Lampertheim

Verkehr In Lampertheim gibt es wenig Stellplätze für Menschen, die mit dem Rollstuhl unterwegs sind / Stadt sucht nach Lösungen

Wenn der Parkplatz zu klein ist

Archivartikel

Lampertheim.Die Botschaft ist provokant, aber aus Sicht von Petra Brandt mehr als berichtigt: „Sie haben meinen Parkplatz! Wollen Sie auch meine Behinderung?!“, heißt es auf den kleinen „Denkzetteln“, die der Behindertenbeirat mittlerweile in Umlauf bringt. „Es ist sinnvoll, diese Botschaft an Autos zu heften, die auf Behindertenparkplätzen abgestellt sind“, sagt Brandt, die Vorsitzende des Gremiums.

Nach Angaben von Bürgermeister Gottfried Störmer achten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes zwar besonders auf solche Fälle und verteilten auch entsprechend viele Strafzettel. Am Verhalten der Autofahrer ändert das aus Sicht von Petra Brandt aber bisher nur in geringem Umfang etwas. Ihren Angaben im Sozialausschuss am Donnerstag zufolge, sei es in Lampertheim „gang und gäbe“, dass Fahrzeuge auf den teilweise deutlich gekennzeichneten Parkplätzen abgestellt werden.

Mit Blick auf behinderte Autofahrer, die womöglich umständlich einen Rollstuhl aus dem Wagen holen müssten, sei dies eine Rücksichtslosigkeit. „Für die betroffenen Verkehrsteilnehmer ist es schlicht nicht möglich, eine herkömmliche Parklücke zu nutzen“, sagt Brandt. Dort fehle der nötige Platz für das Aus- und Einladen, fügt die Vorsitzende des Behindertenbeirats hinzu. Auch wenn die gelben Denkzettel in den kommenden Wochen wohl öfter unter die Scheibenwischer renitenter Autofahrer stecken dürften, die Stadt muss aus Sicht des Behindertenbeirats mehr entsprechende Parkplätze in der Stadt einrichten.

DIN-Norm als Maß der Dinge

Das hat die Stadt auch vor, wie ein fast 50 Seiten umfassendes Papier belegt, das aufgrund einer Forderung der sozialliberalen Koalition erstellt wurde. Demnach soll die aktuelle Zahl der 35 öffentlichen Behindertenparkplätzen nach und nach aufgestockt werden. Daneben gibt es 18 Flächen, die für Privatpersonen in der Nähe ihrer Wohnungen reserviert sind. Aus dem Papier der Stadt geht hervor, das neue öffentliche Stellplätze vor der Neuen Schulstraße 9, bei der Zehntscheune und vor der St-Andreas-Kirche in der Römerstraße angelegt werden sollen.

Dafür ist es höchste Zeit. Mit Blick auf die Gesamtzahl der Stellplätze liegt der Anteil der Parkflächen für Behinderte im niedrigen einstelligen Bereich, wie Rathauschef Störmer sagt. Daher sollen entsprechende Arbeiten noch in diesem Jahr über die Bühne gehen. „Das ist uns in Lampertheim auch wichtig“, hebt Störmer hervor.

Schön und gut, sagt Petra Brandt. Aber die Vorsitzende des Behindertenbeirats beharrt darauf, dass die entsprechenden Parkflächen auch der DIN-Norm entsprechen, die eine Mindestbreite von 3,50 Meter vorsieht. Dies erst würde Behinderten garantieren, dass sie ohne Schwierigkeiten aus- und einsteigen können. Gekennzeichnet sind die Parkplätze mit blauer Farbe und einem weißen Symbol auf dem Asphalt.

Wie Störmer sagt, ist aber nicht überall Platz für diese Stellplätze. Tatsächlich entsprechen gerade einmal 17 der 35 öffentlichen Parkflächen für Behinderte der empfohlenen Norm. Die Alternative wäre, ausschließlich Behindertenparkplätze auszuweisen, die der DIN-Norm entsprechen. Dies sei allerdings an vielen Orten in der Innenstadt nicht der Fall, sagt der Bürgermeister. „Auf der anderen Seite wäre es auch nicht sinnvoll, Parkplätze weitab der Innenstadt oder fern der Arztpraxen anzulegen, nur weil dort die Flächen der DIN-Norm entsprechen“, argumentiert der Lampertheimer Rathauschef.

Vielmehr müsse die Aufgabe pragmatisch angegangen werden. Besser sei es daher, die begehrten Parkplätze an den passenden Orten anzulegen, auch wenn dann einige Zentimeter für die optimale Größe fehlten. „Beispielsweise in der Nähe von Arztpraxen und in der Innenstadt bietet sich uns oftmals nur die Möglichkeit, einen Parkplatz auf dem Gehweg für eingeschränkte Autofahrer einzurichten“, erklärt Störmer das Dilemma. Ein solcher Parkplatz sei dennoch hilfreich. Auch wenn die empfohlene Breite von 3,50 Metern um einige Zentimeter unterschritten werde. „Sollen wir deshalb auf diesen Platz verzichten?“, fragt der Bürgermeister.

Auch das werde den Autofahrern mit einer Behinderung nicht gerecht, gibt er zu bedenken. Zudem sei nicht gesagt, dass jeder Inhaber eines Behindertenparkausweises auch tatsächlich eine massive Gehbehinderung habe.

Mehr als 400 Personen betroffen

Aus Sicht von Petra Brandt ist diese Aussage fragwürdig. Wie sie sagt, seien etwa 90 Prozent der Inhaber eines Parkausweises mit dem Vermerk „AG“, also „Außergewöhnliche Gehbehinderung“ mit dem Rollstuhl unterwegs und damit auf viel Platz rund um den geparkten Wagen angewiesen. Laut einer Statistik vom April 2019 betreffe das 413 Personen in Lampertheim und den Stadtteilen. Das für die Betroffenen lediglich 17 Parkflächen mit ausreichendem Platz vorhanden sind, sei viel zu wenig. „Dass nicht immer ausreichend Platz vorhanden ist, mag sein“, räumt Brandt ein. Aber dort, wo dies nicht der Fall ist, müsste die Stadtverwaltung zumindest konsequent Hindernisse wie beispielsweise Verkehrsschilder oder Blumenkübel versetzen lassen. Dies sei bisher leider nicht der Fall gewesen.

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