Lampertheim

Soziales Hüttenfelderinnen fordern Zusammenschluss mit Kollegen, um Eltern längere Betreuungszeiten anbieten zu können

Tageseltern wollen sich zusammentun

Archivartikel

Hüttenfeld.Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel, verlangt von Eltern immer flexiblere Arbeitszeiten. Damit wird auch das Anforderungsprofil an Kinderbetreuungseinrichtungen umfangreicher. Das Alter bei Betreuungsbeginn sinkt, die gewünschten Betreuungszeiten werden länger. In Kombination mit dem Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz eine Herausforderung, der Kindertagesstätten allein kaum hinterherkommen. In vielen Städten übernehmen daher Tageseltern das, was Kitas nicht zu leisten imstande wären.

„Tagesmütter sind eine gute Option, um besonders Randzeiten bis spät abends oder individuelle Betreuungszeiten besser abfangen zu können“, wie es SPD-Fraktionsvorsitzender Marius Schmidt formulierte. Die Stadt verfolge deshalb schon seit Jahren den Weg, dass Tageseltern eine gute Alternative zu Kitas sein könnten. Gemeinsam mit Kreisbeigeordnetem Karsten Krug und weiteren Vertretern der SPD hat sich Schmidt daher mit Tamara Geist und Martina Ehret getroffen. Beide führen in Hüttenfeld je eine Kindertagespflege (Punkt & Pünktchen beziehungsweise Die Hüttenhobbits) mit zehn Kindern. Doch obwohl „das Angebot gut ist“, betonte Karsten Krug, fänden sich kreisweit noch viel zu wenige solcher Einrichtungen. „Viele Bürger haben gar nicht die Wahl“, stellte er fest. Doch woran liegt das?

Jede Woche zwei Absagen

Die Antwort ist schlicht: Vieles hängt am Geld. Der Job als Tagesmutter oder -vater wird je nach Kreis – das Jugendamt ist für die Entlohnung zuständig – extrem unterschiedlich bezahlt. Im Kreis Bergstraße erhalten Tagesmütter laut den Hüttenfelderinnen zwischen 4,30 und 5,50 Euro pro Kind und pro Stunde. Oftmals verdienen sie deutlich weniger als ihre Pendants in den Kitas, die allerdings auch höhere Qualifikationen mitbringen müssen.

Dabei werden die Tageseltern gebraucht. „Wir müssen jede Woche zwei Eltern absagen, weil wir schon für 2020 ausgebucht sind“, berichtete Tamara Geist. Auch Marius Schmidt war sich sicher: „Wir werden die Betreuungszeiten vergrößern müssen.“

Ein Modell könne sein, die Kita-Öffnungszeiten generell bis 17 Uhr auszudehnen – zwei Einrichtungen in Lampertheim sollten bis mindestens 18 Uhr öffnen. Weil der Bedarf aber nicht ausreicht, um alle Einrichtungen so lange zu öffnen, seien die Tagesmütter das Konzept der Wahl. Eine Idee: Mehrere Tageseltern schließen sich in einer „Großtagespflege“ zusammen, die Stadt könnte dafür Räume öffnen. Bisher allerdings dürfen sich nur zwei Tagesmütter mit je fünf Kindern zusammentun. „Im Regelbetrieb können wir die individuellen Zeiten jedenfalls nicht abfangen“, so Schmidt. Deshalb müsse man nun bessere Rahmenbedingungen für Tageseltern schaffen.

Tamara Geist und Martina Ehret legten den Sozialdemokraten dazu ein Papier mit Forderungen vor, dass sie mit anderen Betreuerinnen ausgearbeitet hatten. Ein wichtiger Punkt: „Um Randzeiten besser abfangen zu können, würden wir gerne auch eine dritte Person einstellen dürfen“, sagten sie. Vor allem aber im Finanziellen sieht auch Karsten Krug noch viel Potenzial. „Da hat sich zu wenig getan“, gab er zu. Eine „echte Gehaltserhöhung“ habe es außer einer Neustrukturierung 2013 noch nie gegeben, berichtete Geist.

Auch die Eingewöhnungspauschale von 55 Euro hält sie für zu niedrig. Es sei eine „wichtige und anstrengende Zeit“ und dauere bis zu 30 Stunden. Andere Kreise würden dafür im herkömmlichen Betreuungsumfang zahlen. Zusätzliche Arbeiten wie das Einkaufen und Elterngespräche würden dort im Gegensatz zum Kreis Bergstraße entlohnt. „Auch eine Kündigungsfrist von acht statt vier Wochen ist wünschenswert“, bekräftigte Tamara Geist.

Um dem gestiegenen Bedarf nachzukommen und Randzeiten abzufangen, fordern die Hüttenfelderinnen außerdem die Möglichkeit, mehr als nur zwei Tagesmütter zu beschäftigen. Ferner sollen Eltern bei der Schulbetreuung selbst zwischen Hort und Tagespflege wählen dürfen.

Dass sich an diesen Bedingungen etwas ändern muss, darin waren sich die Beteiligten um den Kreisbeigeordneten einig. Wann das aber geschieht, ist noch unklar. Krug ist zwar Sozialdezernent im Kreis, aber nicht direkt für das Jugendamt zuständig. Er versprach, für die Forderungen Werbung zu machen. „Falls sich bis dahin nichts verändert hat, werde ich diese auch in den Landratswahlkampf nehmen“, so der Kandidat für den Posten des Landrats.

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