Lampertheim

Innenstadt Interessengemeinschaft will altes Gasthaus als Begegnungsstätte nutzen / Eigentümer wollen verkaufen

„Wacker“-Pläne liegen auf Eis

Lampertheim.Seine beste Zeit hat das Lampertheimer Gasthaus Wacker längst hinter sich. Ob es noch eine Zukunft hat, lässt sich schwer vorhersagen. Immerhin gibt es eine Vision für das denkmalgeschützte Gebäude an der Ecke Kaiserstraße/Peter-Straße. Die Interessengemeinschaft Wacker jedenfalls lässt sich von den wenig aussichtsreichen Perspektiven für das einstige Gasthaus, in dem Bälle, Hochzeiten, politische Veranstaltungen und Vereinstreffen eine lebendige Tradition begründeten, nicht einschüchtern.

Die Wackerfreunde wollen aus dem alten Gebäude eine Begegnungsstätte machen. Keinen Kulturtempel also, der in der Diskussion über den Bau und den Standort einer neuen Kulturstätte auf dem geplanten Biedensand-Campus einen Kontrapunkt bildete, sondern einen zentralen Anlaufpunkt für Menschen, die einander treffen, ein Glas Wein miteinander trinken und Lampertheimer Neuigkeiten austauschen möchten. Außerdem sieht die Interessengemeinschaft Möglichkeiten, das ehemalige Gasthaus als Bühne für Kleinkunstveranstaltungen zu nutzen. Gedacht ist an Kabarett, Lesungen oder Ausstellungen.

Doch so schön der Traum, so kompliziert die Realität. Von der Familie des früheren Inhabers, Philipp Wacker, angesprochen, ob er Interesse am Erwerb der Immobilie habe, fing Peter Gutschalk Feuer. „Da ist erstmals die Idee gewachsen“, sagt er im Gespräch mit dem Südhessen Morgen.

„Das kostet“

Der Mitbegründer der Interessengemeinschaft musste allerdings abwinken; ein Erwerb des Gebäudes ist schlichtweg zu teuer. Zumal das unter Denkmalschutz stehende Ensemble sich in einem baulich schlechten Zustand befindet, über keine Heizung verfügt, Brandschutz-Defizite aufweist und vieles mehr. Ihm war klar, so Peter Gutschalk, „dass das viel, viel Geld kosten wird“.

Inzwischen sucht die Familie des ehemaligen Eigentümers einen Käufer. Seither befindet sich die Interessengemeinschaft im Wettlauf mit der Zeit – und um die besten Ideen. Obwohl der Erwerb und die Nutzung des früheren Gasthauses nicht über das Stadium einer Vision hinausgekommen sind, wollen die Wackerfreunde ihre Vorstellungen von der Schaffung einer Begegnungsstätte in diesen alten Mauern nicht fallen lassen. Inzwischen hat die Stadt es jedoch abgelehnt, sich das Vorkaufsrecht für das Gebäude zu sichern – was die Initiative durchaus als Rückschlag empfunden hat. Es sei schwierig gewesen, räumt Peter Gutschalk ein, danach wieder Motivationen aufzubauen.

Unterdessen haben die Wackerfreunde eine eigene Internetseite gegründet (sie ist noch im Aufbau) und treffen sich regelmäßig zum Stammtisch im Café am Stadtpark. Dort wollen sie Ideen für Aktionen entwickeln, um das öffentliche Interesse an einer bürgerschaftlichen Nutzung des ehemaligen Gasthauses zu stärken und finanzielle Spielräume auszuloten. Immer mehr Menschen bekundeten Interesse, sich in dieses Projekt einzubringen, auf welche Weise auch immer, berichtet Gutschalk.

Er rechnet vor: Wenn rund 2500 Lampertheimer jeweils 100 oder 200 Euro spenden würden, käme ein stattlicher Betrag zusammen, der einen Grundstock bilden würde, um doch noch in den Besitz der Immobilie zu kommen. Zur Zeit wird geprüft, welche juristische Form geeignet wäre, um Aktionen zur Schaffung einer Begegnungsstätte mit kulturellem Nutzwert umsetzen zu können.

Gleichzeitig fürchten die Wackerfreunde täglich, dass sie die Nachricht vom Verkauf des Gebäudes an einen Privatinvestor erreicht. Doch die Liebe zu ihrer Heimatstadt und der Wunsch, im Lampertheimer Zentrum einen belebenden Impuls zu setzen, der sich nicht in der Eröffnung eines neuen Geschäfts erschöpft, verleiht Peter Gutschalk und seinen Mitstreitern Flügel. Seine Begabung als Mundartkabarettist kommt dem Lampertheimer auch in dieser komplexen Materie zugute: Je schwieriger die Lage, umso stärker das Bedürfnis, locker zu bleiben – und heiter. Das hat sich für Gutschalk bislang nicht nur auf der Bühne, sondern auch im wahren Leben bewährt.

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