Lampertheim

Infrastruktur IG „Unter Strom“ sieht Stadt Lampertheim in der Pflicht / Grundstücksbesitzer müssen Verschwenkung zustimmen

Trassenausbau besorgt Anwohner weiter

Lampertheim.Einstimmige Beschlüsse im Stadtparlament und im Kreistag liegen längst vor. Auch die Bergsträßer Bundestagsabgeordneten, darunter die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht aus Viernheim, haben sich bereits prominent für die Sache der Interessensgemeinschaft (IG) „Unter Strom“ eingesetzt. Eigentlich, könnte man meinen, sind sich alle Beteiligten einig: Die geplante Ultranet-Gleichstromtrasse, die die Firma Amprion über die bestehende Überlandleitung spannen will, muss weiter weg von der Wohnbebauung. Und doch ist die Gleichstromtrasse entlang der Lampertheimer Wohnhäuser noch nicht vom Tisch.

Bei den Interessensvertretern rund um Artur Mähne, der selbst als Bewohner des Rosenstocks betroffen wäre, macht sich das Gefühl breit, die Firma Amprion wolle die Problematik „einfach aussitzen“. Bei der SPD-Sommertour hatten die Sozialdemokraten den Interessensvertretern die Möglichkeit gegeben, ihre Sorgen und Nöte nochmals vorzustellen. Dabei spiele auch die räumliche Nähe zur Kita Guldenweg eine Rolle, betonte SPD-Fraktionsvorsitzender Marius Schmidt. Die Kita sei schließlich eines der Hauptargumente gewesen, weshalb die drohende Gleichstromtrasse weiter außerhalb gebaut werden solle. Für eine mögliche Verschwenkungsvariante, die das Bauamt der Stadt inzwischen ausgearbeitet hat, hat Bauherr Amprion aus Dortmund den Grenzwert von 75 Prozent festgelegt: Dieser Anteil der rund 150 Grundstücksbesitzer, über deren Grund eine Verschwenkung führen würde, müssten dem Vorhaben zustimmen.

Unklar und „utopisch“

Ob die Grundstücksbesitzer überhaupt schon gefragt wurden? Unklar. „Wir wissen nicht wirklich, woher diese Zahl kommt“, berichtete Mähne, der sie für „utopisch“ hält. Ohnehin fordert er von der Stadtverwaltung, aktiv zu werden. Wenn nur Amprion die Gespräche führe, sei das Ergebnis abzusehen. Mähne bezweifelt, dass viele Grundstücksbesitzer überhaupt wissen, dass sie im Falle eines Trassenbaus auf ihrem Boden entschädigt würden .

Die Verschwenkungsvariante hatte das Bauamt unter der damaligen Führung von Christian Plöhn ausgearbeitet. Auch wenn anfangs ein Mindestabstand von 400 Metern zu Wohngebieten – wie er bei Neubauten gesetzlich vorgeschrieben ist – angedacht war, sollte der Ersatzneubau nun auf bis zu 100 Meter an die Wohnbebauung heranrücken. „Faktisch handelt es sich ohnehin um einen absoluten Neubau“, betonte Mähne. Die Masten würden bis zu 75 Meter hoch – und damit doppelt so hoch wie bisher. Einmal gebaut, gebe es außerdem die Möglichkeit, im Nachhinein beliebig aufzustocken.

Weil die Stadt anfangs eine Frist versäumt habe, so berichtete Mähne, habe man nun weniger Spielraum und bewege sich „nur noch in einem Korridor“. Insbesondere die mögliche Verbindung von Wechsel- und Gleichstrom auf der Bestands-trasse macht den Bürgern Sorge. Denn Gleichstrom könne mehr Strom transportieren und habe ganz andere Auswirkungen „Zu solchen Hybridleitungen gibt es noch keine Langzeitstudien. Keiner weiß wirklich, ob das gesundheitliche Folgen haben kann.“ Von der Stadt wünscht sich Mähne mehr Engagement. „Wenn wir jetzt nicht aktiv werden“, betonte er, „ist diese Chance für Jahrzehnte weg“. Deshalb appellierte er einmal mehr an alle Beteiligten, nachhaltig „ins nächste Jahrhundert“ zu bauen.

Klarer Handlungsauftrag

„Das Sportfeld und das Gleisdreieck sind laut Bebauungsplan die letzten zwei Baugebiete für Lampertheim“, so Schmidt. Eines davon, das Gleisdreieck, hat die Stadt bereits aufwendig geplant. Würde die Trasse allerdings so ausgebaut wie von Amprion gedacht, könne man weite Teile der Planungen verwerfen. Deshalb sieht auch der Sozialdemokrat einen klaren Handlungsauftrag, in Sachen Verschwenkungsvariante nochmals aktiv zu werden. „Die Gespräche können nicht allein vom Bauherrn geführt werden“, betonte er.

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