Lampertheim

Gedenken Mitglieder der katholischen Kirchengemeinden bringen „Der Prozess des Pater Alfred Delp“ auf die Bühne

Spiel berührt Herzen der Zuschauer

Lampertheim.Mit dem Dokumentarspiel „Der Prozess des Pater Alfred Delp“ eröffneten die Mitglieder der beiden katholischen Gemeinden in Lampertheim, St. Andreas und Mariä Verkündigung, den Reigen der Gedenkveranstaltungen zu Ehren Pater Alfred Delps, des berühmten Sohnes der Stadt. „Wir wollen bildhaft darstellen, welchen Leidensweg der Pater von Verhaftung bis Hinrichtung gegangen ist“, kündigten die Akteure an.

Pfarrer Christian Rauch konnte zur Aufführung im Schwanensaal zahlreiche Gläubige, darunter auch Familienangehörige des Paters, begrüßen. „Diese Nacht ist eine besondere im Leben dieser Gemeinde. Denn für den Pater ist die Sonne zum letzten Mal an diesem Tag vor 75 Jahren untergegangen“, sagte Rauch.

Schilderung der letzten Stunden

Die Dokumentation sollte verdeutlichen, wie der Pater seine letzten Stunden verbracht hat. „Das Stück soll uns nachdenklich machen, was ein Mensch erdulden muss und soll auch unsere Herzen berühren“, erhoffte sich der Geistliche. Die anschließend aufgeführte Dokumentation von Pater Peter Leutenstorfer zeigte die entscheidenden letzten Etappen im Leben des Alfred Delp, von seiner Verhaftung bis zum Urteil durch den Volksgerichtshof.

Die Bühne war in schwarz gehalten und nur ein Ausschnitt zeigte jeweils ein entsprechendes Bühnenbild von der Gefängniszelle bis zum Gerichtssaal. Zwischen den einzelnen Lebensabschnitten des Paters wurde jeweils der Saal verdunkelt und es erklang getragene Klaviermusik. Dazu erklärte eine Stimme das Geschehen.

Am 15. August 1944 wurde Alfred Delp ins Gefängnis gebracht, wobei er bei der Vernehmung feststellte, dass er kein Unrecht begangen habe und dass dies einem Rechtsstaat zuwider laufe.

Im nachfolgenden Bild legte Delp das Gelübde vor seinem Glaubensbruder Franz von Tattenberg ab, eine Szene, die in ihrer Darstellung die Zuschauer besonders berührte – in ihrer Glaubenskraft und Schlichtheit, aber auch in ihrer Hoffnungslosigkeit im Hinblick auf die Zukunft. Die anschließende Gerichtsverhandlung machte deutlich, dass trotz Delps Unschuldsbeteuerungen – er bestritt jede Verbindung zu den Verschwörern des Kreisauer Kreises – das Urteil von vornherein feststand. Delps Aussage, die soziale Ordnung sei der Maßstab für sein Handeln, stellte der Volksgerichtshof, vertreten durch den Blutrichter Freisler, die Parole „Führer, Volk und Vaterland“ entgegen – und fällte sein Todesurteil. In der abschließenden Szene werden die letzten Minuten im Leben des Paters thematisiert. „Ich würde noch gerne weiterleben, aber es wird mir verwehrt“, schreibt er in seinem Abschiedsbrief und ergänzt, dass sein Verbrechen ist, dass er an die Anmaßung nicht glaube.

Mit einem langen Schweigen der Zuhörer ging das Dokumentarspiel zu Ende. Karl Oberfeld, der den Pater gespielt und Markus Niebler, der den Text bearbeitet hatte, berichteten anschließend von der relativ kurzfristigen Entscheidung, einen solchen Beitrag zur Gedenkwoche zu leisten. In nur zwei Wochen seien die Kulissen hergestellt und die Texte einstudiert worden. Die Betroffenheit der Zuhörer nach dem Stück zeigte, dass die Gruppe den richtigen Weg gewählt hatte, um das Leben und Sterben des Paters bildhaft darzustellen.

Pater Alfred Delp, sein Name gilt als Synonym für Glaubenstreue und Standfestigkeit, wurde vor 75 Jahren am 2. Februar 1945 durch die Nazis hingerichtet. Verschiedene Veranstaltungen der Gedenkwoche in Lampertheim sollen dem Menschen Delp mit seinem Wirken und seinem Vermächtnis näher kommen.

Protagonisten des Dokumentarspiels: Karl Oberfeld: Pater Delp, Heinrich Schüssler: Roland Freisler, Stefan Weis: Pater Franz von Tattenbach, Polizisten: Markus Niebler, Florian Oberfeld, Marianne Hapig: Sabine Klöhn, Technik, Texte: Evi Hahl, Markus Will, Gregor Wörner, Herbert Kunzmann.

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