Lampertheim

Freizeit Buchungen in Lampertheim laufen wieder an / Noch Fragezeichen hinter manchen Angeboten

Unsicherheit bremst Reiselust

Archivartikel

Lampertheim.Schon das Wort „Urlaub“ weckt bei vielen Menschen Sehnsucht und Fernweh. In Zeiten der Corona-Krise womöglich sogar verstärkt. Gerade die von Homeoffice und gleichzeitiger Kinderbetreuung Erschöpften wünschen sich Urlaub, um Energie aufzutanken, Ruhe und Entspannung zu finden.

Dazu passt, dass die coronabedingten Reisebeschränkungen für die meisten europäischen Staaten aufgehoben wurden. Weitere, bei vielen Deutschen beliebte Urlaubsländer wie die Türkei, könnten demnächst folgen.

Immer mehr Angebote könnten jetzt auch wieder im Reisebüro gebucht werden, informiert Nicole Baur, Büroleiterin von der „Reiseinsel“ in der Lampertheimer Römerstraße. Schon in den vergangenen Tagen habe sie die ersten Reisen ab dem 1. Juli auf die griechischen und auf die kanarischen Inseln, Zypern und Kroatien verkauft.

Personal noch in Kurzarbeit

Nicht umsonst rät Nicole Baur, eine Pauschalreise über eine Agentur oder ein Reisebüro zu buchen. Denn werde die Reise nicht durchgeführt, wie sie geplant war oder sage der Veranstalter ab, dann erhalte der Urlauber sein Geld zurück. Und im Falle einer zweiten Welle der Covid-19-Pandemie würden deutsche Touristen aus dem Ausland zurückgeholt.

Was die Umsatzeinbußen angeht, gehört die Reiseindustrie zu den von der Corona-Krise am stärksten betroffenen Branchen. Auch die befragten Lampertheimer Reisebüros versuchen, sich irgendwie über Wasser zu halten. Einige befürchten, wegen der Corona-Pandemie und ihrer Begleiterscheinungen Konkurs anmelden zu müssen. Die Mitarbeiterinnen befinden sich überwiegend noch in Kurzarbeit.

„Wir überlegen, umzubuchen“

Jesina Litters kümmert sich um die Sorgen und Fragen ihrer Kunden überwiegend telefonisch und per E-Mail im „Reisecenter“, das sich im E-Center, in der Gaußstraße befindet. Den Ratsuchenden hilft sie, ihre Probleme zu lösen. Wie dem Ehepaar Dagmar und Bernd Petrola. Die beiden hatten im vergangenen Jahr eine Reise in die Dominikanische Republik reserviert und wollten schon bald mit dem Flugzeug abheben. Doch dann war der reguläre Flugverkehr eingestellt worden.

Nun werde sich der Tourismussektor der Dominikanischen Republik wieder wappnen und, so Litters, langsam mit der Wiederaufnahme des Betriebs, ab 1. Juli, beginnen. „Wir überlegen noch, ob wir umbuchen oder die Reise ganz aufgeben“, sagen die Petrolas. Die Entscheidung fällt ihnen nicht leicht. Aber, geben sie zu bedenken, der Urlaub werde sich wohl ziemlich anders gestalten und anfühlen als die Jahre zuvor. Mit strengen Schutzmaßnahmen, die erfüllt werden müssen, außerdem sei es wohl fraglich, ob im Hotelrestaurant ein Büfett erlaubt sei.

Reisekauffrau Jesina Litters berichtet, ihr Eindruck sei, dass während der Corona-Krise unter den Kunden viel Unsicherheit herrsche, da die Touristik weitgehend lahmgelegt sei. Zur Klärung von Angelegenheiten versuche sie ständig, die entsprechenden Airlines und Touristikveranstalter telefonisch zu erreichen. Das sei meistens zwecklos, denn die Leitungen seien überlastet, so Litters’ Erfahrung. Also schreibe sie E-Mails – und warte meistens wochenlang auf eine Antwort. Die Mitarbeiterin des „Reisecenters“ ist der Meinung, dass die Reisebeschränkungen nur schrittweise gelockert werden sollten, da sonst die nächste Corona-Welle vorprogrammiert sei.

Es kämen auch einige Anfragen von Familien, die gerne ihren nächsten Sommer- oder Herbsturlaub planen möchten, aber unsicher seien. „Bulgarien ist im Kommen“, hat Litters beobachtet. Die Urlaubsziele innerhalb Deutschlands, erklärt sie, gingen aber weitgehend am Reisebüro vorbei, da sei eher Individualurlaub angesagt.

Beratung gefragt

Auch Christina Neu, Büroleiterin von Reisebüro Beth, Wormser Straße, hat mit Umbuchungen zu tun. Sie konnte Anfragende für die Mecklenburgische Seenplatte und für die Ost- und Nordsee begeistern. Sonst wollten die Kunden eher Urlaub im Ausland machen. Momentan kämen aber nur wenige Anfragen nach touristischen Reisen in die Ferne, denn auch ihre Kundschaft sei verunsichert. Beispielsweise, wie man sich verhalte, wenn sich vor Ort die Atemwegserkrankung ausbreite. Es stünden auch noch viele Fragezeichen hinter den Reiseangeboten in der EU.

Neu bedauert, dass sie vielen Kunden derzeit keine befriedigenden Antworten geben könne, da sich Vorgaben innerhalb kurzer Zeit änderten. Insgesamt hoffen die angesprochenen Reisekauffrauen auf eine Gesamtlösung für die Branche. Die Kapazitäten in Deutschland reichten jedenfalls nicht aus, um allen Reisewilligen den wohlverdienten Urlaub anbieten zu können.

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