Lampertheim

Unterhaltung Friedrich Hackstein tritt als Ruhrpott-Wirt Paul in seinem London Pub auf

Taubenväter im Theater, Lehrer in Therapie

Lampertheim.„Tach auch!“ So begrüßten sich am Donnerstagabend einige Besucher im London Pub und zeigten damit, dass sie Bescheid wissen. Denn schließlich waren sie gekommen, um die amüsanten Stammtischgespräche von Paul, dem Kneipenurgestein aus dem Ruhrgebiet, zu verfolgen.

Pub-Besitzer Friedrich „Hacky“ Hackstein schlüpfte in die Rolle von Paul, der die Kneipe „Zur Kurve“ in Bochum-Wattenscheid-Höntrop betreibt. Dort schaut Paul dem Volk genauestens aufs Maul. Dabei erlauscht er so manches, was er anschließend in humorvolle Wortschöpfungen packt, die er nun dem Lampertheimer Publikum präsentierte. Das hatte seine Freude daran.

Das Steigerlied ertönte: „Glückauf, Glückauf! Der Steiger kommt und er hat sein helles Licht bei der Nacht…“ und das Publikum klatschte im Takt mit. Zum Einstieg erzählte Paul Wissenswertes über die Menschen im Ruhrgebiet – vieles auch mit einem Augenzwinkern. Beispielsweise, dass der Ruhrpott die Hochburg der deutschen Sprache sei, dass in der Kommunikation dort besondere Regeln herrschten und dass die Ausdrucksform eher deftig sei. Überhaupt sollte man wissen, dass die Ruhrpottler in ihrer Art sehr direkt seien und ihr Gegenüber duzten. Die Pub-Gäste erlebten dann auch, dass im Ruhrgebiet andere Grammatikregeln angewendet werden als beim Hochdeutschen.

Hackstein ist zwar im Ruhrgebiet aufgewachsen, aber für seine Stammtisch-Programme muss selbst er gewissenhaft üben. Dann wendet er einen speziellen Zungenschlag an, spricht schnell und zieht manche Wörter zusammen. Pauls Frau heißt Gertrud und wird von ihrem Mann mehr oder weniger liebevoll Olle genannt, so wie es im Pottjargon eben üblich ist.

Viele Schenkelklopfer

Dann erzählte Paul vom Wirtschaftswunder im Ruhrgebiet. Die Männer malochten unter Tage, es wurde ein VW-Käfer gekauft und die Brieftaube wurde als Rennpferd des kleinen Mannes bezeichnet. Der Taubensport war der Ausgleich zum Bergmannsleben. Einige Taubenväter trafen sich in Pauls Kneipe und berichteten von ihrem Ausflug in ein Theater. Shakespeares Othello stand auf dem Spielplan. Über die peinlich-witzigen Erlebnisse amüsierten sich die Pub-Besucher köstlich. Für Schenkelklopfer sorgte auch die Stammtischgeschichte über sechs Gemüseköniginnen, in der sich die Kartoffelkönigin bald vor Wut gepellt habe.

Turbulenzen gab es ebenfalls beim Stammtisch des Lehrerkollegiums der Erich-Kästner Gesamtschule. Fritz Götz als Klaus-Jürgen Waschmeier-Windborn, Lehrer für Erdkunde und Englisch, Helmut Kaupe als Erwin-Bernd Niehmann-Fehlmuschler (Sport und Religion), und Hackstein als Falk Rüdiger Wernsing (Geschichte und Deutsch) hatten unter dem Titel „Aggressionen in den Pinsel“ eine Maltherapie-Gruppe gegründet. Das Trio legte eine fragwürdige Vorgehensweise an den Tag, um einen reibungslosen Unterricht halten zu können.

Zum Abschluss gab Hackstein den Pub-Besuchern das berühmte Gedicht von Matthias Claudius „Der Mond ist aufgegangen“ mit auf den Weg.

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