Lampertheim

Drogen Haupt- und Realschüler nehmen in der Zehntscheune am Aktionstag „Alkoholkonsum und Sucht“ des Netzwerks „Null Toleranz“ teil / Suchtberatung Prisma klärt auf

Suchthelfer warnen vor Selbstüberschätzung

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Ärger wegen einer verpatzten Mathearbeit, die erste Beziehung geht in die Brüche oder einfach nur der „Kick“ und das Gefühl, dazugehören zu wollen – Wege zum Alkohol oder zur Zigarette gibt es schon im Schüleralter. Für manche ist der Schritt vom ersten Bier und zur ersten Kippe, zum Vollrausch und zur Abhängigkeit dann auch nicht mehr weit. Dabei birgt das gerade für die Entwicklung junger Menschen enorme Gefahren.

Um dem vorzubeugen, hat das Netzwerk „Null Toleranz bei Gewalt!“ ihren diesjährigen Aktionstag dem Thema „Alkoholkonsum und Sucht“ gewidmet. 62 Hauptschüler (Alfred-Delp-Schule und Nibelungenschule) und 92 Realschüler (Alfred-Delp-Schule) der siebten Klassen sind an zwei Tagen in die Zehntscheune gekommen. Zum Netzwerk „Null Toleranz“ gehören diverse Jugendhilfsorganisationen. Tatsächlich haben laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zwei Drittel der 12 bis 17-Jährigen schon Alkohol getrunken, der erste Konsum liege durchschnittlich bei 13,8 Jahren. Der regelmäßige Alkoholkonsum ginge bei Jugendlichen in Deutschland stetig zurück.

Aktuellen Studien der Bundeszentrale zufolge, trinkt in diesem Alter weniger als jeder Zehnte (8,7 Prozent) mindestens einmal pro Woche. 2004 hatte die Zentrale noch 21,2 Prozent gezählt.

Mit der Rauschbrille unterwegs

Den Verantwortlichen des Lampertheimer Netzwerks geht es aber ohnehin nicht darum, Alkohol komplett zu verbieten. „Die jungen Leute sind in einer Experimentierphase, das ist auch ein Stück weit normal“, sagt Nikita Girard von der AWO Jugend- und Suchtberatung Prisma. Sie leitet den neunten Aktionstag. Vielmehr wolle man den Nachwuchs früh dafür sensibilisieren, sich selbst einschätzen zu können. „Sie können hier Fragen stellen, die sie sich in häuslicher oder schulischer Umgebung nicht zu stellen trauen“, erklärt Girard. Mit einer „Rauschbrille“ verschaffen sich die Schüler aus der siebten Klasse ein Gefühl für 1,0 Promille. „Der Tisch war viel weiter weg und ich habe doppelt gesehen“, ist die zwölfjährige Luna perplex. Aufs Rad möchte sie in diesem Zustand jedenfalls nicht steigen.

Mehr Alkoholvergiftungen

Auch wenn der Alkoholkonsum unter Jugendlichen sinkt, der Bundeszentrale zufolge trinken sich auf der anderen Seite immer mehr junge Erwachsene in einen Rausch. Der Zahl behandelter Alkoholvergiftungen etwa habe sich von 2000 bis 2014 verdoppelt. Genau hier liege die große Gefahr, sagt Girard. „Sich zu überschätzen, seine eigenen Grenzen weit zu überschreiten – das ist das große Problem“, sagt sie. Übermäßiger Alkoholkonsum kann die Gehirnentwicklung junger Menschen empfindlich stören. ksm

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