Lampertheim

Literatur in LA Geheimnisvolle Aura der Landschaft hat die Riedbewohner zu allen Zeiten zu Geschichten inspiriert

Wahres und Sagenhaftes über den Biedensand

Archivartikel

Lampertheim.In eine jahrhundertealte Eiche auf dem Biedensand hat jemand einen indianischen Traumfänger gehängt. Auch wenn dieser aus einer ganz anderen Kultur stammt, passt er doch gut zu der geheimnisvollen Aura, die das Naturschutzgebiet an manchen nebligen Wintertagen verströmt. Dies ist ein Grund, warum sich viele wahre Geschichten und erfundene Sagen voller Lokalkolorit um die Insel am Altrhein ranken, die erstmals anno 1354 als „Büdensand“ Erwähnung fand. In früheren Quellen tauchen noch andere Namen auf.

Bis zu 14 Höfe

Wahr ist, dass der Biedensand einst bewohnt war. Hier stand jedoch nicht nur eine einzelne Hütte, sondern sogar ein ganzes Dorf, nämlich ein Hubendorf namens Bischofsheim. Der Ort, der im Besitz des Wormser Andreasstifts war, hatte zwei Gassen mit zeitweise 14 Höfen. Er war dem Andreasstift zehntpflichtig. Immer am St. Remigius-Tag, dem 1. Oktober, mussten 140 Malter Weizen abgeliefert werden. Mehrere Heimatforscher vermuten, dass das Dorf sich am Anfang des Welschen Lochs befunden hatte.

Regelmäßige Überschwemmungen bei Rheinhochwasser hatten den Bischofsheimern offenbar ihren Wohnort verleidet, so dass sie die Siedlung im 15. Jahrhundert aufgaben. Wahrscheinlich zogen sie aber nicht allzu weit weg. Denn wie es heißt, sprachen die Bewohner vom „Gaaseneschd“, also in der Nähe der heutigen Biedensandstraße, lange noch einen Dialekt, der leicht von der Mundart der Lampertheimer abwich. Vielleicht, weil sie ursprünglich nur anderthalb Kilometer entfernt von der neuen Heimat gelebt hatten.

Doch es gibt auch erfundene Geschichten rund um den Biedensand. Wie diese hier: Auf dem Altrhein war einst eine Fähre in Betrieb, allerdings nicht dort, wo heute die Brücke ist. Der Fährmann legte ein Stück weiter südlich ab, kurz hinter dem heutigen Beginn der Natostraße. Mit seinem Nachen fuhr er unter anderem bis Worms und vor allem Passagiere zum Biedensand. Wenn jemand von dort wieder abgeholt werden wollte, rief man ihm zu: „Hul riwwer (Hol über!“).

Eines Nachts lag der Fährmann namens Wegerle schon im Bett, als er den wohlbekannten Ruf vernahm. Hatte er womöglich jemanden vergessen? Doch er konnte sich an niemanden erinnern, der noch am anderen Ufer sein könnte. Seine Frau überredete ihn, aufzustehen. Auf der anderen Seite des Flusses sah er ein Mädchen in einem weißen Kleid stehen. Er fuhr mit der Fähre hinüber zum Biedensand. Die weiße Gestalt stieg ein und brachte mit ihrem Gewicht den Nachen fast zum Kentern. Irgendetwas an ihr kam dem „Werlefäjer“ unheimlich vor.

Kurz vor dem anderen Ufer griff die Gestalt in die Tasche, um dem Fährmann seinen Lohn zu geben. Doch dieser hatte Angst davor, ihr zu nahe zu kommen und hielt ihr stattdessen das Ruder hin, damit sie das Geld darauf legen sollte. Doch es handelte sich bei dem Lohn nicht um die erwarteten Münzen, sondern um einen großen Klumpen Gold. Durch dessen Gewicht sank das Ruder augenblicklich ins Wasser und mit ihm das wertvolle Edelmetall. Noch bevor der Fährmann richtig begriff, was geschehen war, hatte sich der Geist in Luft aufgelöst.

Monster gesichtet

Vor rund 50 Jahren machte eine andere Horrorgeschichte in Lampertheim die Runde: Auf dem Biedensand war ein Monster gesichtet worden. Niemand hatte es selbst gesehen. Jeder kannte nur jemanden, der jemanden kannte (angeblich sehr zuverlässig), der es gesehen hatte, also eine klassische urbane Legende oder Foaf-Tale (Friend of a friend). Laut den Beschreibungen musste es sich um eine Mischung aus Yeti und Bigfoot handeln. Angeblich waren riesige Fußspuren gesichtet worden.

Gefangen oder wenigstens fotografiert wurde das Monster indes nie. Nach ein paar Wochen war der Spuk wieder vorbei. Das Angebliche Monster hatte lediglich bei ein paar Ängstlichen für Albträume gesorgt – aber gegen solche Nachtmahre würde ja jetzt der Traumfänger helfen.

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