Lampertheim

Statistik Polizei empfiehlt Wildzaun zwischen Hüttenfeld und Viernheim / Im Kreis verunglücken acht Motorradfahrer tödlich

Weniger Unfälle, aber mehr verletzte Menschen

Archivartikel

Lampertheim/Ried.Die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich der Polizeistation Lampertheim-Viernheim ist im vergangenen Jahr gesunken. Damit liegt die hiesige Statistik im Trend, denn auch im gesamten Kreis Bergstraße und im Bereich des Polizeipräsidiums Südhessen sind die Unfallzahlen rückläufig. Allerdings ist die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten im hiesigen Gebiet im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Ein Toter war zu beklagen. Dies geht aus der Verkehrsunfallstatistik hervor, die auch die Zahlen für Lampertheim, Bürstadt, Biblis, Groß-Rohrheim und Viernheim ausweist.

Der tödliche Unfall ereignete sich Anfang Oktober vergangenen Jahres auf der L 3261 in Biblis. Ein 54 Jahre alter Autofahrer aus Biblis hatte an der Einmündung der Kraftwerkstraße zur Landesstraße die Vorfahrt eines 70-jährigen Motorradfahrers aus Darmstadt missachtet. Der wurde bei dem Unfall schwer verletzt und verstarb später im Krankenhaus.

Generell registrierte die Polizei im ganzen Kreisgebiet einen Anstieg der tödlichen Motorradunfälle. Dies sei im vergangenen Jahr auf das langanhaltend schöne Sommerwetter zurückzuführen, das zu vielen Motorrad-Ausfahrten einlud – allzu oft mit schlimmem Ausgang. Von den insgesamt acht Verkehrstoten im Kreis Bergstraße waren sechs Motorradfahrer. Einer davon der Darmstädter, der aber an seinem Unglück definitiv keine Schuld hatte. Das macht Polizeihauptkommissar Jörn Metzler, Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeidirektion Bergstraße, im Gespräch mit dem Südhessen Morgen deutlich.

Während im Kreis die Zahl der Schwerverletzten von 183 im Jahr 2017 auf 166 in 2018 gesunken ist, stieg sie im Zuständigkeitsbereich der hiesigen Polizei an. In Lampertheim, Bürstadt, Biblis, Groß-Rohrheim und Viernheim wurden im vergangenen Jahr 66 Verkehrsteilnehmer schwer verletzt. 2017 hatte es 55 Schwerverletzte gegeben. 339 Verkehrsteilnehmer wurden 2018 leicht verletzt, 2017 waren es 307.

Weniger Wildunfälle in der Region

Rückläufig ist die Zahl der Wildunfälle – zumindest im Ried. Im Bereich Lampertheim, Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim gab es 2018 95 Wildunfälle, 2017 waren es noch 126 gewesen. Kritisch bleibt allerdings die L 3111 zwischen Hüttenfeld und Viernheim. Hier hat sich die Zahl der Wildunfälle im vergangenen Jahr wieder mehr als verdoppelt: von 20 in 2017 auf 42 in 2018. „Diese Strecke ist nach wie ein Brennpunkt“, sagt Metzler. Obwohl schon vor einigen Jahren die erlaubte Geschwindigkeit in diesem Bereich deutlich gedrosselt und der Wildbestand durch mehrere Treibjagden dezimiert wurde, käme es hier doch noch immer gehäuft zu Unfällen wegen des Wildwechsels über die Fahrbahn.

„Ein Wildzaun würde sicher helfen“, sagt Metzler. Über den wurde in der Vergangenheit auch schon mehrfach beraten – es gab Runde Tische, an denen Vertreter der Kommunen, des Landes, des Forstes, der Jagdpächter und der Polizei gemeinsam die Situation besprochen haben. Doch ein Zaun sei bisher vor allem an der Kostenfrage gescheitert.

Deutlich gestiegen ist in Lampertheim, Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim auch die Zahl der Unfallfluchten – von 327 in 2017 auf 445 im vergangenen Jahr. Meistens sind die Unfallfluchten sogenannte Parkplatzrempler, die von den Verursachern nicht gemeldet, wohl aber von den Geschädigten angezeigt werden. „Das passiert meist auf Parkplätzen von Einkaufszentren und bei Großveranstaltungen. Viele Parkplätze sind inzwischen einfach zu eng für die Ausmaße heutiger Autos“, so Metzler. „Viele denken, das sei ein Kavaliersdelikt, das man nicht melden müsse“, weiß der Polizeihauptkommissar und macht klar, dass das natürlich nicht der Fall ist.

Im Vorjahresvergleich gestiegen sind – zumindest in Lampertheim, Bürstadt und Viernheim – auch die Unfälle, an denen Radfahrer- und/oder Fußgänger beteiligt waren. Dies führt Metzler ebenfalls auf das langanhaltend schöne Wetter zurück. „Da waren viele Radler unterwegs.“ Aus Sicht der Polizei sei es deshalb wichtig, die Situation der Radfahrer in den Blick zu nehmen – so wie es derzeit mit der Erarbeitung eines Radwegekonzepts im Kreis geschieht. „Viele Verkehrswege müssten ausgebaut und verbessert werden“, so der Polizeihauptkommissar. Wichtig sei auch, dass Radler einen Helm tragen. „Der schützt vor schlimmeren Verletzungen.“ Und außerdem sei es wichtig, dass Radfahrer darauf achten, dass ihre Vehikel verkehrssicher sind. „Radfahrer sind nicht immer unschuldig, wenn es kracht. Oft fahren sie nicht auf den benutzungspflichtigen Radwegen, sondern lieber auf der Straße“, weiß Metzler.

Problem: Handy am Steuer

Bei den Unfallursachen ist Ablenkung ein großes Thema. Hier nennt Metzler das Handy als einen Hauptfaktor, der bei vielen Unfällen als Ursache zumindest im Verdacht stehen müsse. „Wenn wir nichts anderes zu tun hätten, könnten wir jeden Tag viele Verkehrsteilnehmer rausfischen, die gerade am Handy sind“, sagt Metzler. Wer mit Handy am Steuer erwischt wird, muss mit einer Strafe von mindestens 100 Euro und einem Punkt im Verkehrszentralregister in Flensburg rechnen.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional