Lampertheim

Schülerbetreuung Zahl der Plätze an Schiller- und Pestalozzischule wird künftig nicht ausreichen / Stadt, Schulen und Kreis im Gespräch

Um eine kurzfristige Lösung bemüht

Archivartikel

Lampertheim.Dringender Handlungsbedarf besteht an den Lampertheimer Grundschulen hinsichtlich der Schülerbetreuung. Deren aktuelle Anzahl an Plätzen wird in den nächsten Jahren nicht mehr ausreichen. Schon im kommenden Schuljahr 2018/19 rechnen die Verantwortlichen an den Schulen und in der Stadtverwaltung damit, dass nicht alle Erstklässler einen Betreuungsplatz bekommen werden, deren Eltern das wünschen.

Dass das so kommen wird, hat die Abstimmung der Stadtverwaltung mit den Kindergärten und den Trägern der Schülerbetreuung in Lampertheim ergeben. An diesem Gespräch waren die Stadt als Träger des Kinderhorts, die Träger der Einrichtungen an den Grundschulen und die Kanu-Akademie beteiligt. Dabei wurde festgestellt, wie viele Kinder in diesem Jahr die Kitas verlassen und welcher Betreuungsbedarf sich daraus ergibt.

Sowohl an der Schillerschule als auch an der Pestalozzischule werden die 75 Betreuungsplätze in Zukunft nicht mehr ausreichen. Beide Schulen wollen ihr Angebot ausweiten und 100 Plätze anbieten. Dafür müssen sie aber aus dem Finanzierungsprogramm „Familienfreundlicher Kreis Bergstraße“ (FKB) in den „Pakt für den Nachmittag“ wechseln, der mit Landesmitteln gefördert wird. Das FKB-Programm finanziert nur Einrichtungen mit bis zu 75 Plätzen. Alle größeren müssen in den Pakt wechseln. Dies ist allerdings nicht kurzfristig möglich, sondern bedarf einer Beantragung und entsprechender Vorlaufzeit, weil es sich dann um ein schulisches Angebot handelt und die Schule die Gesamtverantwortung für Vor- und Nachmittag übernimmt. Während die Betreuung im Rahmen des FKB lediglich Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung bieten muss, ist der „Pakt für den Nachmittag“ ein integriertes Bildungs- und Betreuungsangebot. Hier gibt es zusätzlich Lernzeiten und Förderunterricht, Lehrer werden miteingebunden. Beim Familienfreundlichen Kreis Bergstraße, der auslaufen wird, handelt es sich um ein additives Angebot, das nicht zwingend mit dem Schulvormittag abgestimmt ist. Beide Schulen haben ihr Interesse am Beitritt zum Pakt bereits offiziell bekundet, können aber frühestens zum Schuljahr 2020/21 in diese Finanzierung aufgenommen werden.

Bis dahin können die Eltern, die ab dem kommenden Schuljahr eine Betreuung für ihre Kinder brauchen, nicht warten. Deswegen bemühen sich Stadt, Schulen, Träger und Kreis derzeit, eine Zwischenlösung zu finden und jeweils eine vierte Gruppe zu ermöglichen. Gestern sollte es ein Gespräch beim Kreis geben.

Die Notwendigkeit, die Betreuung auszubauen, sehen sowohl Annette Wunder-Schönung, Rektorin der Schillerschule, als auch Michaela Ohse, Rektorin der Pestalozzischule. „Wir müssen uns dieser gesellschaftlichen Situation stellen“, erklärt Wunder-Schönung im Gespräch mit dieser Zeitung. Und auch Ohse sieht, dass die Schule reagieren muss. „Wir können das aber nicht allein entscheiden“, sagt sie und verweist auf ein drängendes Problem: Der Markt für Erzieher ist quasi leer gefegt. Das macht es schwer, geeignetes Personal zu finden, mit dem auch pädagogisch gute Arbeit gewährleistet ist. Weniger schwierig sei die räumliche Situation. Da gebe es Möglichkeiten, mehr Kinder unterzubringen. „Es ist aber ja nicht damit getan, eine vierte Gruppe aufzumachen. Das Gesamtpaket muss stimmen“, erklärt die Pestalozzischulrektorin.

Verein signalisiert Bereitschaft

An der Grundschule im Rosenstock ist ein Elternverein derzeit Träger der Schülerbetreuung. Dessen Vorsitzende Sandra Roos-Greulich erklärt im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen“, dass der Verein durchaus bereit wäre, das Angebot auszubauen. Doch schon jetzt sei seit Monaten eine Erzieherstelle unbesetzt. Sollte es tatsächlich gelingen, schon ab August eine vierte Gruppe zu eröffnen, würde das bedeuten, dass der Verein zwei Erzieher- und eine Betreuerstelle besetzen müsste. Außerdem müsste der Verein, der bisher alle Verwaltungsarbeiten ehrenamtlich erledigt, überlegen, ob er nicht eine Verwaltungskraft einstellt, wenn die Zahl der betreuten Kinder weiter steigt. „Mit dem aktuellen Personal können wir nicht ab August 25 Kinder mehr betreuen, das geht nicht“, sagt Roos-Greulich und versichert zugleich: „Wir tun unser Bestes und Möglichstes und verstehen die Not der Eltern.“ Gerne möchte der Verein den Weg der Erweiterung mitgehen. „Doch dafür müssen wir uns professionalisieren“, so Roos-Greulich.

An der Schillerschule ist der Viernheimer Verein Lernmobil Träger der Betreuung. Sein Geschäftsführer und pädagogischer Leiter Gerd Baltes wertet die Lage ähnlich, ist aber zuversichtlich, dass der Verein eine vierte Gruppe ab dem neuen Schuljahr stemmen könnte. Diese Zuversicht gründet auch darin, dass Lernmobil sich schon vor langem professionalisiert hat und neben anderen Projekten die Betreuung an vier Grundschulen in Lampertheim und Viernheim anbietet.

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