Lampertheim

Betreuungskonzept Stadt muss weitere Plätze schaffen / Lampertheimer Sozialdemokraten liebäugeln mit Bensheimer Modell

SPD: Arbeiterwohlfahrt soll Kindertagesstätte bauen

Archivartikel

Lampertheim.Nach dem Vorbild der Kindertagesstätte Stubenwald in Bensheim möchte die Lampertheimer SPD eine neue Einrichtung in Lampertheim schaffen. Träger in Bensheim ist der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Möglicher Standort der neuen Kindertagesstätte in Lampertheim: die Riesengasse.

Dort hat sich die Stadt in den Besitz von Grundstücken und Immobilien gebracht. Ziel ist es, das Unterdorf südlich der Römerstraße aufzuwerten, vor allem durch eine verdichtete Wohnbebauung (wir berichteten). Weil zugleich der Bedarf an Kindergartenplätzen wächst, hat Sozialdezernent Jens Klingler auf die Notwendigkeit hingewiesen, in absehbarer Zeit – spätestens bis 2021 – eine weitere Betreuungseinrichtung zu schaffen. Mit Blick auf das nahezu zehn Millionen Euro hohe Defizit, das die Betreuungskosten im städtischen Haushalt verursachen, erwägen die Lampertheimer Sozialdemokraten nun, die Trägerschaft der künftigen Kindertagesstätte in andere Hände zu geben.

Neben dem Bensheimer Familienzentrum, der Lampertheimer Lebenshilfe und den konfessionellen Trägern wäre die Arbeiterwohlfahrt ein weiterer Partner im Betreuungskonzept der Stadt. Dabei hat das Konzept des Awo-Kreisverbandes seinerzeit für politische Kontroversen gesorgt. Denn die Awo stellt einen Teil ihrer Betreuungsplätze ansässigen Unternehmen zur Verfügung. Diese kaufen die Plätze, um sie an Mitarbeiter zu vergeben.

Für SPD-Fraktionschef Marius Schmidt wäre das ein weiterer Standortvorteil, mit dem Lampertheim punkten könnte. Denn das Vergabemodell ermögliche es Arbeitnehmern, die Anforderungen von Beruf und Familie besser aufeinander abzustimmen. Zudem würde die Vergabe von Betreuungskontingenten den Zuschussbedarf senken. „Das würde den städtischen Haushalt enorm entlasten“, meint Schmidt, der nun daran gehen will, den Koalitionspartner FDP von dieser Vorgehensweise zu überzeugen.

Awo: „Erfolgsgeschichte“

In Bensheim hatten sich 2014 freilich nicht nur die Liberalen gegen das Konzept der damaligen CDU/GLB-Mehrheitskoalition gestemmt: Die Firmen sollten selbst für Betreuungskapazitäten sorgen, hatte auch die SPD kritisiert. Auch die Lage im Bensheimer Gewerbegebiet Stubenwald hatte zunächst für skeptische Reaktionen gesorgt. Inzwischen musste die dreigruppige Kindertagesstätte um weitere drei Gruppen aufgestockt werden. Diese wurden in einem benachbarten Bürogebäude untergebracht. Der Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes, Sebastian Parker, spricht hierbei von einer „Erfolgsgeschichte“. Die Kita werde rundum als Belebung wahrgenommen. Aktuell seien 17 Betreuungsplätze an Unternehmen vergeben worden. Mehr wären möglich, meint Parker, doch die Stadt wolle ihr Platzangebot zugunsten der übrigen Eltern nicht schmälern.

Inzwischen habe das Awo-Konzept Schule gemacht. So habe die Stadt die Platzvergabe an Unternehmen in einer kommunalen Einrichtung übernommen. Neben der Kita des Awo-Kreisverbands in Bensheim betreibt der Awo-Ortsverein Viernheim vier Kindertagesstätten im Kreis. Lampertheim wäre insgesamt der sechste Standort im Einzugsgebiet des Bergsträßer Wohlfahrtsverbandes. Das pädagogische Konzept wechselt je nach Einrichtung, wie Kreisgeschäftsführer Parker verdeutlicht. Stets aber spielten Themen wie Inklusion, Toleranz im Umgang mit anderen sowie Angebote für Sport sowie Sprachen und Musik eine herausragende Rolle.

Auch in der Lampertheimer Riesengasse könnte es zu einer Koexistenz von Kindern auf der einen und Arbeitnehmern auf der anderen Seite kommen: Die Stadtverwaltung platzt aus allen Nähten. Nach Vorstellungen der SPD könnten in einem gemeinsamen Betreuungskomplex freie Kapazitäten für alle geschaffen werden. 

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