Lampertheim

Heimatmuseum Auftakt der Mundartabende mit Gedichten und Sketchen / Auch Nachwuchsdarsteller aktiv

„Was war’s frieher so schee“

Archivartikel

Lampertheim.Die Mitglieder des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Brauchtum zu pflegen. Dazu gehören die Mundartabende im Hof des Heimatmuseums, die einst aus dem Heimatkundlichen Seminar hervorgingen. „Vor 43 Jahren wurde der erste Mundartabend gefeiert“, so die Vereinsvorsitzende und Gesamtleiterin Margit Karb am diesjährigen Premiere-Abend.

Sie gab das humorvolle Gereimte „De Frankforter Dokda“ ihres Vaters Heinrich F. Karb zum Besten. Die Diagnose: „De Hannes schläft nachts nit oi.“ Weil das kein Zustand ist, soll der angebliche Doktor helfen. Die Pointe ist: „Vum Dokda griggta Drobbe ins Wassaglas unn de Hannes pennt.“ Werner Gärtner ist als Bühnenbauer bekannt, nun stand er das erste Mal im Rampenlicht. Er trug Willi Bocks „Mäckelscha“ vor. In der Geschichte geht es um die kleinen und großen Macken der Leute. Heinz „Clever“ Eichenauer, der talentierte Schreiberling setzte sich seine Schiebermütze auf, outete sich als alter Rentner und hing früheren Zeiten in Platt nach: „Früher hoschte noch Pferdefuhrwerke gseh, heit blouß noch 20 Tonner Lkw , ich heb früher noch Knoddel gelese un stand mit zwee Füß noch ganz stramm am Trese.“ Fazit: „Ehr Leit was war´s frieher in Lamberde so schee.“

Ausgebuchte Rentner

Auch Heiner Weppelmann, der Regie im Hauptstück führt, ist ein Muddasprooch-Autor. In seinen Versen war zu erfahren, dass mancher denke, Rentner hätten viel Zeit. Wie für einen Spaziergang über den Biedensand oder für einen Fahrradausflug durch den Wald. Dabei seien Pensionäre ausgebucht. Vor allem setze er sich zum Arzt ins Wartezimmer rein, der Tag könne nicht schöner sein. Den Satz hatte Heiner Weppelmann dem Haupt-Bühnenwerk „Blutdruck 170“ zugedacht.

Doch bevor die erwachsenen „Schauschbeela“ zum Zuge kamen, eroberten die Nachwuchsdarsteller mit dem Sketch „Die Kerlscha aus Nochbars Gaade“, verfasst von Hugo Karb, die Bühne. Darin wollen die Kids eine Bande gründen und treffen sich am Sedanplatz. Sie vereinbaren unter sich: „Kohn Streit, kohn Hass inn de Päidasgass.“ Dann verwandelte sich die Bühne in ein Wartezimmer. Immer mehr Patienten nahmen Platz. Wie es sich herausstellte, sind einige von ihnen Dauergäste. Sie schienen Langeweile zu haben. Die Frauen führten sich auf, als seien sie beim Kaffeeklatsch. Sie tratschten und lästerten.

Luis (Silvia Hoffinger) war stolz darauf, die erste Patientin zu sein. Zu ihr gesellten sich Hannche (Doris Schmidt) und Bettche (Marion Justen). Frau Heß (Angelika Kessler) verbrachte durch ihre Blasenentzündung mehr Zeit auf der Toilette. Hannes (Patrick Rupp) hatte rheumatische Beschwerden und die Fußballspieler Philp (Stefan Weis), Lui (Florian Weppelmann) und Schorsch (Sascha Hartnagel) kamen mit Sportverletzungen in die Praxis. Die Sprechstundenhilfe Klara (Margit Karb) ging dem praktizierenden Arzt Dr. Klein (Karl-Heinz Hoffinger) zur Hand. Ein allgemeines Strahlen ging durch den Raum als Angelo (Peter Medert) eintrat. Die Zuschauer amüsierten sich über sein schnuckeliges Aussehen und über seine italienischen Ausdrücke.

Weil das fiktive Stück in den 1970er Jahren spielt, hatten die Verantwortlichen für die Mimen dementsprechende Kleidung herausgesucht und viele der Darsteller trugen Perücken und waren durch die Haarpracht kaum zu erkennen. Am Schluss waren alle Mitwirkenden auf der Bühne vereint. Peter Medert stimmte mit der Gitarre das Lampertheimer Lied an und die Spieler stimmten ein.

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