Lampertheim

Inklusion Behindertenbeauftragter des Bundes hält Vortrag / Jürgen Dusel nennt Lampertheim Vorreiter für Teilhabe auf kommunaler Ebene

„Viel erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun“

LAMPERTHEIM.„Inklusion“ – das bedeutet, bei etwas einbezogen zu sein, die gleichberechtigte Teilhabe und das Gegenteil von Diskriminierung. So steht es zumindest im Duden. Doch wie lässt sich Gleichberechtigung für Menschen mit und ohne Behinderung praktisch leben, was können Kommunen dafür tun? Diese Fragen versuchte Jürgen Dusel, Behindertenbeauftragter des Bundes, in Lampertheim zu beantworten. Im Sitzungssaal des Stadthauses riet er dazu, neben äußeren auch mentale Barrieren abzubauen.

Denn, so Dusel, Inklusion lasse sich nicht verordnen, Menschen müssten davon überzeugt sein. „Wir müssen nicht nur Recht setzen, sondern auch dafür sorgen, dass es gelebt werden kann“, erklärte er. Dann, da waren sich mit Behindertenbeiratsvorsitzender Petra Brandt, Bürgermeister Gottfried Störmer, Kreisbeigeordnetem Karsten Krug und Dusel alle Redner einig, profitiere die ganze Gesellschaft von den Entwicklungen der Inklusion.

„Eine Frau mit Kinderwagen freut sich genau wie eine Seniorin über Rampe oder Aufzug“, erklärte Brandt rund 30 Zuhörern. Für die Lampertheimerin, die sich seit November 2015 mit ihren Beiratskollegen ehrenamtlich engagiert, stehen ohnehin nicht Teilhabegesetze und Konventionen im Mittelpunkt, sondern eine „einfache Frage“: „Wie gehe ich mit Behinderten um? Darum geht es doch“, betonte sie. Für sie seien ohnehin „alle“ oder „niemand“ behindert. „Schließlich sind wir alle Menschen“, so die Vorsitzende des Beirats.

Auf ihre Einladung hin kam der Vortrag und die anschließende Fragerunde mit Jürgen Dusel zustande – dabei hat der Verwaltungsjurist auch persönliche Wurzeln in die Spargelstadt. 1985 machte er an der gymnasialen Oberstufe einer Gesamtschule sein Abitur und hat noch heute seinen Zweitwohnsitz in Lampertheim.

Dusel erinnerte in seinem Vortrag an die Diversität von Behinderungen: „Es gibt nicht den Behinderten. Nur weil ein Gebäude eine Rampe hat, ist es noch lange nicht barrierefrei“. Das weiß er aus eigener Erfahrung gut genug. Dusel ist seit seiner Geburt stark sehbehindert. Dennoch besuchte er in Lampertheim von Beginn an eine Gesamtschule, war Mitglied bei den Pfadfindern und im Schwimmverein. Denn soziale Interaktion sei für ihn der wichtigste Faktor zu einem gleichberechtigten und glücklichen Leben gewesen, erklärte er.

Inklusion gehe aber weit über Kita- und Schulzeit hinaus. „Von knapp neun Millionen schwerbehinderten Menschen werden nur knapp drei Prozent damit geboren, viel mehr erwerben die Behinderung erst lange nach der Schulzeit“, führte der Behindertenbeauftragte an. Sein Ratschlag für Städte? „Das Stichwort heißt Partizipation“, erklärte er, „fragen sie einfach die Menschen, die es betrifft, beteiligen sie Menschen mit Behinderung am Prozess der Inklusion“. Deshalb sieht er in Lampertheim mit dem Behindertenbeirat eine gute Grundlage. „Lampertheim ist Vorreiter, die erste und einzige Stadt im Kreis mit Behindertenbeirat“, bestätigte Karsten Krug. Dusel wünscht sich, dass andere Städte diesem Beispiel folgen. „Wir haben mit dem Beirat einiges erreicht“, fand Rathauschef Störmer, „es bleibt aber noch viel zu tun“.

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