Lampertheim

Soziales Bürgermeister überreicht Sprachkurs-Zertifikate an Flüchtlinge

Schlüssel zur Integration

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Der Weg zur Eingliederung in eine fremde Gesellschaft und Kultur sei für die Teilnehmer aus Afghanistan, Syrien und vielen andern Ländern steinig und beschwerlich gewesen, so Bürgermeister Gottfried Störmer am Montagmittag im Alten Rathaus. „Doch mit dem erfolgreichen Absolvieren eines Sprachkurses in weniger als zwei Jahren haben Sie einen wichtigen Schritt getan“, versicherte er. Der Rathauschef beglückwünschte im Sitzungssaal elf Flüchtlinge zu einem Zertifikat des „Deutschtests für Zuwanderer“ bis zum Sprachniveau B1, 2 erhielten eine Bescheinigung über den leichteren A1-Sprachkurs und drei weitere für einen Alphabetisierungskurs.

Und doch seien noch viele, weitere Wege zu gehen, erinnerte Patrick Fleckenstein. „Aber Sie haben eine Grundlage geschaffen“, freute sich der katholische Pfarrer. Denn das Erlernen von Sprache und Schrift sei ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Integration. Finanziert wurden die Kurse von der Stadt Lampertheim, den katholischen Gemeinden St. Andreas und Herz Jesu mit zwei Spenden über 32 000 Euro und einer Spende des Lions Club über 25 000 Euro für mehrere Gemeinden gleichzeitig. Teilnehmen konnten Geflüchtete, die keinen Integrationskurs besuchen konnten. Also all jene, die keine Bleibeperspektive haben, die aufgrund ihres Aufenthaltsstatus keine Möglichkeit auf einen Sprachkurs oder ein Recht auf einen offiziellen Integrationskurs haben, aber aufgrund des Teilnehmerstaus länger darauf warten müssten.

„Besondere Lage“

Den Unterricht organisiert die bundesweite Organisation „Teach First“. Sie stellte den Kursteilnehmern zwei Hochschulabsolventen in Vollzeit an die Seite. Das Bildungsprogramm sieht es eigentlich vor, junge Schüler in sozialen Brennpunkten zu unterstützen. „Aufgrund der besonderen Lage in Lampertheim vor zwei Jahren wurde aber eine Ausnahme für die Erwachsenenbildung gemacht“, erklärte Benedikt Rhiel auf Nachfrage dieser Zeitung.

Gemeinsam mit Kristóf Gnändinger fungierte er die vergangenen zwei Jahre als Integrationslehrer. Von Montag bis Donnerstag lernten sie mit den Menschen aus verschiedensten Ländern und Kulturen die deutsche Sprache. Dabei sei es aber nicht nur um Buchstaben und Wörter gegangen, sondern auch um Verhaltensweisen und Gepflogenheiten.

Die Hochschulabsolventen haben in Lampertheim auch die Initiative „Start with a Friend“ ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, Menschen mit hier lebenden Flüchtlingen und Asylbewerbern zu Tandems zu verknüpfen. Zu ihrer Arbeit gehörten deshalb auch gemeinsame Ausflüge und Spieleabende. „Auch wir konnten viel lernen“, betonte Rhiel. Insgesamt nahmen 128 Personen an den Kursen teil, die durchschnittliche Teilnahmedauer habe bei sechs Monaten gelegen.

Die hohe Abbruchrate liegt laut Stadt in Umzügen, der Aufnahme eines Integrationskurses oder einer verpflichtenden Maßnahme des Jobcenters und in der Arbeitsaufnahme begründet. Als Nachfolger von Rhiel und Gnändinger sollen künftig ehrenamtliche Kräfte vergleichbare Kurse leiten.

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