Lampertheim

Carneval-Club Lampertheimer Narren entsorgen geliebte Fastnacht in der Tonne

„Unsere Zeit kommt wieder“

Archivartikel

Lampertheim.Drei leise gehauchte „Helau“ schwebten durch die Zehntscheune. Im Saal waren viele schwarzgekleidete Karnevalisten zu entdecken, denn es gehört zum Brauchtum des 1. Carneval Clubs Rot-Weiß (CCRW) 1956 Lampertheim, dass am Schluss der Kampagne die Fastnacht beerdigt wird – mit einem ergreifenden Bühnenspektakel und leckerem Fischessen.

Am Aschermittwoch kommen die rot-weißen Narren noch einmal zusammen, reden über die zurückliegende Kampagne und schmieden neue Pläne für die bevorstehende karnevalistische Zeit. Für die CCRW-Narren gibt es jetzt eine kleine Verschnaufpause, bevor sie sich wieder an das Proben machen, vor allem die Tanzgruppen.

Sitzungspräsident Markus Gutschalk verkündete die Nachricht vom Tod der Fastnacht. Die Trauergemeinde sei zusammengekommen, um gebührend Abschied zu nehmen. Doch bevor getrauert wurde, traten noch einmal die jungen Tänzerinnen des Vereins auf. Der Pur-Song „Wo sind all die Indianer hin?“ ertönte, und die Juniorengarde unter der Leitung von Tatjana Bopp-Montag marschierte ein. Denn das Kampagne-Motto hieß „Lampertheim Goes Wild West“. Die jungen Indianer tanzten um ihren Häuptling Yara und begeisterten die Besucher. Auch Tanzmariechen Sophia Karb, das in der Kampagne ihren elften Geburtstag feierte, erfreute mit einem kecken Gardetanz.

Der Sitzungspräsident erinnerte an die närrischen Aktivitäten. So hatten die rot-weißen Fastnachter hatten ihren eigenen Narrenfahrplan gemeistert und zahlreiche Ordensfeste besucht. Auch die Straßenfastnacht am Fastnachtsdienstag sei ein großer Erfolg gewesen. Gutschalk ließ auch die erfolgreiche Einnahme der Verwaltung im Januar Revue passieren, als Lampertheims Bürgermeister Gottfried Störmer keine Alternative blieb und er den Rathausschlüssel übergeben musste. Die Regentschaft der Narren ging an Aschermittwoch jedoch zu Ende und sie mussten den Maxi-Schlüssel wieder herausrücken.

Verwaltung wieder im Amt

Stadtprinzessin Janine I. hob ihre elf närrischen Paragrafen auf, zum Beispiel muss der Narrenfrack gereinigt und gebügelt wieder in den Schrank gehängt werden, ab sofort heißt Glitzerheim wieder Lampertheim und die Stadtverwaltung darf ihre Arbeit wieder aufnehmen. „Wir bedanken uns für Ihr entgegengebrachtes Vertrauen“, betonte Gutschalk. Bürgermeister Störmer nahm den Rathausschlüssel entgegen und bedauerte ein wenig, dass die närrische Regierungspause vorüber war. Von den zuschauenden Narren kamen drei „Helau“ im Flüsterton auf Janine I. und auf Bürgermeister Störmer.

Im Hintergrund war Prinz Jokus in Form eines Herings aufgebahrt und Beatrice Braun und Thomas Blanck hielten die Todeswache. Nach dem Fischessen formierte sich der Trauerzug. Voran schritt Freddy Herweck, der Zugmarschall des närrischen Lindwurmes, dahinter folgten die Heringsbraut Sophia mit ihrem Heringsbräutigam Noah, Janine I. und weitere Vereinsmitglieder.

Die „Zwoa Spitzbuam“ Mike und Volker konnten ihren Instrumenten nur tiefe Töne entlocken. Die Trauernden schluchzten und jammerten laut. Doch es half alles nichts, die geliebte Fastnacht und wurde in der Tonne entsorgt. Gutschalk im Mönchsgewand spendete Trost: „Wir wollen der Fastnacht dankbar sein. Behaltet eure Fröhlichkeit, unsere Zeit kommt wieder.“

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