Lampertheim

Fußball Für seinen verstorbenen Trainer und Entdecker „Ringo“ Hercegovac ist der Ex-Nationaltorwart aus Hofheim am Samstag im Adam-Günderoth-Stadion

Timo Hildebrand kommt zum Benefizspiel

Archivartikel

Lampertheim.Wenn am 27. Juli das Benefizspiel zu Ehren von Alija „Ringo“ Hercegovac im Adam-Günderoth-Stadion steigt, ist es für Timo Hildebrand das Mindeste, als Gast vor Ort zu sein. Dem am 31. Mai im Alter von 73 Jahren verstorbenen Torwarttrainer aus Lampertheim verdankt der siebenfache DFB-Nationaltorhüter seine Profikarriere.

„Ringo hat mir beigebracht, mich durchzubeißen, mich schwierigen Situationen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen“, erinnert sich der heute 40-jährige Hofheimer – und hält fest: „Er war eine sehr bedeutende Person in meinem Leben.“

Hildebrand lebt mittlerweile in Stuttgart – also in jener Stadt, in der er seine größten Momente als Fußballer erlebte. Im Trikot des VfB Stuttgart gab Hildebrand 1999 sein Bundesliga-Debüt. Bei der Heim-WM 2006, bei der Hildebrand als dritter Torwart hinter Jens Lehmann und Oliver Kahn dabei war, machte das DFB-Team im Gottlieb-Daimler-Stadion den dritten Platz fest. Ein Jahr später wurde Hildebrand Deutscher Meister mit dem VfB. Später stand der Bundesliga-Rekordhalter (884 Minuten ohne Gegentor) beim FC Valencia, Sporting Lissabon, der TSG Hoffenheim, Schalke 04 und Eintracht Frankfurt zwischen den Pfosten.

Ausnahmetrainer und Vaterersatz

In die VfB-Nachwuchsabteilung war Hildebrand 1995 über die B-Junioren des FV Hofheim gewechselt. Hercegovac, damals Torwarttrainer der ersten Hofheimer Mannschaft, nahm sich Anfang der 90er Jahre des talentierten Nachwuchskeepers an. „Das müsste als D-Jugendlicher gewesen sein. Ringo hat sich immer auch die Zeit für die Jugend genommen“, blickt Hildebrand zurück: „Grundsätzlich ist es ja eher selten, dass es einen Torwarttrainer bei einem Verein auf dem Dorf gibt. Damals war Ringo eine Ausnahmeerscheinung.“

Später zogen „Ringo“ und Cheftrainer Herbert Kern den jungen Hildebrand ins Training der ersten Mannschaft hoch. „Das muss in der B-Jugend gewesen sein“, meint der 301-fache Bundesliga-Schlussmann: „Und es hat mich extrem weitergebracht. Erwachsenen- und Jugendfußball sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Schüsse sind stärker, die Zweikämpfe anders.“ An die gemeinsame Zeit mit Hercegovac hat Hildebrand nur positive Erinnerungen: „Er war ein Vaterersatz, der mich extrem gepusht hat und bei jedem Training mit voller Leidenschaft dabei war, einen aber auch mal in den Arm genommen hat. Ich hätte ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen und sagen können: Hey, ich will wieder trainieren.“

Wertvoller Berater

Auch vor dem wohl wichtigsten Schritt in Richtung Profikarriere zog Hildebrand seinen Lehrmeister heran. „Ein Jahr vor meinem Wechsel nach Stuttgart hatte ich schon bei Waldhof Mannheim unterschrieben“, berichtet der Südhesse: „Darüber hatten wir uns ausgetauscht, auch weil ich kein gutes Gefühl mehr hatte. Also bin ich noch ein Jahr in Hofheim geblieben.“

In seiner alten Heimat ist Hildebrand „maximal ein- oder zweimal im Monat“, wie er sagt. Das ist auch der Grund, warum die Treffen mit „Ringo“ immer seltener wurden. „Der Alltag holt uns alle ein. Das kennt wahrscheinlich jeder. Dann nimmt man sich leider nicht die Zeit, alte Weggefährten zu treffen“, erklärt er.

Einige Wochen vor Ringos Tod hatte Herbert Kern dem Ex-Profi eine Grußbotschaft von Hercegovac per Video zugeschickt. „Mit Herbert stand ich in den Wochen vorher ein bisschen enger in Kontakt. Ich habe aber nicht gedacht, dass es so schlecht um ihn stand, weil wir noch geplant hatten, in der neuen Saison ein Spiel zu besuchen. Da wird einem immer wieder bewusst, dass man die Leute besuchen oder sich einfach melden sollte – auch wenn es nur ein kurzer Anruf ist.“

Vergessen hat Hildebrand seinen sportlichen Ziehvater jedoch nie. Noch während seiner Zeit auf Schalke (2011 bis 2014) lud er „Ringo“ zu einem Bundesliga-Spiel nach Gelsenkirchen ein. Zwei Trikots, die Hildebrand einst Hercegovac vermachte, werden beim Benefizspiel am Samstag zugunsten der Lampertheimer Stiftung „Athletes for Charity“ versteigert.

Selbst spielen wird Hildebrand, der zurzeit bei einer Live-Kommunikationsagentur arbeitet, nicht. Im Mai unterzog er sich zum zweiten Mal in vier Jahren einer Operation an der Hüfte. Für Autogrammwünsche und Fotos steht der Ex-Profi aber bereit. Mit Ringos Sohn Alen hat Hildebrand regelmäßigen Kontakt, was die Organisation des Benefizspiels angeht.

Ein Versprechen gibt der Wahl-Schwabe der Familie seines Förderers mit: „Der Kontakt wird immer bestehen bleiben, auch wenn Ringo jetzt nicht mehr da ist.“

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