Lampertheim

Interview Petra Brandt vom Behindertenbeirat über die Bedeutung öffentlicher Toiletten

„Toilette muss sauber und hygienisch sein“

Archivartikel

Lampertheim.Die Planung für neue öffentliche Toiletten wird vom Behindertenbeirat der Stadt engagiert begleitet. Im Interview äußert sich Petra Brandt, die Vorsitzende des Gremiums, dazu.

Frau Brandt, der Behindertenrat macht sich stark, für neue öffentliche WC-Anlagen in Lampertheim. Welche Voraussetzungen muss eine solche Toilette erfüllen?

Petra Brandt: Sie muss groß genug sein, damit Menschen mit Ihrem Rollstuhl hinein kommen können. Außerdem sollte eine Behindertentoilette Haltegriffe an der Wand haben, damit Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderung sich beim Hinsetzen und aufstehen festhalten können. Manche Behindertentoiletten haben sogar eine Klingel, falls Hilfe nötig ist.

Für Behinderte spielt Hygiene eine besonders wichtige Rolle.

Brandt: Ja. So ist etwa ein schwaches Immunsystem oftmals eine Begleiterscheinung von Behinderungen. Zu viele Keime auf unsauberen öffentlichen Toiletten müssen deshalb vermieden werden. Aber auch für blinde oder sehbehinderte Menschen, die Ihre Umgebung ertasten, sind saubere Toiletten notwendig.

Wie kann man sich eine solche Toilette vorstellen und wird es womöglich etwas kosten, sie zu benutzen?

Brandt: Ich denke, dass die Nutzung speziell von Behindertentoiletten kostenlos sein sollte. Zudem möchten wir die Türe mit einem Euro-Schlüssel versehen lassen. Öffentliche Behindertentoiletten sind oft mit einem einheitlichen Schließsystem versehen, das mit einem solchen Schlüssel geöffnet werden kann. Ein solcher Schlüssel kann von den Menschen mit einer Behinderung gegen eine Gebühr von etwa 20 Euro bestellt werden. Er ermöglicht es allen Menschen mit Behinderung, öffentliche Behinderten-WC´s zu nutzen. Und es wird sichergestellt, dass diese Toiletten nicht von unberechtigten Personen blockiert werden.

Welche Bedeutung kommt diesen Anlagen aus Ihrer Sicht zu?

Brandt: Die barrierefreie Zugänglichkeit von Toilettenanlagen ist eine Voraussetzung für die Teilnahme von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben.

Neue öffentliche Toiletten, die behindertengerecht sind, wäre ein wichtiger Beitrag mit Blick auf die angestrebte Barrierefreiheit?

Brandt: Allerdings. Aber auch mit Blick auf Besucher, die nach Lampertheim kommen, wäre das ein gutes Aushängeschild. Das zeigt, dass alle Menschen in unserer Stadt willkommen sind.

Was gibt es aus Sicht des Behindertenbeirats in Lampertheim weiterhin dringend zu tun?

Brandt: Wichtig wäre etwa der weiteren Ausbau des ÖPNV, gerade hinsichtlich der Barrierefreiheit. Auch die Sensibilisierung unserer lokalen Wirtschaft – dazu zähle ich auch Arztpraxen und Lokale – in Sachen Barrierefreiheit wäre wichtig. So sind etwa die Lampertheimer Arztpraxen zu 80 Prozent eben nicht barrierefrei. Auch Autofahrer müssten stärker darauf hingewiesen werden, dass beim Parken noch genug Platz auf dem Fußweg gelassen werden sollte. Das ist nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für Menschen mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren wichtig. Eigentlich gibt es noch viel zu tun damit die Teilhabe am Leben immer und überall selbstverständlich werden kann.

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