Lampertheim

Umwelt Nabu-Vorsitzende kann sich Heldbockeichen in Lampertheim und Hüttenfeld als Naturdenkmale vorstellen / Behörde widerspricht

Taugen Eichen zum Ewigkeitssymbol?

Archivartikel

Lampertheim.Naturdenkmale gibt es auf Lampertheimer Gemarkung bislang nur in Rosengarten. Doch die Liste an Naturschönheiten, die unter besonderen Schutz gestellt werden, schreibt der Kreis Bergstraße permanent fort. Gespräche für eine Änderungsverordnung laufen zwischen der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) und dem Regierungspräsidium in Darmstadt, wie Hermann Joachim von der UNB auf Anfrage informiert. Anregungen für Neuerungen auf der Liste können etwa Verbände und Initiativen geben. Andrea Hartkorn, Vorsitzende des Lampertheimer Naturschutzbundes (Nabu), hat schon Ideen. Insbesondere hat sie zwei Heldbockeichen im Auge.

Die eine steht an einem Weg auf dem Biedensand. Auffällig an ihr sind die Fraßgänge und großen Löcher in der Rinde. Sie deuten auf einen besonderen Bewohner des Baumes hin: einen großen Käfer, der Eichen- oder Heldbock genannt wird. „Das Tier mit einer Körperlänge von über fünf Zentimetern und den langen Fühlern ist streng geschützt und kann nur auf solchen alten, dickstämmigen Eiche leben“, erklärt Andrea Hartkorn. An manchen Sommer- oder Frühherbstabendenden ist der Heldbock auf der Lampertheimer Eiche gut zu beobachten. „Auch Hirschkäfer leben dort“, sagt die Umweltschützerin.

Zweites Exemplar im Reliktwald

Die Lampertheimer Heldbockeiche unterliegt insofern schon einem gewissen Schutz, als sie in einem Naturschutzgebiet wächst. Auch ein Hinweisschild klärt bereits über die Besonderheiten des Baumes auf. „Ein zweites Exemplar befindet sich jedoch im Hüttenfelder Reliktwald und der wird – mit Einschränkungen – bis heute forstwirtschaftlich genutzt“, betont Andrea Hartkorn. Daher hält sie es für sinnvoller, die Hüttenfelder Heldbockeiche als Naturdenkmal auszuweisen. Noch wichtiger wäre es allerdings, die gesamte Umgebung der Eiche aus der kommerziellen Nutzung herauszunehmen, betont die Nabu-Vorsitzende. Der Grund: „In dem Reliktwald leben – wie der Name schon sagt – seltene Tier- und Pflanzenarten, die man inzwischen schon als Überbleibsel einer Zeit bezeichnen muss, in der es der Natur mal besser ging.“

Dennoch findet es Hartkorn richtig, auch einzelne Objekte als Naturdenkmale zu erhalten. „Das führt den Menschen vor Augen, welche Besonderheiten es in der Natur gibt.“ Die Bezeichnung Denkmal weise etwa einem Baum „den Status eines Ewigkeitssymbols zu, das über das eigene menschliche Leben hinaus von besonderem Wert“ sei. Darin sind sich Natur- und Kulturdenkmale sehr ähnlich. „Dafür werden sie bewundert“, so die Umweltaktivistin, „deshalb pilgern Touristen zu ihnen. Und wenn ein Kulturdenkmal – wie die Kathedrale Notre-Dame in Paris – zerstört wird, erschüttert es viele Menschen.“ Gleiche Reaktionen hält Andrea Hartkorn auch bei Naturdenkmalen für wünschenswert. Doch das Bewusstsein für den Wert der Natur sei in der Bevölkerung noch zu wenig vorhanden, findet die Nabu-Vorsitzende. Das könnte eine Eiche, die bis zu 850 Jahre alt und zum Naturdenkmal erhoben wird, durchaus ändern.

Hermann Joachim widerspricht in diesem Punkt nicht. Dennoch sieht er speziell die Heldbockeichen nicht als Naturdenkmale. Denn derart befallene Bäume hätten oft nicht mehr lange Bestand. Andernorts müsse man an Heldbockeichen etwa ständig Äste abschneiden, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen, macht der Mitarbeiter der UNB deutlich. Auf seiner Vormerkliste sei aber weiterhin Platz für Naturdenkmal-Aspiranten, betont Joachim. Auch aus Lampertheim.

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