Lampertheim

Blick nach Worms Finanzielle Situation wegen langer Schließzeit angespannt / Zahlreiche Einnahmequellen weggebrochen

Sorgen im Tiergarten Worms

Archivartikel

Worms.Knapp sieben Wochen Schließzeit im Frühjahr 2020, eine starke Limitierung der Besucherzahlen, keine regulären Ferienspiele, kein Tiergartenfest, kein Herbstmarkt und eine erneute Schließung seit November – der Tiergarten Worms blickt auf ein schwieriges Jahr zurück und bedankt sich bei seinen treuen Besuchern für die Unterstützung.

Der Pandemie zum Trotz, mit der richtigen Portion Mut und einem enormen Ehrgeiz hat der Tiergarten als einer der ersten Tiergärten und Zoos in Rheinland-Pfalz beim Lockdown im Frühjahr wieder öffnen können. Die unermüdlichen Anstrengungen der beiden Tiergartenleiter samt Mitarbeiter haben den Tiergarten nach vielen Erfolgsjahren vor stärkeren Blessuren bewahren können. Und dennoch sind die Aussichten auf das neue Jahr nicht gut. Es beginnt, wie es endete: mit einem gravierenden Lockdown und vielen Sorgen.

„Haben das beste Publikum“

Mit genau 218 190 Besuchern, die 2020 nur in den Phasen der zwischenzeitlichen Öffnung kommen konnten, brachen die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent ein. Doch ist dies unter den aktuellen Pandemiebedingungen als kleiner Erfolg zu werten. Betrachtet man allein die Einschränkungen und Reglementierungen, die man den Tiergarten-Besuchern aufgrund der Anordnungen und Auflagen zumuten musste: Sperrung der Tierhäuser, Streichelgehege und des Spielplatzes und begrenzte Ticketkontingente, einer Voranmeldung des Besuchs, der jegliche Spontaneität missen ließ – die Liste der Hürden für einen Besuch war lang. Es galt eine ganze Bandbreite an Informationen an die Besucher heranzutragen, ohne sie zu verschrecken. „Wir haben das beste Publikum, das man sich nur wünschen kann, motivierte Mitarbeiter und mit dem Freundeskreis Tiergarten einen wichtigen Partner an unserer Seite, dafür können wir uns glücklich schätzen. Die Besucher haben das Konzept verständnisvoll und diszipliniert mitgetragen, es überwog die Freude über die Wiedereröffnung, auch wenn es zig Einschränkungen gab. Im Grunde waren unsere verfügbaren Ticketkontingente fast durchgehend ausverkauft, dafür sind wir mehr als dankbar“, so Uwe Franz, Beigeordneter der Stadt Worms.

Planungshorizont fehlt

Gleichzeitig schlugen die Belastungen durch den erhöhten Personalbedarf aufgrund der Pandemiepläne und das Wegbrechen sämtlicher Einnahmequellen enorm zu Buche. Weiterhin fehlt jeglicher Planungshorizont. Die pandemiebedingten finanziellen Einnahmeverluste durch ausbleibende Ticketverkäufe aus Tages- und Veranstaltungsgeschäften wiegen in der gesamten Branche schwer.

„Die Situation für uns und viele unserer Kollegen ist sehr angespannt. Die Arbeit und insbesondere die Versorgung der Tiere lässt sich nicht über Kurzarbeit erledigen. Die Arbeit der Tierpfleger unterscheidet sich kaum von normalen Öffnungstagen: Gehege werden gereinigt, Tiere gefüttert und beschäftigt“, so die beiden Tiergartenleiter Wilfried Adelfinger und Marco Mitzinger.

Freundeskreis hilft

Eine wichtige Stütze ist der Freundeskreis des Tiergarten Worms, der wie es Geschäftsführerin Michaela Schmitt beschreibt „seit den Wolfsnächten 2020 zur Untätigkeit verdonnert ist“. Corona macht den Mitgliedern des Freundeskreises sehr zu schaffen, weiß sie aus den vielen Gesprächen zu berichten. Da keine Veranstaltung, mit Ausnahme eines Pop-up-Events im Herbst, stattfinden konnte, gab es für sie und die ehrenamtlichen Helfer keine Möglichkeit, Einnahmen aus gastronomischen Angeboten für den Tiergarten zu erzielen. Viele Rückfragen und Anrufe hat sie in Folge erhalten, und alle suchten nach Möglichkeiten, den Tiergarten weiter zu unterstützen. „Die Anteilnahme war und ist ungebrochen groß, viele machen sich große Sorgen und suchen nach Möglichkeiten, dem Tiergarten zu helfen – auch finanziell“, berichtet Schmitt.

Nachfrage wegen Patenschaften

Eine riesige Welle an Unterstützung habe sie so erfahren dürfen, und die Nachfrage nach Patenschaften für die Tiere nahm merklich zu. Über 100 neue Patenschaften konnte sie für den Tiergarten vermitteln, 2019 waren es 32. Durch die Übernahme einer Tierpatenschaft für zunächst zwei Jahre werden die Futter- und Pflegekosten für die Tiere unterstützt. Wer den Tiergarten Worms in dieser schwierigen Lage unterstützen möchte, kann dies unter anderem mit einer Spende oder dem Kauf von Jahreskarten tun. red

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