Lampertheim

Gastronomie Mit viel Energie und Aufwand stemmen sich Betreiber von Gaststätten und Restaurants weiter gegen die Krise

Wirte dankbar für Vertrauen

Archivartikel

Lampertheim.Lucas Richter sitzt mit Mund- und Nasenschutz am frühen Abend an der Theke des Gasthauses „Zur Krone“ und wartet auf das Essen, das er für seine Mutter mit nach Hause nehmen möchte. Auch Daniel Radatz ist in den Gastraum gekommen, um für seine Familie die vorbestellten Portionen Schweinelende abzuholen. „Hier bekommt man gute Hausmannskost“, lobt Radatz. Wenn die Familie Heißhunger habe, greife er deshalb schon mal zum Telefon und bestelle die deftigen Speisen beim Personal der „Krone“. Im Biergarten kehren ebenfalls Gäste ein, bestellen Getränke und ihre Wunschgerichte. Während Servicekraft Dilara Sahin die Bestellungen aufnimmt, kocht und brutzelt das Gastwirtspaar Beate und Dieter Legleiter schon emsig in der Küche. Also alles in Butter, könnte man meinen. Doch Beate Legleiter klärt auf: „Die Gäste kommen verhalten, trotz Biergartenwetter.“

Sie hat auch eine Vermutung, warum das so ist. Ältere Menschen, glaubt Legleiter, seien verunsichert und verängstigt, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Bei manchen Leuten sei auch das Geld knapp, zum Beispiel wegen Kurzarbeit. Andere befürchteten, arbeitslos zu werden.

Die Chefin begrüßt es, dass Restaurants wieder öffnen dürfen, weist aber darauf hin, dass die Gastronomen bei deutlich geringerer Auslastung als üblich arbeiten müssten. Dies führe zwangsläufig zu finanziellen Verlusten. Denn es müssen Abstandsregelungen und Hygienerichtlinien eingehalten werden, um die Sicherheit von Gästen und Personal zu gewährleisten. Hinzu komme der Aufwand für die Registrierung von Gästedaten. „Dazu kommt noch das regelmäßige Desinfizieren der Kontakt- und Arbeitsflächen“, ergänzt die Wirtin.

Hoffnungen ruhen auf der „Kerwe“

Im Gasthaus „Zur Krone“ muss das Personal Kurzarbeit hinnehmen. Die Legleiters hatten außerdem einen Zuschuss aus einem Corona-Soforthilfeprogramm beantragt und erhalten. Nun ruhen große Hoffnungen auf der Lampertheimer Kerwe, die am zweiten Wochenende im September auf Initiative des Wirtschafts- und Verkehrsverein in einem kleinen, dezenten Rahmen stattfinden soll (diese Zeitung berichtete). Dann soll Krone-Kerweborscht Steffen Götz am Kerwesonntag wieder den Kerwekranz aufhängen. „Wir müssen die Leute ins Lokal locken“, sagt Beate Legleiter. Die Wirtsleute betonen, dass sie ihren Gästen für ihr Vertrauen sehr dankbar seien, gerade den Besuchern, die derzeit kommen, denn in der schwierigen Zeit seien die Gastronomen darauf angewiesen.

„Wir haben die Corona-Pandemie gut überstanden“, berichtet Mario Murgia, der das „Quattro Mori“ in Neuschloß zusammen mit seinem Bruder Massimo bewirtschaftet. Massimo Murgia ist Inhaber des Restaurants. Beide sind froh, dass sie in den vergangenen Monaten gut über die Runden gekommen sind. Zuerst mit einem Abhol- und Lieferservice. „Dafür sind wir auch dankbar“, betont Mario Murgia. „Aber durch die Vollsperrung der Landesstraße 3110 bleiben nun viele Stammkunden weg.“ Gerade ältere Menschen aus der Innenstadt machten sich nicht zum Essen mit dem Fahrrad nach Neuschloß auf, ist er sich sicher. Seine Mitarbeiter müssten zwangsläufig den Umweg über Lorsch in Kauf nehmen. „Wir schließen ab 27. Juli für drei Wochen, aber liefern trotzdem Speisen aus“, kündigt Mario Murgia an.

„Wir haben viele Gäste, aber wenig Plätze“, bedauert hingegen Nunzio Cirami. Der Ansturm auf das „Arlecchino“ nach der Corona-Pandemie sei riesig, viele Menschen wollten die Italiener unterstützen. Nur könnten die Gastronomen wegen der Einhaltung des Mindestabstandes so vielen Besuchern auf einmal keinen Platz anbieten. Einige Gäste hätten bereits auf einen anderen Tag vertröstet werden müssen.

Angst vor dem Herbst

„Im Sommer können wir noch auf den Außenbereich ausweichen“, sagt Aliki Kelepouri, Chefin des griechischen Restaurants „Stadt Athen“. Sie ist der Meinung, man solle das Coronavirus nicht unterschätzen und hat Angst vor dem Herbst. Kelepouri hofft, dass die Pandemie dann nicht erneut ausbricht.

Auch das Restaurante „La Trattoria-Gusti Italiani“ hat wieder geöffnet. „Der Zulauf an Gästen wird immer besser“, freut sich Chefin Christina Gagliano. Besonders die traditionelle Pizza-Zubereitung locke die Gäste an. Die italienischen Spezialitäten können im Restaurant und im Außenareal verzehrt werden. Außerdem wird ein Außer-Haus-Verkauf angeboten.

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