Lampertheim

Diamantene Hochzeit Inge und Hermann Möller aus Hüttenfeld

Weit voneinander entfernt Gleiches erlebt

Hüttenfeld.Ihre Kindheit war geprägt von Krieg, Vertreibung und Heimatlosigkeit. Sie haben früh Angehörige verloren oder sind bei Verwandten groß geworden – doch unterkriegen lassen haben sich Inge und Hermann Möller davon nie. In ihrem Schicksal waren sie gewissermaßen vereint, über viele Umwege fanden sie nach Hüttenfeld. Vor 60 Jahren gaben sie sich hier das Ja-Wort.

Dass es sie einmal in das kleine Dorf in Südhessen verschlagen würde, das hätten sie wohl selbst nie für möglich gehalten. Heute aber sind die Eheleute waschechte „Hittemer“. Nach 60 Jahren erscheint ihre Liebe wie eine Schicksalsfügung. Denn ihre beschwerlichen Wege nach Hüttenfeld glichen beide einer Odysee und bieten Stoff für zwei eigene Geschichten.

Kurz vor und während des Kriegs wuchsen die heute 78-Jährige und der 83-Jährige weit entfernt voneinander auf. Er im westpreußischen Succase, einem kleinen Fischerdorf an der Nordküste des heutigen Polen. Sie kam im Sudetenland zur Welt, bereits im Alter von drei Jahren wurde ihre Familie gegen Ende des Kriegs vertrieben. Über eine Zwischenstation in Hemsbach ging es mit dem Kohlwagen nach Franken. Dort wuchs sie bei Tante und Onkel auf, bis sie mit elf Jahren nach Südhessen kam. Nach der Krankheit und dem Tod ihrer Mutter war sie früh auf sich allein gestellt.

Gearbeitet und gewohnt hat sie unter der Woche in Lorsch, am Wochenende kam sie bei ihrer Schwester in Hüttenfeld unter. In die Berufsschule nach Bensheim ging es bei Wind und Wetter mit dem Rad. Auch fünf Buben konnten das einzige Lehrmädchen zur kaufmännischen Angestellten nicht einschüchtern. „Ich musste schon immer die Ohren steif halten“, erinnert sich Inge. Das musste auch ihr Mann. In den Wirren der Nachkriegszeit wurde seine Familie von Polen und Russen vertrieben, über die Insel Rügen, wo seine Großeltern an Unterernährung starben, gelangte er in die russische Zone des Deutschen Reichs. Mit zehn Jahren kam Hermann in Hüttenfeld an. „Wir haben weit entfernt voneinander Gleiches erlebt“, so die Eheleute.

Vielleicht trug auch das dazu bei, dass sie sofort einen Draht zueinander hatten. Kennen gelernt haben sie sich im Rebstock – „beim Delpe Fritz“ –, geheiratet wurde acht Tage nach Inges 18. Geburtstag. Später kamen ihr Sohn Dieter und Tochter Britta zur Welt, inzwischen haben sie fünf Enkel und ein Urenkel. ksm

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