Lampertheim

Prävention Schüler besuchen verschiedene Einrichtungen, um Berührungsängste zu überwinden

Wo Hilfe eine Ehrensache ist

Archivartikel

Lampertheim.Verhält sich jemand selbstlos, ist er zuverlässig und tut etwas besonders Cooles, ist er in der Jugendsprache schnell ein „Ehrenmann/-frau“ oder sogar ein „Ehrenbruder“. Tritt er dagegen in ein Fettnäpfchen, wird er entlarvt oder seine Argumentation ausgekontert, wurde ihm die „Ehre genommen“.

Doch was bedeuten Ehre und Respekt tatsächlich? Darüber konnten sich nun Achtklässler mit Polizei-Oberkommissar Dirk Neumann unterhalten. Die Alfred-Delp-Schüler besuchten gemeinsam mit Gleichaltrigen der Hofheimer Nibelungenschule Einrichtungen der Kooperation Lampertheim unter dem Motto „Respekt“.

Die dreitägige Veranstaltung findet in Lampertheim für Hauptschüler seit 1987, für Realschüler seit 2005 statt. An dem Netzwerk arbeiten neben der Jugendförderung beispielsweise auch Einrichtungen wie ProFamilia, die AWO Jugend- und Drogenberatung sowie die Schuldnerberatung und die Jugendgerichtshilfe mit. Ziel der Projektwoche ist es, den Schülern früh die verschiedenen Institutionen nahe zu bringen, ihnen so Vorbehalte gegenüber den Hilfsangeboten zu nehmen. Dazu haben die Schüler zwei Tage mit Mitarbeitern der Einrichtungen verbracht. Die ProFamilia-Gruppe etwa besuchte eine Kletterhalle. „Dort mussten sich Schüler gegenseitig sichern, Ängste überwinden und Freunden vertrauen“, erzählt Organisatorin Silke Reis.

Angebote annehmen

Und die Ehre? „Jeder will sie haben, aber niemand verhält sich auch so“, lautet etwa das Fazit eines Jungen nach dem Besuch bei der Polizei. Bei den Beamten sei es etwa um das Jugendstrafrecht gegangen, erzählt Ahmed. Auch über Kapitalverbrechen oder über illegalen Waffenhandel sei gesprochen worden. Dabei konnten sich die Schüler über Konsequenzen Gedanken machen. „In der Zelle ist wirklich nichts außer einem Bett“, erzählt ein Achtklässler staunend. „Bei der Schuldnerberatung haben wir den Unterschied zwischen Kalt- und Warmmiete gelernt und das ganze mal bei einem Ausbildungsgehalt von 750 Euro durchgerechnet. Da waren nur noch 92 Euro für mich selbst übrig“, sagt ein Junge.

Die Schüler waren bei den Workshops in Gruppen von etwa 12 Kindern aufgeteilt. Wichtig dabei sei es, dass maximal zwei aus derselben Klasse kämen. „Es tut ihnen gut, bei Workshops Gleichaltrige kennenzulernen“, sagt Nikita Girard. Bei der Drogenberatung versucht die Sozialarbeiterin die Jugendlichen für die Risiken des Drogenkonsums zu sensibilisieren. Wie sie sagt, wolle man klar machen, dass „ganz normale Menschen“ zu den Beratungsstellen kommen. Dafür müsse man sich nicht schämen. Und wenn Probleme auftreten, wüssten die Schüler, an wen sie sich wenden können. ksm

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