Lampertheim

Kunst Lampertheimer Autorin und Fotografin Christina Barbara Kiehs-Glos stellt gemeinsam mit Gerhard Richter und Jonathan Meese im Schweizerischen Sils Maria aus

Unterwegs in metaphysischen Landschaften

Archivartikel

Lampertheim.Eine Ausstellung gemeinsam mit Werken von Gerhard Richter und Jonathan Meese – das ist nicht jedem Künstler vergönnt. Die Lampertheimer Künstlerin und Fotografin Christina Barbara Kiehs-Glos aber ist die glückliche Dritte im Bunde von Kunstschaffenden, die derzeit ihre Werke im Nietzsche-Haus zu Sils Maria präsentieren.

Dort, im ehemaligen Refugium des vor 175 Jahren geborenen Philosophen, wurde in der vergangenen Woche die Sonderausstellung „Horizonte“ eröffnet. In der benachbarten Chesa Matossi hielt Prof. Peter André Bloch von der Stiftung des Nietzsche-Hauses vor einem interessierten Publikum die Laudatio. Der schwer erkrankte Gerhard Richter fehlte; einige seiner Landschafts-Metamorphosen aus dem Zyklus „Sils“ konnten freilich besichtigt werden. Ebenso wie Jonathan Meeses Zeichnungen und Notizen über den „Überrobotermenschen“ Nietzsche – wilde, assoziative, bewusst im Stil einer scheinbar hingeworfenen Schülerarbeit gehaltene Skizzen und Entwürfe, die dem als unbändig empfundenen Charakter des Autors von „Also sprach Zarathustra“ huldigen.

Flankiert von den dunklen, unheimlichen Nietzsche-Porträts des Schweizer Künstlers Not Vitals sind die Kunstfotografien Christina Barbara Kiehs-Glos’ unter dem Titel „Azurene Transparenzen“ zu sehen. Aufnahmen, die sich der Naturmystik rund um Sils Maria widmen, jenes Engadiner Ortes, der sich, auf über 1800 Metern Höhe gelegen, zwischen dem Silsersee und dem Silvaplanersee als naturverbundener Gegenentwurf zum knapp zehn Kilometer entfernten mondänen St. Moritz empfiehlt. Mit ihrer Digitalkamera hat die Lampertheimer Künstlerin und Autorin Konturen und Horizonte dieser Berglandschaften dank den Möglichkeiten der Langzeitbelichtung aufgelöst und ihre Gegenständlichkeit in eine transzendent scheinende Dimension überführt, die dem Betrachter einen vertieften Zugang zur Realität vermittelt. Zu dieser Spurensuche sah sich die Künstlerin inmitten jener „metaphysischen Landschaften“ inspiriert, wie sie Nietzsche mit seinen überempfindlichen Augen empfunden haben mag.

Die Sonderausstellung im Nietzsche-Haus zu Sils Maria ist bis 23. Juli 2020 zu sehen. Die Künstlerin hat einen Katalog mit einer Sammlung ihrer Kunstfotos herausgegeben, die neben verklärten Himmelsschauspielen und in scheinbar unwirkliches Licht getauchte Berggipfel etwa auch die bizarren Muster von Eisbildungen auf dem Silsersee zeigen – und welche die Illusion vermitteln, hier hätte die Natur selbst den Zeichenstift geführt. Ergänzt wurden die Bilder mit eigenen lyrischen Texten. Das Vorwort hat Prof. Peter André Bloch verfasst. Bestandteil des Katalogs ist auch ein Interview, das SHM-Redakteur Uwe Rauschelbach mit der Künstlerin geführt hat. urs

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