Lampertheim

Kita Schwalbennest Verabschiedung mit Übernachtung / Wahrnehmungsspiele und feierliche Zeremonie

Vorschulkinder gehen auf Abschiedstour im Kindergarten

Archivartikel

Lampertheim.Die Vorschulkinder der inklusiven Kindertagesstätte (Kita) Schwalbennest konnten es nicht mehr länger erwarten: Sie übernachteten ohne Eltern im Kindergarten – und der verwandelte sich zur Lodge in der Wildnis. An der Eingangstür verteilten die Erzieherinnen Schlüssel für die Zimmer. Schlafsack, Kuscheltier und Taschenlampe unter den Arm gequetscht, marschierten die Kleinen ihrem Abenteuer entgegen.

Die Zimmerschlüssel entpuppten sich schnell als Lupen. Ein Hinweis auf das, was die Kinder in der Nacht erwarten würde? „Könnte sein“, sagte Sabine Graupner, Leiterin der Kita Schwalbennest, mit einem Schmunzeln: „Die Interessen der Vorschulkinder variieren von Jahr zu Jahr. Dieses Mal beschäftigt die Kinder besonders das Thema Umwelt und Natur. Sie können gar nicht genug davon bekommen, sich durch Gestrüpp zu schlängeln oder über den Boden zu robben, um Käfer und Insekten zu beobachten. Da sind Feuerwanzen und Marienkäfer genauso willkommen wie der beeindruckende Hirschkäfer. Es war uns schnell klar, dass die Übernachtung der Vorschulkinder dem Thema Natur gewidmet sein soll.“

Verstärkung holte sich die Kita durch Mirko Klein, Naturpädagoge bei Natur-Hautnah. Er absolvierte mit seinen kleinen Lodge-Gästen eine Waldmeisterschaft im Garten der Kita. „Das weitläufige Außengelände des Kindergartens mit Irrgarten aus hohen Bambuspflanzen, Kletterwald und Wasserlandschaft bietet viele naturnahe Spielmöglichkeiten“, sagte Klein. So kreisten an diesem Abend sieben Vorschulkinder als Eulen durch das Kita-Gelände, um die im Garten versteckten Tiere zu erspähen. Die Kinder hatten die Augen verbunden und waren völlig auf ihr Gehör angewiesen, während sie als piepende Fledermaus jagten oder als Motte versuchten, zu entwischen.

„Solche Wahrnehmungsspiele schärfen die Sinne. Wir blenden einen Sinn sozusagen aus, wie hier das Sehen, und dafür verstärken sich die anderen, zum Beispiel das Hören“, sagte Klein. Aber es muss für alle passen. Im Schwalbennest sind Kinder mit und ohne Beeinträchtigung. Die Erzieher und Klein hatten die Aktivitäten gemeinsam besprochen, so dass alle Kinder gleichermaßen teilhaben konnten. Auch mit verbundenen Augen Kräuter wie Pfefferminze erschnuppern oder am Geruch Tiere erkennen, gehörte dazu.

Die Nacht war warm genug, um im Freien Nudeln mit Tomatensoße zu essen. Doch plötzlich schossen Wasserfontänen aus dem Boden. Die Rasensprenger legten los, und jubelnd wuschen sich die Kinder den Staub von Armen und Beinen. Zur Krönung des Abends verlieh Klein in einer feierlichen Zeremonie allen Kindern den Holzorden des Waldmeisters. Mit Bechern voll Brause rief er ihnen zu: „Prost, ihr Waldmeister.“ Und die Kinder antworten mit stolz geschwellter Brust: „Prost, wir Waldmeister.“ So jubelten und tobten sich die Vorschulkinder durch ein unvergessliches Erlebnis und schliefen alle gemeinsam in ihrem Gruppenraum der Kita ein. „Die Übernachtung in der Kita bestärkt die Kinder darin, dass sie auch allein, ohne direkte Unterstützung der Eltern, etwas schaffen können – wie zum Beispiel ohne Mama und Papa die Nacht zu verbringen. Außerdem bietet sie den Vorschulkindern die Chance, ihre Kindergartenzeit noch einmal ganz intensiv zu erleben. Diese großartige Erfahrung tragen sie immer bei sich, wenn ihr neuer Lebensabschnitt in der Schule beginnt“, sagte Anna Bolleyer, Erzieherin im Schwalbennest. red

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional