Lampertheim

Naturdenkmal Baumkrankheit kann stattlicher Feldulme bislang nichts anhaben / Bestand dramatisch gesunken

Von einer Überlebenskünstlerin in Rosengarten lernen

Archivartikel

Rosengarten.Auch sie gehört zu den grünen Giganten von Rosengarten: eine zwanzig Meter hohe Feldulme, deren Stamm mit einem Umfang von über fünf Metern beeindruckt. Die Ulme steht als einzige ihrer Art am Altrheinarm westlich von Wehrzollhaus – umgeben von verschiedensten Gehölzen und allerlei Gestrüpp. Zu bewundern ist sie daher nur für unerschrockene Naturfreunde, die sich von ein paar Schrammen nicht schrecken lassen, wenn sie sich ihren Weg durchs Dickicht bahnen. Doch gerade diese Lage hat den Laubbaum zum Naturdenkmal werden lassen.

„Der dicke Stamm lässt darauf schließen, dass die Feldulme ein beachtliches Alter erreicht hat“, erklärt Hermann Joachim, Experte bei der Unteren Naturschutzbehörde, im Redaktionsgespräch. Auf eine genauere Datierung will er sich nicht festlegen. „Das Interessante an dem Baum ist doch, dass er das große Ulmensterben bisher überlebt hat“, betont der Fachmann.

Die Krankheit, die das Ulmensterben auslöst, wird durch einen Pilz verursacht und durch Ulmen-splintkäfer verbreitet. Der Pilz namens Ophiostoma ulmi wurde vor etwa 100 Jahren von Ostasien nach Europa eingeschleppt. 1919 in Holland erstmals entdeckt, verbreitete er sich über den ganzen Kontinent, nach England und schließlich auch nach Nordamerika. Von dort kehrte Ende der 1960er Jahre ein noch aggressiverer Stamm des Pilzes zurück. Eine weitere aggressive Variante kam zeitgleich erneut aus Asien.

So setzte eine zweite Welle des Ulmensterbens ein. Ganz verschwunden ist die Ulmenkrankheit bis heute nicht. Sie wird auch Welkekrankheit genannt, weil plötzlich die Blätter welken und abfallen, dann Zweige, Äste und letztlich der gesamte Baum komplett abstirbt. Der Ulmenbestand ist in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch gesunken – vor allem bei Berg- und Feldulmen. Diese sind bei Befall des unheilbringenden Pilzes fast chancenlos. Doch das prächtige Exemplar in Rosengarten hat überlebt.

„Ihr großes Glück ist, dass sie nicht mit anderen Ulmen zusammen in einer großen Gruppe steht“, erläutert Hermann Joachim. „Dann nämlich hätten Pilz und Käfer ein viel leichteres Spiel.“ Die Vielfalt an Gehölzen um das Naturdenkmal herum hat die Feldulme bis heute bewahrt.

Erkenntnis setzt sich durch

Dass Biodiversität Baumbestände bei Schädlingsbefall weniger anfällig macht, sei eine Erkenntnis, die sich heute beispielsweise auch in der Forstwirtschaft durchgesetzt habe, sagt der Fachmann der Unteren Naturschutzbehörde.

Bei Neuanpflanzungen in Wäldern werden Monokulturen deshalb beispielsweise inzwischen so gut es geht vermieden. Dadurch sollen die Bäume auch dort widerstandsfähig werden – und möglichst so schön und stark wie die Feldulme in Rosengarten.

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