Lampertheim

Nabu 40 Teilnehmer erkunden beim Fotowettbewerb die heimische Flora und Fauna mit der Kamera

Schönheit der Natur eingefangen

Archivartikel

Lampertheim.Von weitem ist das kleine Kerlchen kaum vom Schilf zu unterscheiden. Sein rötlich braunes Rückengefieder passt den Teichrohrsänger perfekt in die Uferlandschaft des Altrheins ein. Für einen kurzen Moment scheint der Vogel, völlig regungs- und schwerelos seitlich an einem vertikalen Schilfrohr zu hängen. Als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun. Dabei hat sich der Rohrspatz gerade ein schwarzes Insekt mit seinem langen, dünnen Schnabel geangelt und hält Ausschau nach seinen Jungtieren. Was Cara Schweiger beim Fotowettbewerb des Lampertheimer Naturschutzbundes (Nabu) auf ihrer Spiegelreflexkamera festgehalten hat, spiegelt ein paradoxes Naturschauspiel wider. Dafür erhielt sie den ersten Platz.

Ihr Bild ist nicht nur technisch einwandfrei aufgenommen, sondern zeigt vielmehr die einmalige Schönheit, die das Naturschutzgebiet Lampertheimer Altrhein entlang seiner Ufer- und Feuchtzonen zu bieten hat. Es zeigt aber auch, wie komplex und gleichzeitig fragil ein ganzes Ökosystem voller Pflanzen und Tiere unter menschlichem Einfluss ist. Denn der Teichrohrsänger – und damit eine ganze Lebensgemeinschaft – ist durch Entwässerungsmaßnahmen, Uferverbauung und die menschengemachte Nährstoffanreicherung seiner Gewässer bedroht. Der Vogel ist, wie viele andere Arten auch, streng an Schilf gebunden. Geht dieser Lebensraum verloren, hat der Teichrohrsänger keine Überlebenschance mehr.

Genau den Kern getroffen

„Das Naturschutzgebiet Lampertheimer Altrhein leistet einen bedeutenden Beitrag zum Schutz dieser Lebensformen“, sagt die Fotografin zu ihrem Bild. Der Teichrohrsänger repräsentiert für Schweiger die Region genauso wie die „wilde Natur“. Damit hat die Gewinnerin des Fotowettbewerbs genau dessen Kern getroffen. Insgesamt waren rund 40 Teilnehmer dem Aufruf des Nabu seit 1. Juli gefolgt und hatten Natur-Motive eingeschickt. „Die Bilder zeigen, dass wir vor Ort Natur haben, die es wert ist, erkundet zu werden. Nicht nur am Biedensand“, stellte Nabu-Vorsitzende Andrea Hartkorn bei der Preisverleihung fest.

Weil wegen der Corona-Pandemie praktisch alle Veranstaltungen der Umweltschützer ausgefallen waren, habe man versucht, mit dem Foto-Wettbewerb auf anderem Wege auf die Umwelt aufmerksam zu machen. „Das passt doch auch gut in die Zeit“, fand Hartkorn. Schließlich hätten viele Bürger während der Corona-Beschränkungen wieder vermehrt Zeit im Freien verbracht. Die Motive sollten „den Blick für die Natur wieder schärfen“, so Hartkorn. Zumindest bei den Teilnehmern scheint das geglückt. Neben einigen Nabu-Mitgliedern haben auch viele Kinder und Nicht-Mitglieder teilgenommen. Sebastian Weiss etwa hat ein Storchentrio vor der untergehenden Sonne aufgenommen. Dafür erhielt er genau wie Markus Ohlow für seinen „Gartenfreund die Maus“ den zweiten Platz. Das Treppchen komplettierte Marina Muhr mit einer Blaupfeil-Libelle.

Als Preise gab’s Nistkästen für Meisen, Naturbücher, einen Kompass, Brenngläser oder ein Insektenhotel. Der Resonanz nach zu urteilen, dürfte der erste Fotowettbewerb jedenfalls nicht der letzte bleiben.

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