Lampertheim

Figurenmuseum Alte Schule als Ausstellungsort umstritten / Bürgermeister Störmer widerspricht Stadtrat Ohl

Senioren kontra Zinnsoldaten?

Lampertheim.Einmal geäußert, werden Gedanken nicht selten zu Fakten, an denen sich andere stoßen. So ergeht es Stadtrat Gottlieb Ohl (FDP) mit seinem Vorschlag, ein Figurenmuseum einzurichten. Vorstellen könne er sich, die Ausstellung der Brüder Umhey in der Alten Schule unterzubringen, in der zum einen die Volkshochschule ihre Kurse abhält, zum anderen die Senioren eine Begegnungsstätte haben.

Ohl hatte seine Überlegungen bei einem Pressegespräch zu Protokoll gegeben (SHM vom 3. Mai). Die Alte Schule eigne sich unter anderem wegen ihrer Nähe zum Heimatmuseum. Hierin sah der Kommunalpolitiker, der sich als Stadtrat für das Lampertheimer Stadtmarketing engagiert, vielversprechende Synergien. Ohl räumte im Gespräch freilich auch ein, eine Neubelegung der Alten Schule gehe „nicht von heute auf morgen“. Schließlich müsste für die Senioren in einem solchen Fall eine neue Bleibe gefunden werden.

Doch die denken offenbar überhaupt nicht daran, ihr angestammtes Domizil zu verlassen. Stellvertretender Beiratsvorsitzender Heinz-Dieter Schäfer (Vorsitzende Gerlinde Hellmuth weilt in Urlaub) teilt schriftlich mit, was er von Ohls Vorschlag hält. Solche „hanebüchenen Gedanken“ liefen der Realität völlig zuwider.

Zudem sei die Alte Schule häufig überfüllt. Es gebe keine freien Räume für die dauerhafte Aufnahme einer solchen Ausstellung. Auch mahnt Schäfer, „unbelebte Figuren“ wie jene Zinnsoldaten nicht gegen die Senioren auszuspielen. Schäfer unterstellt dem Stadtrat, dieser sei „mit der Materie Seniorenbetreuung überhaupt nicht bewandert“.

Auch Bürgermeister Gottfried Störmer distanziert sich auf Anfrage von Ohls Vorschlag, die Seniorenbegegnungsstätte eventuell umzusiedeln. Ein solcher Schritt sei schon gar nicht ohne Zustimmung des Seniorenbeirats möglich. Erster Stadtrat Jens Klingler macht im Pressegespräch deutlich, dass es sich bei der Seniorenbetreuung um ein „sehr sensibles Thema“ handele. Hinter der Idee, in der Alten Schule ein Figurenmuseum einzurichten, mache er „drei dicke Fragezeichen“, zumal es eher beabsichtigt sei, die Räumlichkeiten auch in Zukunft für soziale Zwecke zu nutzen. So habe beispielsweise die Lampertheimer Tafel Raumbedarf angemeldet.

Gottlieb Ohl selbst besteht darauf, mit der Alten Schule lediglich einen Vorschlag gemacht zu haben. Dies allerdings vor dem Hintergrund, dass die Senioren seines Wissens nach eine neue Bleibe suchten, unter anderem wegen der nicht gegebenen Barrierefreiheit der Alten Schule. So sei die Zehntscheune als Alternative im Gespräch.

Ohl räumt auch ein: „Die Dinge sind im Fluss. Es ist überhaupt noch nichts entschieden.“ Doch Optionen seien rechtzeitig abzuwägen. Dass die Senioren als Hauptbetroffene hierüber ein entscheidendes Wort mitzureden haben, setzt auch der umtriebige Stadtrat voraus. urs

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