Lampertheim

Traum von einer florierenden Fußgängerzone aufgeben

Archivartikel

Zu Berichten und Analysen über die Zukunft der Lampertheimer Innenstadt im Südhessen Morgen.

Warum wird nach so langer Zeit ohne positive Ergebnisse nicht endlich akzeptiert, dass Lampertheim vielleicht gar keine lebendige Innenstadt haben kann, die sich so viele wünschen? Vielleicht hat sich die Art wie wir leben, einkaufen oder uns treffen im Vergleich zu früher so verändert, dass eine Innenstadt mit diversen Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und lebendiger Fußgängerzone in unserer Stadt überhaupt nicht funktionieren kann.

Lampertheim ist, was die Einkaufsmöglichkeiten betrifft, im Industriegebiet Ost außerordentlich gut aufgestellt. Welches Geschäft sollte klaren Verstandes den Standort Innenstadt wählen, wenn das Industriegebiet Ost vor Kundschaft nur so brummt und es Parkplätze en masse gibt? Viele Menschen fahren mit dem Auto zur Arbeit und erledigen die Einkäufe auf dem Weg. Oder sie erledigen ihre Einkäufe samstags in einem Schwung. Die wenigsten haben dabei Lust, sich durch die Innenstadt zu schlagen oder bei der Suche nach einem Parkplatz mehrfach um den Block zu fahren.

Eine Innenstadtbelebung über „irgendetwas mit Kultur“ oder „eine coole Location mit Essen und Trinken“ oder etwas wie das unlängst vorgeschlagene Markt-Gastro-Event-Center der FDP halte ich für ebenso utopisch und zudem für unklug. Denn wie gut so etwas bei den Nachbarn ankommt, hat man ja im Alten Kino gesehen. Regelmäßiger Publikumsverkehr bis in die Nacht und die schwierige Parksituation in Innenstadtbereich sollten Fragen aufwerfen. Wie soll das in der Innenstadt elegant verwirklicht werden, wenn doch andererseits nach Wohnverdichtung gestrebt wird?

Hier wäre ein Eventgebäude auf dem neu entstehenden Biedensand-Campus viel besser. Dort stört der Lärm nicht und die Infrastruktur, einschließlich Parkmöglichkeiten, wäre auf das Besucheraufkommen vorbereitet. Gleichzeitig erspart man sich die teuren Umbaumaßnahmen im Innenstadtbereich und das Thema Anwohnerbelästigung ist direkt vom Tisch.

Auch ein florierendes Schiller-Café braucht mehr als einen cleveren Betreiber, denn Gastronomie ist kein Selbstläufer. Man muss nur die Heide oder das Fährhaus als Beispiele betrachten. Das Schiller-Café scheint mir ein Paradebeispiel für eine sogenannte sunk cost fallacy (Trugschluss der versunkenen Kosten) zu sein: Ein erfolgloses Projekt wird mit ständigen weiteren Investitionen am Leben gehalten und zieht damit immer weitere Kosten nach sich. Gleichzeitig will man sich nicht davon trennen, da ja bereits so viel investiert wurde.

Ein Teufelskreis, der irgendwann durchbrochen werden sollte. Meiner Meinung nach sollte man dieses Thema also endgültig beerdigen, das Gebäude einfach entfernen und den Schillerplatz weiter öffnen.

Lampertheim ist keine Stadt, die eine florierende Fußgängerzone unterhalten kann. Daran hat schon ein Parkhaus nichts geändert, daran hat eine Neugestaltung des Schillerplatzes nichts geändert und daran wird auch ein Markt-Gastro-Event-Center nichts ändern. Dieser Realität sollte man sich nach 20-jähriger Beobachtungszeit stellen.

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