Lampertheim

Landwirtschaft Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbands, zieht in Lampertheim eine Erntebilanz für das Jahr 2020

„Trockenheit beeinträchtigt Wachstum und Ertrag“

Archivartikel

Lampertheim.Bei den Lampertheimer Spargel- und Erbeeranbauern ist die Ernte abgeschlossen. Auch die Wintergerste ist weitgehend vom Feld. Nun müssen weitere Kulturen eingefahren werden. Der Sommer ist die arbeitsintensivste Zeit des Jahres. Das Wetter im Frühling ist entscheidend für die meisten Kulturen. In diesem Jahr war es geprägt von Trockenheit und Spätfrost, weshalb jetzt weniger Getreide auf den Feldern steht.

„Die langanhaltende Frühjahrstrockenheit hat das Wachstum aller landwirtschaftlichen Kulturpflanzen im dritten Jahr in Folge beeinträchtigt“, erklärte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, am Donnerstag in einem Erntepressegespräch, zu dem er in die Maschinenhalle von Willi Billau, dem Vorsitzenden des Regionalbauernverbandes Starkenburg eingeladen hatte.

Zahlreiche Lampertheimer Landwirte verfolgten die Gespräche, darunter Gerd Knecht, Vorsitzender des Ortsbauernverbandes, und Ortslandwirt Helmut Steinmetz. Das Jahr 2020 bestätige wieder einmal die Vorhersagen der Klimaforscher, sind sich die Lampertheimer Bauern einig. Sie wissen, dass sie sich zukünftig auf extreme Wetterlagen, wie Dürre, einstellen müssen. Weiterhin kam zur Sprache, dass es spezielle, auf den Standort bezogene, langfristige Lösungen geben muss.

Verbandspräsident Schmal bewirtschaftet in Nordhessen einen Grünland- und Viehbetrieb. Die Erträge, besonders der Wintergerste, seien regional verschieden, da die Niederschläge ungleich verteilt gewesen seien, sagte er. Derzeit rechneten die Fachleute mit einer leicht unterdurchschnittlichen Gesamterntemenge von etwas mehr als zwei Millionen Tonnen. Im Hessischen Ried sei das Niederschlagsdefizit noch größer.

Beitrag zum Klimaschutz

In den meisten hessischen Anbaugebieten habe nun auch die Ernte des Winterweizens begonnen. Diese Getreideart sei die Wichtigste in Hessen. Der Anbau von Winterraps habe im Vergleich zu 2019 von 27 500 Hektar auf rund 40 000 Hektar zugenommen. Doch in früheren Jahren habe die Winterrapsanbaufläche in Hessen meist über 60 000 Hektar gelegen. Ungünstige Witterung, das Verbot wirksamer Pflanzenschutzmittel und gesunkene Erzeugerpreise seien die Gründe für den Rückgang. Dabei könne mit Raps ein erheblicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden, weil daraus auch eiweißreiches Tierfutter und Bio-Diesel hergestellt werden kann. „Wir werden dafür kämpfen, dass Bio-Diesel zum Einsatz kommt“, so Schmal.

In der Corona-Pandemie hätten die Produkte der Bauern eine Wertschätzung erfahren, hieß es weiter. Allerdings werde Hessen zum schweinefreien Land, prophezeite der Präsident. Denn die Bestände seien stark zurückgegangen. Obendrein gebe es fast keine Molkerei mehr in Hessen, und auch die Schlachthöfe hätten dichtgemacht. Schmal sprach die gesetzlichen Vorgaben für Betriebe an und betonte, dass der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngung nötig seien. „Wenn unsere Landwirte mit immer mehr Auflagen und Reglementierungen drangsaliert werden, dürfen wir uns nicht wundern, dass Betriebe das Handtuch werfen“, so der Präsident.

„Wir wissen: Das Klima wird mediterran“, sagte Willi Billau. In Sachen Pflanzenschutzeinschränkungen wies er darauf hin, dass Unkraut, Pilze und Schadinsekten bekämpft werden müssten. Mit der Spargel- und Erdbeerernte seien die Anbauer in diesem Jahr zufrieden gewesen, jedoch hätten Saisonarbeitskräfte gefehlt. Die Ernte der Frühkartoffeln sei im Gange. Die Corona-Krise verursache Absatzeinbrüche und Preisdruck, zum Beispiel bei Frühkartoffeln und Zwiebeln. Das käme vor allem durch den Einbruch in der Gastronomie und bei Großveranstaltungen sowie durch Exportbeschränkungen.

Zum Flächenverbrauch durch den Bau von Photovoltaikanlagen, wie es in Lampertheim geplant ist, äußerte sich Gerd Knecht. Sie sollten auf Dächern von Einkaufszentren angebracht werden, damit die Landwirte dafür keine Anbauflächen hergeben müssten. Dem stimmte Schmal zu. Werner Wald, Kreislandwirt aus Groß-Gerau und Vorsitzender des Hessischen Braugerstenvereins, erklärte, dass die Braugerstenernte laufe, aber die Anbaufläche zurückgegangen sei. Er verdeutlichte den dramatischen Einbruch des Bierabsatzes durch Corona.

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