Lampertheim

Sankt Martin Katholische Gemeinden verwandeln Freigelände in Märchenwald / Zehnminütige Laternenrundgänge im Familienverbund

Zauberhafter Pfarrgarten

Lampertheim.Sankt Martin ritt in dieser Woche nicht durch Schnee und Wind – gänzlich dunkel blieben Lampertheims Straßen aber dennoch nicht. Viele Familien beschworen trotz abgesagter Umzüge mit bunten Laternen den Geist des heiligen Martin von Tours. Die katholische Pfarrgruppe hatte den Pfarrgarten Mariä Verkündigung gar in einen ganz privaten Laternen-Märchenwald für Familien verwandelt.

Hunderte Kerzen säumten dort am Martinstag das große, grüne Gelände im Schatten der Kirche. Die roten und weißen Wachslichter tauchten den Garten in warmes, feierliches Licht und wiesen einen Rundweg über das Gelände. Dutzende Stahl- und Holzlaternen an den ausladenden Ästen der kahlen Bäume warfen ein in der Dunkelheit schaurig schönes Fackellicht. Mit einer Feuertonne und mehreren Fackeln verlieh die aufwendige Beleuchtung dem Garten fast schon eine verwunschene Note. Für die Kinder entstand so ein kleiner Zauberwald zwischen den knorrigen Bäumen anstelle der traditionellen Laternenumzüge durch die Stadt, bei dem sie Sankt Martin einmal ganz anders erleben konnten. „Das ist sogar fast näher an dem eigentlichen Sinn des Martinstages“, fand eine Mutter beim Betreten des Geländes. Der 11. November war im Corona-Jahr 2020 stiller – und dadurch auch feierlicher.

Anmeldung erforderlich

Wer am Alternativprogramm der zwei katholischen Gemeinden teilnehmen wollte, musste sich vorher aber anmelden. Weil es sonst kaum Veranstaltungen gab, war der Andrang groß. Etwas mehr als 20 Familien brachten die katholischen Gemeinden im Terminplan unter. „Eigentlich hätten wir zwei Abende gebraucht“, sagte Elisabeth van de Bovenkamp am Eingang. Jede Familie hatte mit zehn Minuten ein genau festgelegtes Zeitkontingent, um mit ihren Laternen durch den Garten zu schlendern. „Daran haben sich alle vorbildlich gehalten“, so die Stammeskuratorin der Pfadfinder.

Weil alle Besucher auch tatsächlich erst kurz vor der vereinbarten Zeit an der Kirche eintrafen, gab es im Eingangsbereich keine Schlangen. Ein- und Ausgang waren durch ein Einbahnstraßensystem weit voneinander getrennt, zu Kontakt unter den Gästen konnte es nicht kommen. Außerdem standen Desinfektionsspender bereit. Für Besucher herrschte genau wie für alle Ehrenamtlichen und das Pastoralteam durchgehende Maskenpflicht.

Das galt ohne Ausnahme auch für den berühmten Sankt Martin. Die Geschichte des barmherzigen Soldaten Martin, der später Bischof von Tours wurde und das abendländische Mönchtum begründete, spielten Messdiener in der Mitte des Gartens nach. Vincent (10) und Julian (12) teilten ein ums andere Mal ihren Mantel miteinander. Nach anderthalb Stunden löste sie dann die zweite Schicht ab. Sogar kircheneigene Musik begleitete die Veranstaltung – allerdings vom Band.

Weil gemeinschaftliches Singen streng verboten ist, hatten der Chor Ephata und der Familiengottesdienstkreis in einem Videodreh für eine Online-Andacht Lieder eingesungen. Die Mitglieder mussten dabei einzeln in die Kirche kommen und ihre Stücke aufnehmen, anschließend wurde alles am Rechner zusammengeschnitten. Die Gemeinde nutzte das nicht nur für den privaten Laternenumzug, sondern stellte das Video auch dem Kindergarten zur Verfügung. Am Ende des Gartens warteten die Gemeindereferentinnen Birgit Bongiorn und Alice Zelonka mit einem Segen auf die Familien, auch die Martinsbrezel fehlte nicht.

Von den Besuchern, für die die Teilnahme kostenlos war, gab es durchweg positive Rückmeldung. Was für Kinder und Familien „ein Stück Normalität und Freude in schwierigen Zeiten“ sein sollte, war für die Pfarrgruppe mit viel Mühe verbunden. Die katholische Frauengemeinschaft (kfd) spendete die Beleuchtung und das Martinsgebäck, die durch zahlreiche Vorschriften mitunter abenteuerliche Organisation stemmten die Gemeindereferentinnen mit Unterstützung der Pfadfinder. Mühe, die sich offenbar gelohnt hat. „Ich glaube, das ist eine gute Geschichte geworden“, sagte Zelonka, „für uns gibt es doch nichts Schöneres als zufriedene Kinder“.

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