Lampertheim

Musiker-Initiative Im Hof des Lampertheimer Heimatmuseums wird ein Irish Pub eröffnet / Open-Air-Konzert mit rund 200 Zuhörern restlos ausverkauft

Whiskey – nicht nur für den alten Seefahrer

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Ein echtes Red-Ale Bier in der Hand, einen Trinkspruch auf den Lippen und Menschen mit dem Herz am rechten Fleck – so stellt man sich einen feucht-fröhlichen Abend im tiefsten Irland vor. Mit einem Freiluftkonzert im Heimatmuseum hat die Musiker-Initiative-Lampertheim (MIL) ein Stückchen Irland mitten in die Spargelstadt geholt. Wimpel und Fahnen in den Landesfarben grün, weiß und orange schmückten den urigen Hof, das typisch rot-braune Ale und schwarzes Stout-Bier gingen literweise über die Theke. Als dann noch „The Drunken Sailor“ durch den Hof schallte und der Sänger nach „drei Kilkenny und 15 Whiskey“ verlangte, war die Kulisse perfekt.

„Schließen Sie die Augen, dann können sie die grünen Hügel schon sehen“, forderte Frontmann Heiko Persson sein Publikum auf, als er mit „Marie’s Wedding“ von „The High Kings“ die Landschaft der Atlantikinsel besang. Dabei, so der Sänger, habe das Wetter in Lampertheim so gar nichts mit einem irischen Abend zu tun. „Angenehme 25 Grad, wolkenlos, Abendrot – in Irland gibt’s das auch. Einmal in drei Jahren“, witzelte er. Heiko Persson muss es wissen. Der Projektleiter der neunköpfigen Formation hat immerhin fast drei Jahre auf der grünen Insel gelebt, hat es sich seitdem zur Aufgabe gemacht, Botschafter des Landes und der Menschen am westlichsten Rand von Europa zu sein. Statt Schmuddelwetters habe er aber lieber die gute Laune und die Herzlichkeit dieses „lustigen und sympathischen Volkes“ mitgebracht. Darüber waren die rund 200 Zuhörer – das Heimatmuseum war restlos ausverkauft – auch froh.

„Wir machen das Heimatmuseum zu einem Irish Pub“, hatte Persson zu Beginn angekündigt und gab dazu „The Irish Pub“ (High Kings) zum Besten. Die Formation spielte ausschließlich Stücke irischer Sänger, Songwriter oder Bands. Dabei griff sie weniger auf traditionelle Volksmusik zurück als auf aktuellen Pop, Rock, Disco und Folk.

Den Auftakt machten die Stücke „Pride“ und „This is a Rebel Song“ von U2 und Sinead O’Connor. Dazwischen schmetterten die Musiker fast so viele Trinksprüche wie Lieder. „Es gibt zwei Sorten von Menschen: Die Iren und die, die es gerne wären“, prostete die Band dem Publikum zu. An diesem Abend war tatsächlich fast jeder Besucher ein bisschen irisch. Denn die Musiker schafften es, Lebensfreude, Gemeinschaft und Herzlichkeit aufs Publikum zu übertragen – obwohl ein Großteil bei vielen Liedern kaum mitsingen konnte.

Als dann aber das traditionelle Shanty vom betrunkenen Seemann oder „The Drunk Scotsman“ ertönte, schunkelten alle mit. Besonders der irische Akzent Perssons versetzte Zuhörer zurück nach Irland. Beinahe erwartete man einen raubeinigen Seefahrer, der trunken die Spelunke betritt und Getränke ordert. Das übernahm die Band selbst. „Herbert! Noch ein Bier!“, schallte es von der Bühne. MIL-Mitglied Herbert Kunzmann eilte fleißig umher und sorgte für Nachschub. Dazu hatte die MIL auch eine Whiskey-Bar angeheuert. „Robby“ von „the mash tun“ aus Büttelborn schenkte dort landestypische Getränke aus.

Da befürchtete Gitarrist Matthias Klöpsch schon: „Wenn das so weiter geht, braucht ihr im zweiten Teil nen‘ neuen Mann“. Klöpsch hielt selbstverständlich durch – und Lampertheim hat wohl doch einen Irish Pub. Zumindest für einmal.

Auf Bühne standen: Heiko Persson, Louisa Yalden, Chiara Metzner, Christian Salis, Matthias Klöpsch, Patrick Embach, Stefan Knust, Ulf Wittenberg und Hans-Jürgen Götz.

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