Lampertheim

Kerwe Kronen-Borscht hält Wutrede gegen Extremismus

Steffen Götz: „Die Welt is fä alle“

LAMPERTHEIM.Ganz Lampertheim – „vumm Kroddeloch bis ins Gaaßenescht“ – war versammelt und „vun owwe uff de Laara“ grüßte Kronen-Kerweborscht Steffen Götz. Der brach bei seiner Rede gleich mit zwei Traditionen: Die Kranzaufhängung erfolgte nicht am Kerwe-Montag, sondern wegen Götz’ Lehrertätigkeit schon sonntags. Außerdem assistierte statt Ralf „Ralle“ Eichenauer „De Käsch aus de Reemerstroß“ alias Andreas Kirsch. Der guten Stimmung tat das aber keinen Abbruch.

Auf die großen Spitzen in Richtung Lokalpolitik verzichtete Götz diesmal. Stattdessen holte er mit Blick auf die aktuellen Ereignisse in Chemnitz zum Rundumschlag in Mundart gegen Extremismus aus und hielt ein flammendes Plädoyer für mehr Toleranz. In Lampertheim machte er sich vor allem um ein ganz besonderes Sorgenkind Gedanken: die Kerwe selbst. „Es muss was passieren“, mahnte der Lehrer, „die Lambadder Kerwe iss am Scheideweg.“ Jeder Einzelne sei gefragt, sich aktiv für die Erhaltung einzusetzen. „Ansunschde zieht’s bei uns’re Kerwe noch kälder noi“, so Götz.

Dann schielte der Kerweborscht kritisch nach Chemnitz. „Bedrohungen, Hitlergruß, Ausschreitungen und schwere Krawalle. Ob Rechts, ob Links, mit Extremismus kam man noch nie an ein gutes Ziel“, rief er. „Deitschloand de Deitsche – woann ich soun Scheißdreck heer. Die Welt is fä alle!“, schoss er auch gegen AfD und Pegida und erhielt dafür großen Applaus.

Ihr Fett weg bekam auch „Die Mannschaft“. Götz sei froh über andere Sportarten: „Ob schwimme, beim Radle, beim Rudern orra Torne. Die plooge sich und verdiene koa Millione“, fand er. Ganz ohne Lokalkritik und einen Seitenhieb gegen Bürstadt ging es dann aber natürlich nicht. Götz fragte sich scherzhaft, ob Lampertheim mit seiner neuen „Central Station“ bald der „place to be“ sei und meinte: „Bevor ein Zug über Gleis 3 fährt, fliegt in Berlin der erste Flieger vom BER“. In Richtung seiner Lieblingsnachbarn und deren neuem Bahnhof bezweifle er, dass jemand freiwillig nach Bürstadt möchte. Den geplanten Bildungs-campus verglich er ironisch mit einem Skigebiet ohne Schnee. ksm

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