Lampertheim

Altrhein Lampertheimer Verwaltung betrachtet Übernahme durch die Stadt skeptisch

Weg mit „erheblichen Risiken“

Archivartikel

Lampertheim.Die Bedingungen für eine Entschlammung des Lampertheimer Altrheins werden immer konkreter. Dies ist das Ergebnis eines Sachstandsberichts, den die Verwaltung dem Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschuss in seiner Sitzung diese Woche vorlegen wird. Mit der Klärung der Ausgangslage wächst, zumindest im Lampertheimer Rathaus, allerdings auch die Skepsis.

Die Ausgangslage: Der Lampertheimer Altrhein gehört zwischen Kilometer 2,6 und 4,7 dem Bund. Er ist als Nebenwasserstraße der Unterhaltungsklasse 0 ausgewiesen. Hieraus ergibt sich keine Verpflichtung des Bundes zur Instandhaltung des Altrheins. Nach Gesprächen mit dem Bundesverkehrsministerium 2018 zeichnete sich für die Stadt aber eine Lösung ab: die Übernahme der Wasserstraße. Und das unter der Voraussetzung, dass sich der Bund zur Hälfte an den Kosten für die Bau- und Planungsleistungen beteiligt.

Doch beim Blick ins Detail tauchen dann auch schon die Schwierigkeiten auf. So hat das Ministerium offensichtlich deutlich gemacht, dass eine von der Stadt beabsichtigte Tieferlegung der Gewässersohle um einen bis zwei Meter über eine Gesamtbreite von 100 Metern des Abschnitts finanziell nicht realisierbar sei. Daraufhin entwickelte der Lampertheimer Projektbeirat mit Akteuren, die sich für eine Entschlammung des Altrheins einsetzen, eine Alternativlösung: die Teilentschlammung des Altrheins.

Diese sieht laut Mitteilung der Stadtverwaltung vor, dass lediglich die Regattastrecke zwischen dem Domizil des Wassersportvereins und dem des Kanu-Clubs auf einer Breite von 60 Metern um zwei Meter tiefer gelegt wird. Im Abschnitt zwischen Wassersportverein und Fretter Loch solle überdies eine Fahrrinne angelegt werden. Diese Alternative würde unterm Strich bedeuten: geringeres Schlammvolumen, weniger Kosten. Sie wurde so auch als Titel im Bundeshaushalt vermerkt.

Nun wäre aus Sicht der Lampertheimer Verwaltung durch die politischen Gremien eine Grundsatzentscheidung zu treffen, ob die Stadt den Altrhein nach der gemeinsam mit dem Bund zu finanzierenden Teilentschlammung in ihr Eigentum übernehmen soll. Wäre die Stadt also etwa in der Lage, die nötigen Finanzmittel für diese vorherige Teilentschlammung bereitzustellen? Und: Könnte die Stadt die Unterhaltsverpflichtungen, die aus der Übernahme des Gewässers resultieren, übernehmen?

Eigentum verpflichtet

Welche konkreten Verpflichtungen würden sich überhaupt daraus ergeben? Die Verwaltung nennt in ihrer Mitteilungsvorlage zum Bauausschuss etwa die Sicherung und Überwachung des Schiffsverkehrs, die Sicherung und und Unterhaltung der Uferböschungen, die Entfernung von Treibgut, Einsätze bei Hochwasserlagen oder die Unterhaltung der Bootsstege. Auch stünden Maßnahmen, die sich aus der EU-Wasserrahmenrichtlinie ergeben, in der Verantwortung der Stadt Lampertheim. Zur Klärung dieser Grundsatzfrage empfiehlt die Verwaltung eine ingenieurtechnische Untersuchung.

Im Papier wird auch darauf hingewiesen, dass 60 Prozent der Baggermassen stark mit Schadstoffen belastet seien. Dies bedeute: Auch bei künftigen – dann in Verantwortung der Stadt liegenden – Entschlammungen würden am Altrhein „kostenintensive Entsorgungsmaßnahmen“ erforderlich.

Zudem hätten bei den bisherigen Ausbaggerungen die angestrebten Tiefen und Breiten der Fahrrinnen nur teilweise und „nur unter großen Schwierigkeiten“ erreicht werden können. Denn durch die hohe Mobilität der Sedimente rutsche permanent Erde nach. Eine Teilentschlammung mit Regattastrecke und Fahrrinne sei unter diesen Bedingungen „kaum realisierbar“. Die Beständigkeit solcher Maßnahmen stehe damit infrage.

Die Verwaltung zieht deshalb ein kritisches Zwischenfazit: Der Weg, wie er sich nach den Gesprächen mit dem Bundesverkehrsministerium abzeichnet, sei mit „erheblichen Risiken“ behaftet.

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