Lampertheim

Interview Hartmut Staatz, Leiter des südhessischen BASF-Standorts, spricht über aktuelle Herausforderungen / Lampertheim wohl nicht stark von Stellenabbau betroffen

„Schwierige Suche nach Fachkräften“

Archivartikel

Lampertheim.Der BASF-Produktionsstandort in Lampertheim hat mit Hartmut Staatz einen neuen Standortleiter. Der promovierte Entwicklungsingenieur folgte auf Helmut Prestel, der nach zehn Jahren die Leitung der Geschäftsführung abgab. Staatz hat den Standort in Südhessen in turbulenten Zeiten übernommen. So hat der Chemiekonzern nach dem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr einen umfassend Stellenabbau auch für Deutschland angekündigt. Außerdem ist die Verkehrssituation in der Region schwierig und auch der Fachkräftemangel bereitet der Wirtschaft zunehmend Probleme.

Herr Staatz, seit Oktober sind sie Leiter am BASF-Standort in Lampertheim. Wegen internationaler Handelskonflikte und des schwächeren Wachstums macht der Konzern schwierige Zeiten durch. So sollen 2021 weltweit 6000 Stellen wegfallen, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Ist auch Lampertheim betroffen?

Hartmut Staatz: Am Standort in Lampertheim stehen ja vor allem technische Prozesse und die Produktion im Zentrum. Der geplante Stellenabbau bei der BASF betrifft jedoch vor allem Jobs in der Verwaltung. Insofern ist Lampertheim primär von diesen Maßnahmen nicht betroffen. Allerdings ist es momentan schwierig, die wirtschaftliche Entwicklung vorauszusagen.

Schwierig zu kalkulieren erscheint momentan auch die Verkehrsentwicklung, In Ludwigshafen sind mit der Süd-Trasse und der Hochstraße Nord gleich zwei wichtige Verkehrsachse schwer marode. Das wird den Verkehr in der Region über Jahre hinaus belasten. Bereitet Ihnen das manchmal schlaflose Nächte?

Staatz: Anders als für das Stammwerk der BASF in Ludwigshafen stellt das für uns in Südhessen momentan weniger ein Problem dar. Viele unserer Mitarbeiter kommen aus dem Kreis Bergstraße oder auch aus Worms, so dass sie aktuell nicht unter größeren Behinderungen leiden müssen. Auch mit Blick auf die Logistik geht es aktuell noch. Dennoch muss das nicht so bleiben. Interessant wird es, wenn die Hochstraße Süd abgerissen wird. Denn wenn der Verkehr womöglich umgelenkt wird, könnte sich die Situation auf der A 6 zuspitzen. Das wiederum könnte die Situation für Zulieferer erschweren. Aber noch ist es zu früh, das zu beurteilen.

Seit Monaten ist zu beobachten, dass Themen wie Nachhaltigkeit, Umwelt- oder Klimaschutz immer stärker in das Zentrum gesellschaftlicher und politischer Debatten rücken. Inwiefern wirkt sich das auch auf die Produktion der BASF in Lampertheim aus?

Staatz: Grundsätzlich arbeiten wir ja an der Haltbarkeit von Plastikprodukten. So produzieren wir Stoffe, die einerseits zum Lichtschutz von Plastikprodukten beitragen. Auch stellen wir sogenannte Antioxidanten her, die wiederum verhindern, dass Kunststoff durch Einfluss von Sauerstoff und Wärme schnell altert. In diesen Bereichen sind wir in Lampertheim sehr stark. Gerade bei den Lichtschutzadditiven sind wir auch global gesehen stark vertreten. Aber wir richten unseren Fokus natürlich auch auf andere Bereiche.

Nämlich?

Staatz: Unser Ziel ist es, nachhaltige Produkte herzustellen. So wollen wir etwa mit Blick auf das drängende Thema Plastikmüll weiter innovative Produkte entwickeln. Das ist für die Umwelt gut und sichert auch unseren Vorsprung gegenüber Wettbewerbern. Außerdem handelt es sich dabei um interessante Arbeitsgebiete. Nicht zuletzt muss aufgrund unserer Produkte weniger weggeworfen werden, auch wenn das unpopuläre Wort „Plastik“ bei unserer Arbeit mitschwingt. Eigentlich aber geht es um Wertstoff an dessen Langlebigkeit wir zum einen arbeiten und der gegenüber anderen Materialien in der Gesamtökobilanz Vorteile hat.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Staatz: Neben unseren klassischen Produkten suchen wir auch nach innovativen Alternativen. Wir stellen zum Beispiel neuerdings den Werkstoff für industriell kompostierbare Kaffeekapseln her. In dem Bereich wird ja noch immer Aluminium verwendet. Glücklicherweise schwenken die Hersteller nach und nach um, was das Material angeht. Da wir das entsprechende Know-how und die passende Technologie haben, können wir am Standort Lampertheim ein entsprechendes Produkt herstellen. Diese Kapseln sind mittlerweile auch bei mindestens einem Hersteller im Einsatz.

In Deutschland werden die Klagen wegen des Fachkräftemangels immer lauter. Wie bewerten Sie die Situation für den Standort in Lampertheim?

Staatz: Also wir sehen durchaus, dass gut ausgebildete Fachkräfte knapper werden. Noch sind wir aber in der Lage Kräfte in ausreichender Zahl anzuheuern. Aber es gibt schon Bereiche, in denen es immer schwieriger wird.

Um welche Bereiche handelt es sich denn?

Staatz: Es geht hier um Bereiche wie Digitalisierung und Automatisierung – beides sehr wichtige Themen für unseren Standort. Hier ist es nicht einfach, neue Fachkräfte zu finden. Glücklicherweise haben wir in der Region mit Darmstadt, Mannheim, und Heidelberg starke Forschungs- und Hochschulstandorte. Das hilft uns. Auch die Universitäten in Frankfurt und Karlsruhe haben wir im Blick.

Wie lässt sich das Problem lösen?

Staatz: Es ist heute eine Herausforderung, Kinder und Jugendliche für technische Themen zu begeistern. Wir versuchen es beispielsweise in Lampertheim damit, dass wir den Wettbewerb „Jugend forscht“ an unserem Standort unterstützen. Das Stammwerk macht das ja in Ludwigshafen ebenfalls. Da sieht man durchaus Effekte. Außerdem bilden wir in Lampertheim selbst aus. Wir haben aktuell 30 Auszubildende. Insofern haben wir das Problem im Griff. Doch auch wenn wir nicht vor unlösbaren Aufgaben stehen, ein Spaziergang ist es allerdings auch nicht.

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