Lampertheim

Soziales Lampertheimer Ausgabestelle gibt Lebensmittel an 416 Menschen ab / Verteilung will gut organisiert sein

Tafel sucht ehrenamtliche Helfer

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Sie schleppen schwere Kisten, kontrollieren jede Banane, säubern jede Gurke einzeln und greifen ihren Kunden auch mal bei anderen Problemen unter die Arme. Ein Ehrenamt bei der Tafel Lampertheim ist „harte Arbeit“, weiß Isabelle Moeller-Dutoit. Seit viereinhalb Jahren ist die Lampertheimerin bei der Tafel ehrenamtlich tätig, als Teamleiterin für die Koordination der Fahrer zuständig.

Für viele der 68 Helfer in Lampertheim sind die Ausgabetermine dienstags und donnerstags aber trotz der herausfordernden Arbeit ein Höhepunkt der Woche. Denn die Ausgabestelle in der Gewerbestraße ist seit ihrer Gründung vor elf Jahren auch ein Ort der Begegnung geworden. Zwischen Erdbeeren, Spargel und Schwarzbrot werden auch Rezepte ausgetauscht und wird über Alltagssorgen geredet. „Das tut einfach gut“, erklärt die gebürtige Schweizerin Moeller-Dutoit. „Mir geht es gut, ich möchte gerne etwas abgeben. Und wir haben gute Ware hier, fast wie in einem kleinen Geschäft“, sagt sie.

Wahrlich erinnert bei der Ausgabe nichts an die landläufige Vorstellung verschrumpelter Lebensmittel, die überall herum liegen. Alles ist fein säuberlich in Kisten sortiert und gewaschen. Jeder Tafelkunde kann nur zu bestimmten, vereinbarten Zeiten einkaufen. Alle zwei Wochen erhalten Bedürftige ein Zeitfenster von 15 Minuten, in dem sie sich bestimmte Dinge aussuchen können.

Erwachsene zahlen dafür zwei, jede weitere Person im gleichen Haushalt über 18 Jahren einen Euro. Um insgesamt 416 Menschen kümmert sich die Ausgabestelle in der Spargelstadt. Ein Drittel davon seien Kinder, der Anteil der über 63-Jährigen steige stetig, erklärt Moeller-Dutoit weiter Noch gebe es besonders in dieser Altersgruppe aber eine hohe Hemmschwelle, die Hilfe der Tafel anzunehmen.

Enormer Organisationsaufwand

Hinter dem Angebot der Tafel steckt ein hoher organisatorischer Aufwand. Allein 30 Fahrer werden wie in einer Firma in Schichtpläne eingeteilt, um die Lebensmittelspenden abzuholen. Nur durch Ehrenamtliche wie Moeller-Dutoit und ihre vielen Mitstreiter können Tafeln überhaupt funktionieren. Das weiß auch das Diakonische Werk Bergstraße als Träger der Einrichtung.

Ganz ohne Hauptamtliche aber kommt die Tafel Lampertheim bei steigenden Kundenzahlen auch nicht mehr aus. Ende letzten Jahres hat die Einrichtung die hauptamtlichen Strukturen verstärkt. Die Tafel Lampertheim mit ihren drei Ausgabestellen in Lampertheim, Bürstadt und Rimbach wird seit November von Ute Weber-Schäfer zentral aus Bensheim koordiniert, wo der Träger sitzt.

Gemeinsam mit der neuen Bereichsleiterin Susanne Hagen bildet sie die hauptamtliche Doppelspitze der Tafel. Die Zentralisierung und Fokussierung auf eine Koordinatorin für drei Standorte soll Doppelarbeiten etwa bei Schulungen ersparen und die Arbeit erleichtern. „Wir stehen nicht über den Ehrenamtlichen, sondern wollen sie unterstützen, ihnen den Rücken frei halten“, betonen Hagen und Weber-Schäfer.

„Ohne Träger könnten wir nicht bestehen“, sagt Isabelle Moeller-Dutoit. Das Zusammenspiel aus dem Zeiteinsatz der Ehrenamtlichen und der Organisation der Diakonie funktioniere gut. „Aber die Zeitspenden der Ehrenamtlichen bleiben das Wichtigste“, findet Hagen. Deshalb sucht die Tafel Lampertheim weiter nach Helfern. Besonders junge Menschen, etwa Studenten, Schüler oder Praktikanten, würden dringend gebraucht. Auch finanziell sind die Verantwortlichen immer auf der Suche nach Unterstützung. Der laufende Betrieb koste je Ausgabestelle rund 50 000 Euro jährlich. Extraanschaffungen seien kaum drin. Die Einrichtung brauche aber dringend einen neuen Kühlwagensprinter.

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