Lampertheim

Wenn der Spaß aufhört

Archivartikel

Es heißt, Fasching sei die ernsteste Sache der Welt. Das mag stimmen, wenn man hinter die Kulissen des organisierten Humors blickt. Auch vergeht jenen deftigen Zoten und schlüpfrigen Witzen abholden Zeitgenossen der Spaß, sobald sich grell gewandete Clowns in unermüdlichen Endreimen über das Menschlich-Allzumenschliche dieser Zeiten auslassen. Da vermisst man zuweilen Loriotschen Witz feinster Prägung und empfindet das Draufhauen in der Bütt als derb, wenn nicht geschmacklos.

Doch der Karneval lebt nun einmal von Übertreibungen und von Dreistigkeiten, die die Regeln von Anstand und Höflichkeit strapazieren. Eine Büttenrede ist kein ziseliertes Satire-Gebilde, sondern ein Keil, den ein Redner auf einen groben Klotz schlägt. Nur einmal im Jahr, dann nämlich, wenn Karneval ist, sind solche verbalen Ausfälle erlaubt, wenn nicht erwünscht. Das hat durchaus psychosoziale Entlastungsfunktionen – lieber mal in der Bütt die Sau rauslassen, als dem Nächsten die Faust ins Gesicht schlagen.

Allerdings schlägt zuweilen selbst die Fastnacht über die Stränge, wie jetzt in Lampertheim zu erleben war. Karnevalisten des Turnvereins haben den lästernden Stil des Hofheimer Tills als unerhört empfunden, da dieser sich der Rhetorik einer unrühmlichen deutschen Epoche bedient habe. In seiner Replik las der Lampertheimer Protokoller dem Hofheimer Till die Leviten und zahlte diesem mit gleicher Münze heim. Daraufhin suchten die Hofheimer das Weite. Auch im Karneval gibt es offenbar einen Punkt, an dem der Spaß aufhört. Für die einen kommt der Punkt früher, für andere später. Und selbst Humor-Profis wie die Fastnachter verstehen nicht jeden Spaß. Schon gar nicht, wenn die Pointen auf ihre Kosten gehen.

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