Lampertheim

ICE-Neubaustrecke Forstamt Lampertheim lehnt Vorzugsvariante der Deutschen Bahn ab / Tunnelbau könnte Ökosystem gefährden

Warnung vor offener Wunde

Lampertheim.Der Weg zu einer neuen Bahn-Trasse durch Südhessen bleibt steinig. Am Donnerstag hat sich das Forstamt Lampertheim vehement gegen den von der Bahn bevorzugten Streckenabschnitt zwischen Lorsch und Mannheim ausgesprochen.

Der Plan der Deutschen Bahn, die ICE-Strecke in einem offenen Tunnel durch den Lampertheimer Wald zu führen, habe gravierende Auswirkungen auf das ökologische System des etwa 27 Quadratkilometer großen Waldgebietes, heißt es in einer Mitteilung des Forstamtes. „Ein Tunnel in offener Bauweise führt während der Bauphase zu einer jahrelangen offenen Wunde“, heißt es dort unter anderem.

Man rechne damit, dass sich die Waldbestände nach einem solchen Bauvorhaben nicht mehr regenerieren können. „Ein schnelles Absterben und Auflösen der beidseitig angerissenen Bestände ist zu erwarten“, heißt es weiterhin. Damit geht der Streit um das ehrgeizige Projekt in eine neue Runde. Der Bau der neuen Bahntrasse zwischen Frankfurt und Mannheim ist eine langwierige Angelegenheit, bei der es ohnehin viele Hürden zu überwinden gilt.

Anfang Dezember hatte die Bahn mitgeteilt, dass die neue ICE-Strecke in einem offenen Tunnel durch den Forst führen soll. Damit gab das Unternehmen dieser Bauweise den Vorzug vor der sogenannten Konsenstrasse, nämlich der von den Kommunen des Kreises Bergstraße geforderten Bündelung der Schienen mit den Autobahnen.

Diese Variante sei problematisch, da sie einen Eingriff in besonders geschützte Naturareale darstelle, argumentierte die Bahn im Dezember.

Tier- und Pflanzenarten bedroht

Die nun vom Forstamt scharf kritisierte Idee, eine diagonale Trasse in einem Tunnel durch den Wald zu bauen, sei für Mensch und Umwelt am verträglichsten, hieß es damals von der Bahn. Ironischerweise geht die Argumentation des Lampertheimer Forstamtes in die entgegengesetzte Richtung. Bei einer solchen Trassenführung durch „das Herz dieses Waldgebietes“ drohten daher insgesamt erhebliche, bisher nicht ausreichend berücksichtigte Umweltauswirkungen. Diese stellten die Tragfähigkeit der Waldökosysteme in dem betroffenen Gebiet grundsätzlich in Frage, heißt es weiterhin.

„Dieser Naturraum dient als klimatischer Ausgleichsraum für die umliegenden Siedlungsflächen, als Wasserschutzwald, als bedeutsames Erholungsgebiet für die in der Region lebenden Menschen und als wichtiges Rückzugsgebiet für bedrohte Tier- und Pflanzenarten“, schreiben die Experten aus dem Forstamt. Durch die Trasse sei beispielsweise mit erheblichen Beeinträchtigungen für die Vogelwelt zu rechnen.

Eine Sprecherin der Bahn betonte, die von der Bahn im Dezember vorgestellte Tunnelvariante zwischen Lorsch und Mannheim sei aus Sicht der Umweltgutachter der Bahn die verträglichste Variante. Mit ihrer Umsetzung werde unter anderem am wenigsten Wald gerodet. „Insgesamt haben die Gutachter acht Varianten zwischen Lorsch und Mannheim umweltfachlich bewertet“, teilte sie weiterhin mit. Unabhängig davon werde die Bahn die Stellungnahme des Forstamtes selbstverständlich prüfen.

Darin heißt es sogar, es sei der Verlust wichtiger Waldfunktionen zu befürchten, etwa in den Bereichen Klima- und Wasserschutz. Auch beim Immissions- und Lärmschutz drohten für die Stadt Lampertheim und das Land Hessen „derzeit nicht absehbare Vermögensschäden“.

Störmer stimmt dem Forstamt zu

Lampertheims Bürgermeister Gottfried Störmer teilt die Position des Forstamtes und wirbt weiterhin für die Konsensstrecke, also die Bündelung der Schienen mit den Autobahnen. Dies müsse so umweltverträglich wie möglich geschehen. „Wir haben in dem Wald immer noch mit den Folgen der Trockenheit und den Sturmschäden von 2014 zu kämpfen. Eine weitere Zerstörung wäre daher wirklich problematisch“, warnte der Rathauschef.

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