Lampertheim

Schillerschule Kitas und Schulen treffen sich zum elften Forschertag der Lampertheimer Forscherwerkstätten

Wissenschaft von der Pike auf

LAMPERTHEIM.Ein blauer Luftballon bläst sich über einer Plastikflasche wie von Geisterhand auf. Mit breitem Grinsen verfolgen Lars, Corvin, Mika und Lias das Phänomen. Die Drittklässler haben schließlich den Durchblick, können die großen Augen und fragenden Blicke beantworten. „Man braucht nur etwas Essig und einen Löffel Backpulver“, wissen die Jungs. Und schon blubbert es mächtig in der Flasche. „Es entsteht ein Gas, das heißt Kohlenstoffdioxid“, so die Aufklärung an Eltern und Kinder, die den Versuch neugierig verfolgt haben. Es ist eines von insgesamt 25 naturwissenschaftlichen Experimenten, das Kinder vom Kita-Alter bis zur achten Klasse in der Schillerschule vorführen.

Insgesamt sind 170 Nachwuchsforscher zum elften Forschertag an die Lampertheimer Grundschule gekommen, die in diesem Jahr unter dem Motto „Forschung und Vielfalt“ Ausrichter ist. Empfangen werden sie vom Schulchor unter der Leitung von Claudia Haußmann-Jäger. „Das kannst du auch!“, rufen ihnen die Sänger im Willkommenslied zu. Den Beweis treten die jugen Wissenschaftler anschließend mit ihren Projekten an.

Erfahrungsräume bieten

Während im Erdgeschoss per IPad ferngesteuerte Lego-Roboter über den Tisch fahren und Hindernisse selbstständig erkennen, überprüfen Kinder im ersten Stockwerk den Magnetismus und welche Gegenstände im Wasser schwimmen oder sinken. „Es muss am Anfang gar nicht so sehr wissenschaftlich sein, sondern den Kindern Erfahrungsräume bieten, in denen sie ausprobieren und experimentieren können“, erklärt Sabine Nieter.

Sie ist die Koordinatorin des Lampertheimer Forschernetzwerks, zu dem alle Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen gehören. Da dürfe, wie bei einem zerplatzten Luftballon, auch ruhig mal etwas schief gehen. „Es geht darum, die natürliche kindliche Neugierde zu wecken und wach zu halten – und das nicht erst in der Oberstufe“, macht Goetheschulleiterin Margarete Veltman deutlich.

In der Spargelstadt gelinge das besonders gut. In allen Bildungseinrichtungen hat das Netzwerk Forscherecken und -werkstätten eingerichtet, untereinander werden Materialien ausgetauscht. So lernen Kinder die Naturwissenschaft von der Pike auf kennen und werden auf ihrem Weg Schritt für Schritt begleitet. Die zündende Idee dazu hatte Margarete Veltman schon 2007; sie begründete die Kooperation mit dem damaligen LGL-Schulleiter Jürgen Haist. Aus der Zusammenarbeit der beiden Gütesiegelschulen LGL und Goetheschule wuchs schnell mehr zusammen, mittlerweile sind es alle 15 Kitas, fünf Grund- sowie vier weiterführende Schulen. „Eine Zusammenarbeit, die in dieser Größenordnung bundesweit einzigartig ist“, sagt Sabine Nieter.

Soziale Kompetenzen fördern

Dabei sollen nicht nur wissenschaftliche, sondern auch sprachliche und soziale Kompetenzen gefördert werden. So können die Kita-Kinder schon erklären, dass Magnete nicht aneinander kleben, sondern sich anziehen oder abstoßen. Erlebare Wissenschaft, von der auch Bürgermeister Gottfried Störmer beim Rundgang begeistert ist. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel sei das Netzwerk „gewinnbringend“ für Lampertheim und ein „echter Standortfaktor“.

Das wird auch in der Wirtschaft erkannt: „Mit dem Betrag von über 50 000 Euro haben Unternehmen das Projekt bisher unterstützt“, weiß Bernd Ranko, bei der Stadt zuständig für Familie und Soziales. Damit das auch so bleibt, animiert die erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz die Kids zum Weitermachen: „Die schlauste Frage ist die nach dem Warum. Hört nie auf, sie zu stellen. Selbst wenn eure Eltern oder Lehrer genervt sind!“.

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