihren hölzernen Wandreliefs. Bei Teilnehmerin Maria ist etwa ein „Leben am seidenen Faden“ entstanden. Ein buntes Männlein aus Holz hängt wie eine Marionette an mehreren Kordeln – gehalten von zwei Hölzern. Über dem großen roten Kopf thront unheilvoll eine riesige Schere. Der Geistesblitz sei der 13-Jährigen beim Anblick zweier überkreuz gelegener Holzlatten gekommen. Maria ist auch nicht das erste Mal bei den Kursen der KIL dabei, auch privat und in der Schule interessiert sie sich für Kunst. „Ich habe hier schon mit zehn Jahren mitgemacht“, erzählte die Schülerin, während sie letzte Holzelemente fest tackerte und mit Farbe überpinselte. Die „Wiederholungstäterin“ hat, wie auch Tim und Moritz, gleich an mehreren Kursen teilgenommen.

Die beiden Jungs haben mit Kunst eigentlich weniger am Hut, sind durch ihre Teilnahme am Miramar- und Europaparkausflug im Ferienprogramm aber auf die Workshops aufmerksam geworden. „Wir wollten in den Ferien einfach mal was Anderes, Außergewöhnliches machen“, erklärten sie. Und das habe sich gelohnt, besonders die handwerkliche Arbeit mit robusten Materialien habe ihnen Spaß gemacht. Neben Holz durften sie bei Anette Jansen Ytong bearbeiten. Der Kursleiterin ging es vor allem darum, die Kinder bei der Arbeit mit dem Porenbeton „ihre Kreativität entdecken zu lassen“. Ähnliche Absichten verfolgte auch Bernd Kalusche mit seinem Kurs „Klecks!“ – oder Fingerfarben für „mutige Große“, wie er es selbst getauft hat. „Mit Fingerfarben arbeiten Kinder oft nur im Kindergarten. Wir haben ausprobiert, was man zehn Jahre später alles damit anstellen kann“, so der Künstler.

Mit Fingern, Ellbogen oder auch Fußzehen seien dabei ganz verschiedene und erstaunliche Werke durch Druckverfahren entstanden. „Jugendliche können schon Farben zueinander schlagen und komponieren, dafür haben sie die kindliche Neugierde etwas verloren“, befand Kalusche.

Diese den Kindern zurückzugeben, war dabei ein Ziel der Künstler. „Wir wollen ihnen die Scheu nehmen, die Hemmschwelle herabsetzen, um sich in der Kunst auszuprobieren. Manchmal müssen wir die Kinder ein wenig ins kalte Wasser werfen, aber dann kommt der künstlerische Fluss meist ganz von allein“, erzählte der Kursleiter. Die Resonanz der letzten Jahre gibt der KIL jedenfalls recht. Seit dem Projektstart 2014 seien die Kurse „immer voll ausgebucht gewesen“. Marcel Getrost von der Jugendförderung bestätigte, dass es für die KIL-Workshops jährlich sogar Wartelisten gebe.

Die Stadt finanziert die Kurse über eine Teilnahmegebühr von fünf Euro und bezahlt die Materialkosten, die darüber hinaus anfallen. Die KIL stellt ihrerseits kostenlos Künstler und Räumlichkeiten zur Verfügung. „Es soll nicht nur Entertainment sein, sondern eine Erfahrung bieten, aus der die Kinder wirklich etwas mitnehmen können. Vielleicht beschäftigt sich der eine oder andere auch zu Hause damit und verfolgt die Kunst weiter“, resümierte Bernd Kalusche hoffnungsfroh.

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