Lampertheim

Kerwe Wie Karrieren rund ums traditionsreiche Lampertheimer Volksfest geschmiedet werden

Trinkfest muss der Borscht sein

Archivartikel

Lampertheim.Horst Gützkow ist unser Kerwevadder“, sagt Kerweborscht-Quereinsteiger Martin Schneider im Gespräch mit dem Südhessen Morgen, und der 40-Jährige lacht dabei verschmitzt. Der Treffpunkt für die Zusammenkunft ist im Biergarten des London Pub, dort wo 2004 die Kerweborscht-Karriere für Schneider begann. „Es war Ende Juli und es gab nur noch zwei Kerweborscht, Uwe Seelinger und mich“, erinnert sich der ehemalige Owwerkerweborscht Gützkow, der bis 2010 aktiv war: „Zu jener Zeit waren Kerweborscht in Lampertheim sehr rar, ich habe händeringend danach gesucht.“

Am Küchentisch von Kerweborschtin Margit Selb klagte er noch über das vom Aussterben bedrohte Amt. Denn woher sollte er ambitionierte Kerwe-Männer nehmen? Doch schon kurz darauf, beim Besuch des Pub-Biergartens, kam die Rettung: „Da kam Martin Schneider über die Schwelle“, sagt Gützkow und zeigt auf die besagte Tür. Damals hatte er nur einen Gedanken: „Das wäre der ideale Kerweborscht.“

Gützkow fragte: „Tätst du das mache?“ Prompt kam von Schneider die Gegenfrage: „Was muss man da könne?“ Da Bier trinken vorrangig Priorität hat und das für Schneider kein Problem ist, antwortete er trocken: „Das kann ich!“ Noch heute amüsieren sich die Männer köstlich über diese Begebenheit. „Doch das Tollste kommt noch“, sagt der 67-jährige Gützkow. Denn der eben angeheuerte Kerweborscht Schneider kannte noch zwei Kumpels, die auch mitmachen wollten. So wurden Markus Gutschalk und Thorsten Kärcher ebenfalls in die Reihen der Trinkfesten aufgenommen.

Die drei neuen Kerweborscht waren Schulfreunde. Nach der Einborschtung wurde Gutschalk Stellvertreter von Gützkow. Heute ist Markus Gutschalk Owwerkerweborscht und organisiert die Abläufe bei den Kerwe-Feierlichkeiten. Während des Kerweumzugs, wenn die Borscht und Musikanten vom Heimatmuseum auf der Rolle von Walter Hahl durch das Kerwedorf fahren, die Christoph Oberfeld mit seinem Bulldog zieht, hat Gutschalk die ehrenvolle Aufgabe, das Kerweborscht-Testsiegel an den Bierständen anzubringen. „Nach einem Glas Bier heißt das Testurteil ’Sehr guter Stand’ und ehrt die Betreiber“, sagt der 39-Jährige. Das Design hat Andreas Krämer geschaffen.

Markus Gutschalk erklärt im Gespräch aber auch, dass es Benimm-Regeln für die Kerweborscht gibt. „Ich habe schon immer auf Etikette bei den Borscht geachtet“, bekräftigt Gützkow. Er bat um einheitliche Kleidung; schwarze Hose und Weste, weißes Oberhemd und einen Zylinder, um den Bänder in den Lampertheimer Farben Rot und Weiß angebracht sind. In diesen Farben sind auch die langstieligen Rosen, die nach der Kerweredd vor dem Alten Rathaus an die Zuschauerinnen verteilt werden.

Gützkow kann die Feierlichkeiten rund um die Lampertheimer Kerwe und die Aufhängung des Kerwekranzes am Alten Rathaus belegen. Er hat sich ein Archiv angelegt, die Berichterstattungen aus den Lampertheimer Zeitungen gesammelt und fein säuberlich abgeheftet. Während die Kerweborscht Markus Gutschalk und Martin Schneider sowie das Kerweurgestein in Ruhestand, Horst Gützkow, die gemeinsamen Kerwe-Jahre Revue passieren lassen, meldet sich Manfred Oelze vom Nebentisch. Er erklärt, dass er vor Ort war, als die Lampertheimer Kerwe im Jahr 1977 gegründet wurde. Nämlich während eines Zeltlagers der Jugendfeuerwehr. Damals war Hans Pfeiffer Bürgermeister, Erich Hoffmann war Stadtrat und Dezernent bei der Feuerwehr.

Wer Kerweborscht werden möchte, muss 18 Jahre alt sein, einem Lampertheimer Verein angehören und trinkfest sein. Interessenten können sich melden unter Telefon 0172/5 64 07 90. Vom 7. bis 9. September wird die Lambada Kerwe gefeiert. Und dann wird Heinz „Clever“ Eichenauer seine Redd am Alten Rathaus schmettern und fragen: „Wem g`heert die Kerwe?“ und die Borscht sowie Besucher werden antworten: „Unser!“.

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