Lampertheim

Natur In den südhessischen Wäldern schwärmen die Maikäfer in diesen Tagen wieder aus

Sie fliegen und krabbeln wieder

Archivartikel

Lampertheim.„In den Bäumen hin und her fliegt und kriecht und krabbelt er.“ Wilhelm Buschs Beschreibung des Maikäfer-Schwärmflugs trifft auch in diesen Tagen zu. Denn in den Wäldern rund um Lampertheim summt und brummt es vernehmlich, und auch Gartenbesitzer kriegen Besuch vom gefräßigen Grünhäcksler.

Es ist der Höhepunkt des diesjährigen Maikäferflugjahrs in Hessen. In anderen Teilen Deutschlands schlüpfen die Käferstämme erst im kommenden Jahr, wie Lampertheims Forstamtsleiter Ralf Schepp zu berichten weiß. Doch von Darmstadt bis zum Käfertaler Wald gilt als verlässliche Grundregel: Das Jahr einer Fußball-Weltmeisterschaft ist auch die Hauptflugzeit der hessischen Brummer. Bis in Russland das erste Spiel angepfiffen wird, sind die Käfer freilich wieder verschwunden. Nach der Maikäferhochzeit in diesen Tagen rechnet Ralf Schepp damit, dass die Invasion der Insekten Ende kommender Woche wieder abflauen wird.

Die durch den hohen Wasserverbrauch der Frankfurter Region abgesenkten Grundwasserspiegel, trockene Böden sowie vergleichsweise milde Temperaturen und hohe Sonneneinstrahlungen bilden den idealen Nährboden für ein erkleckliches Larvenwachstum. Nicht etwa in den Baumkronen, sondern bereits im Boden richten die Insekten während ihrer vierjährigen Reifezeit die größten Schäden an. Auf die Baumwurzeln haben es die nimmersatten Engerlinge abgesehen. Zwar können die Forstleute während der Wachstumsphase Stichproben im Boden machen und Aussagen über die Dichte des Befalls treffen. Doch wie hoch die Schäden an den Bäumen tatsächlich sein werden, lässt sich in der Regel erst in den Jahren nach dem Maikäferbefall feststellen. Dann nämlich, wenn Bäume – als gefährdet gelten vor allem Alteichen – absterben.

Von Süden nach Norden

Kein Mittel hat sich bislang als geeignet erwiesen, dem Schädling beizukommen. Entweder bedrohten Chemikalien oder Pilzviren auch andere Tierarten, oder es fehlte ihnen an entscheidender Durchschlagskraft. Immerhin aber hat Forstamtsleiter Schepp zumindest für die Wälder im Ried eine beruhigende Feststellung gemacht: Der Maikäferbefall verlagert sich mittlerweile von Süden nach Norden. Zumindest zeigt die 2017 gemessene Dichte von viereinhalb Larven pro Quadratmeter eine gewisse Stagnation gegenüber dem zurückliegenden Flugjahr 2014. Hingegen messen die Forstleute schon im Jägersburger Wald eine höhere Befallsdichte.

Den Waldbauern bleiben nur wenige Möglichkeiten, um auf den Insektenbefall zu reagieren. Zumal sich die Wahl der Baumarten in erster Linie an den allgemeinen Standortbedingungen zu orientieren hat. Die Anpflanzungen von Kulturen nehmen die Forstleute unterdessen in einer Zeit vor, in der sich aus den Maikäferlarven noch keine gefräßigen Engerlinge entwickelt haben. Auf diese Weise schaffen es laut Ralf Schepp immerhin bis zu 90 Prozent der Kulturen, genügend Widerstandskraft aufzubauen und so den gefürchteten Wurzelfraß zu überstehen.

Wenn in den kommenden Tagen wohl auch erschreckend viele Bäume in den Wäldern rund um Lampertheim entlaubt sein werden, so setzt das Lampertheimer Forstamt auch künftig auf jene antizyklischen Anpflanzungen, in denen das Versprechen auf gesunde Hochwälder keimt.

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