Lampertheim

DLRG Übungswochenende für Lampertheimer Lebensretter / Große Wasserrettungseinsätze auf Rhein und Erlache

Trainieren für den Ernstfall

LAMPERTHEIM.Behutsam gleitet das rote Rettungsboot über pechschwarzes Wasser. Auf dem unruhigen Strom funkelt gebrochenes Sternenlicht, grelle Scheinwerfer tanzen rastlos suchend auf der dunklen Wasseroberfläche umher. Eine gespenstische Stille liegt in dieser Neumondnacht erdrückend auf dem Neurhein an der Maulbeeraue, nur das trügerische, fast schon sanfte Plätschern des Flusses begleitet die Lampertheimer Lebensretter durch die Finsternis.

Dann wird das Wasser selbst für das DLRG-Boot zu niedrig, die Strömungsretter wagen den Sprung ins Ungewisse. Im knietiefen Wasser können sie weder richtig schwimmen noch laufen, kämpfen sich mit Wärmeschutzanzügen watend durch das kalte, schlammige Nass. Und dann finden die Spezialkräfte endlich die drei Jugendlichen, die beim nächtlichen Baden im Neurhein beinahe ertrunken wären. Mit dem Spineboard, einer schwimmfähigen Trage, und einer Schleifkorbtrage bergen sie die Verunglückten, bringen sie zurück ins Boot und in Sicherheit.

Kaum Verschnaufpausen

Was beim Übungswochenende der Lampertheimer DLRG nachgestellt ist, kann sehr schnell Realität werden. Das wissen die Lebensretter nur zu gut. „Wir trainieren absichtlich auch im Dunklen, das ist keine abwegige Situation und muss im Ernstfall funktionieren“, erklärt Thomas Hanselmann.

Der Technische Leiter der Ortsgruppe hat das dreitägige Übungswochenende organisiert, für die Einsatzkräfte hat es kaum Verschnaufpausen parat. Meist fingen die Notfälle ganz harmlos an. Launiger Sommer-Reggae, ein Einweggrill am Kiesstrand und ein paar Drinks, bevor die fatale Entscheidung zum nächtlichen Baden fällt. Aus dem vermeintlichen ruhigen Fluss wird ein reißender Strom, aus Spaß Lebensgefahr – auch für die Retter.

Um das Risiko zu minimieren, trainieren sie solche Extremsituationen. „30 Lampertheimer Einsatzkräfte nehmen teil“, zählt Thomas Hanselmann. Dazu kämen Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sowie anderer DLRG-Ortsgruppen. Jeder Teilnehmer bringt spezielle Geräte wie Tauchroboter und Sonargerät mit.

Außerdem sei es wichtig, die Zusammenarbeit und die Befehlsketten bei größeren Übungen zu trainieren. Wie bei der Übung am Sonntag an der Bensheimer Erlache, wo mehr als fünf Ortsgruppen, ein Jugendteam und ein Sanitätsplatz des DRK im Einsatz sind. „Das geht schon in die Richtung Katastrophenschutz“, erklärt Hanselmann, „auch für uns nicht alltäglich.

Nächtlicher Alarm

Um drei Uhr nachts versetzte Hanselmann seine Truppe in Alarmbereitschaft. Erneut ein Notfall auf dem Rhein, wieder raus ins Dunkle. Diesmal bergen die Wasserretter ein halb versunkenes Boot mit einem Lufthebekissen aus den Fluten, auch drei gespielte Insassen können gerettet werden. Auf dem Lampertheimer Badesee griff auch die Hundestaffel ein. Gemeinsam mit Tauchern wurde nach Dummys gesucht. Die Lampertheimer Lebensretter fühlten sich nach dem Wochenende jedenfalls gut für den Ernstfall gerüstet.

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