Lampertheim

Wertvolles Wasser Angler, Sportler und Bootsbesitzer kommen mit der Situation am Altrhein zurecht / Fährbetrieb eingestellt / Erinnerungen an 1959

„Schon schlimmeres Niedrigwasser“

Archivartikel

Lampertheim.Den Schlüssel der Fähre hat Kapitän Werner Reuters abgezogen. In der Sonne liegend dümpelt das Schiff „Frischling“ an seiner Anlegestelle vor sich hin. „Am Sonntag haben wir die vorerst letzte Fahrt gemacht. Alle geplanten Touren im August müssen ausfallen“, bedauert Reuters. Der Grund: Das Niedrigwasser. Doch die Lampertheimer sind entspannt. Sie wissen, mit ihrem Flussarm umzugehen.

Die Wasserstände fallen zusehends an Rhein und Altrhein. Und laut Wetterprognosen sind keine größeren Regenfälle in Sicht. Am alten Pegelhäuschen in Worms sei Anfang der Woche eine Wassertiefe von 63 Zentimetern gemessen worden. „Plus 30 Zentimeter und wir haben den Pegelstand am Alten Hafen in Lampertheim, also 93 Zentimeter“, rechnet der Erste Vorsitzende des Fährvereins Nibelungenland vor. Dort sei das Drehen der Fähre im flachen Wasser schon schwierig und man müsse „aufpassen, dass Ruder und Schraube nicht kaputt gehen“.

Unterdessen passen bei der Engstelle am Bootshaus Kern, wo inzwischen Totholz aus dem Wasser ragt, „auch keine zwei Motorsportboote mehr aneinander vorbei“, hat Werner Reuters beobachtet.

Dieter Brechenser, Sportwart beim Wassersportverein Lampertheim (WSV), dagegen konnte sein Trainerboot noch „ganz gut“ durch den Altrhein manövrieren. „Man muss halt aufpassen und nicht zu stark in Ufernähe kommen. Aber ein Segelboot beispielsweise mit großem Schwert hat es natürlich ungleich schwerer.“

Beim Training der Kanuten gibt es bislang kaum Einschränkungen. „Wir haben halt unseren Steg etwas verlängert“, sagt Brechenser und lacht. Außerdem paddeln die Sportler für ihre Übungseinheiten einfach etwas weiter Richtung Neurhein raus.

Mehr als die Wassersportler trifft die sinkende Wasserbreite und -tiefe die Angler, erklärt Stephan Frech von der städtischen Stabsstelle Recht und Bodenschutz auf Anfrage des „Südhessen Morgen“. Denn die Wasserqualität werde bei der langen Hitzewelle immer problematischer. Noch seien Auswirkungen auf Fische und Muscheln nicht zu sehen. Aber durch den anhaltenden Sonnenschein und die hohen Temperaturen heize sich das wenige Wasser stark auf und der Sauerstoffgehalt sinke.

Keine gute Situation für die Wassertiere, dagegen aber ideale Bedingungen für Pflanzen wie die Wasserlinsen, die am Hegwasser bereits Teppiche gebildet haben.

„Wir überwachen die Entwicklung engmaschig“, betont Frech. Am morgigen Donnerstag etwa nähmen Mitarbeiter der Hessischen Landesanstalt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) am Altrhein Proben. Dabei stünden unter anderem die Vermehrung der Blaualgen im Fokus. Denn diese könnten – in zu großer Zahl vorhanden – toxische Wirkung haben, wenn etwa badende Hunde zuviel Altrheinwasser schlucken.

Alte Fotografie

„Sollte die Blaualgen-Konzentration steigen, müssten wir entsprechende Warnschilder aufstellen und möglicherweise den Wassersportbetrieb zurückfahren“, meint Frech. Doch so weit muss es nicht kommen.

„In Lampertheim hatten wir schon schlimmeres Niedrigwasser, etwa 2003“, erinnert sich Dieter Brechenser. Da habe es an den seichtesten Stellen nur noch 16 Zentimeter gehabt. Dem pflichtet Werner Reuters bei und sucht eine alte Schwarz-Weiß-Fotografie aus dem Jahr 1959 heraus. „Damals“, sagt er beim Betrachten des Bildes schmunzelnd, „war der Altrhein nur noch ein Bächlein“.

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