Lampertheim

Konzert Blues-Rock-Formation Rockfour gibt in Lampertheim begeistertes Comeback mit schweißtreibenden Rhythmen

Saunaabend im Schwanensaal

Archivartikel

Lampertheim.Lange hatte sich die legendäre Blues-Rock-Formation Rockfour rargemacht. Das lag nicht an der fehlenden Nachfrage der Fans, sondern an den vielseitigen Verpflichtungen der vier Musiker. Mitte der Achtziger bis Anfang der Neunziger füllte die Band die Clubs und Konzerthäuser im Rhein-Neckar-Raum und gastierte auch in größeren deutschen Städten und im benachbarten Ausland. Seit 1991 gehen die vier Künstler allerdings musikalisch getrennte Wege.

Am Donnerstag gab es ein begeistert gefeiertes Comeback im Schwanensaal. Tatsächlich haben die Musiker immer noch großen Spaß daran, zusammen zu spielen, das war vom ersten Takt an spürbar. Viele der Zuschauer kannten den virtuosen Sound der Gruppe noch aus den 80er Jahren und fieberten dem Auftritt gespannt entgegen.

Entsprechend vollmundig kündigte Projektleiter Hans-Jürgen Götz seine Bandmitglieder an: Adax Dörsam „der beste Gitarrist der Welt“, Bassist Matz Scheid „ein sensationell begabter Entertainer“ und Wolfgang Schütz „der beste Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger“. Sich selbst bezeichnete er bescheiden als „besten Schlagzeuger auf diesem Quadratmeter“.

Dass er aber wie seine Kollegen ein hochkarätiger Rockmusiker ist, bewies er spätestens bei seinem Drum-Battle mit Schütz. Wie besessen droschen die beiden auf das Schlagwerk ein und tauschten dabei sogar kurzerhand die Plätze. Während Götz als eine Art Walking-Act durch den Saal zog, bearbeitete Schütz auf der Bühne sämtliche Trommeln und Becken.

Rockig und mitreißend

Wohl keiner der Besucher hatte den „Säbeltanz“ von Aram Khatchaturian zuvor so rockig und mitreißend erlebt, wie in der Version des Saitenspezialisten Dörsam. Mit rasender Geschwindigkeit und bewundernswerter Präzision jagten seine Finger über das Griffbrett. Unterstützt von Götz am Schlagzeug trieben sich Gitarre und Bass bei Stücken wie „Rock ’n’ Roll is King“ immer wieder gegenseitig an. Dörsam produzierte flüssige Melodien und setzte Akzente mit überraschenden Breaks und prägnanten Soli. Die alten ZZ Top Klassiker „Waiting for the Bus”, „Jesus Just Left Chicago”, „Gimme All Your Lovin“ und „Sharp Dressed Man“ erinnerten an die Anfänge der Band, als sie noch vorwiegend Coversongs spielten.

Später setzten sie zunehmend auf eigene Stücke, deren Texte größtenteils aus der Feder von Mike Seifert stammen. „Noise & Whisky“, „Spreading that Love“ und „Nothing“ wurden von den Zuhörern enthusiastisch aufgenommen. Bei der Ballade „Blue-Jeans-Blues“ und dem kraftvollen „Bad Time Blues“ kam Schütz’ markante Stimme besonders gut zur Geltung.

Bassist Scheid übernahm den Gesangspart bei Rory Gallaghers „Bullfrog Blues“ und unterhielt zwischendurch immer wieder bestens, wenn er im spaßigen Pseudo-Russisch radebrechte oder in Jimi-Hendrix-Manier bei „Stone free“ eine akrobatische Showeinlage lieferte. Schweißtreibend waren beim „Saunaabend im Schwanensaal“, so Scheid, nicht nur die Temperaturen im brechend vollen Raum, sondern vor allem die krachenden und fetzigen Rhythmen. Damals wie heute steht Rockfour für gutgemachten Bluesrock und ein besonderes Live-Erlebnis.

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