Lampertheim

Gesellschaft Viele Lampertheimer beteiligen sich am Bemalen von Steinen / Ausdruck für Hoffnung und Freude

Zeichen in Zeiten der Pandemie

Lampertheim.Ein flacher Stein wurde mit Blümchen bemalt, ein anderer mit Marienkäferchen, ein Brocken zeigt einen Regenbogen, auf mehreren Steinen steht „Wir schaffen das“, und wieder ein anderer Kiesel trägt das Peace-Zeichen auf seinem Bauch. Das Steinebemalen ist seit dem Ausbruch und der Verbreitung des Covid-19-Virus wieder voll in den Fokus gerückt. Ob Kinder oder Erwachsene, in Lampertheim wurde die hübsche Freizeitbeschäftigung wieder neu entdeckt. Und wer mit offenen Augen durch die Spargelstadt läuft, kann vielerorts einige Exemplare ausfindig machen.

Handbemalte Steine liegen auch auf einer kleinen Mauer im Außenbereich des Seniorenwohnheimes und der Kindertagesstätte (Kita) Dieselstraße. Vor allem die Senioren erfreuen sich daran. „Die Steine haben Kinder aus unserer Einrichtung bemalt und wir haben diese zu einer Schlange hintereinandergelegt“, erklärt Ute Guthier, die Leiterin der Kita Guldenweg. Diese Stein-Schlange soll ein Symbol für die Gemeinschaft sein. Guthier erinnert an die Anordnung des Kreises Bergstraße im Frühjahr, dass wegen der Infektionsgefahr durch das Corona-Virus die Kita vorübergehend Mitte März geschlossen werden musste. Eine Notbetreuung, unter bestimmten Voraussetzungen, wurde eingerichtet. Jene Mädchen und Jungen sowie die Kinder, die zu Hause bleiben mussten, nahmen sich Steine, Farben, Pinsel oder Stifte zur Hand und fertigten die kleinen Kunstwerke. „Die Kinder sind dann an der Kita vorbeigegangen und haben die Steine abgelegt“, so Guthier.

„Für uns sind das Hoffnungssteine, Steine der Besinnung auf das Wichtigere im Leben“, sagt Brigitte Hahl, die Leiterin des Seniorenheimes. Sie kennt diese Aktion von der Evangelischen Kirche, die mit dem Gestalten und Weitergeben von Hoffnungssteinen begonnen habe. Andere Konfessionen übernahmen diese Mit-Mach-Aktivität. Es beteiligten sich kleine, wie große Leute, so Hahl. Für ihre Bewohner sei die Corona-Pandemie eine schlimme Zeit. Besonders schlimm: die Zeit im März, als keiner raus und keiner rein kam. Die Senioren gehörten zur Risikogruppe, im Falle einer Covid-19-Infektion steige die Gefahr eines schweren Verlaufs. Ein generelles Besuchsverbot war angeordnet worden. Manche Steine-Bemaler fertigen solch Kunstwerke als Zierde für die jeweilige Einrichtung oder für die Außenanlage, um Passanten eine Freude zu bereiten.

Dekoration und Blickfang

Vor einiger Zeit hatte die Turnabteilung des Turnvereins Lampertheim (TVL) zu einem Spiel- und Bastelnachmittag für Kinder und Jugendliche eingeladen. Teilnehmer aus unterschiedlichen Gruppen der Turnabteilung tauchten die Pinsel in Acrylfarben und bemalten Gesteinsstücke, die sie in verschiedenen Formen und Größen auf der TVL-Anlage fanden. „Ihre fertige Malerei haben die Turner im Eingangsbereich der Jahnhalle zur Dekoration ausgelegt“, sagt Vanessa Ihrig, Abteilungsleiterin Turnen. Erika Winkler ist schon fast ein Bastel- und Malprofi. Sie ist eine leidenschaftliche Hobby-Kunstmalerin und verfügt über ein festes Fundament für ein breites künstlerisches Schaffen. „Die Steinsammelei, und -malerei habe ich bei meiner Malfreundin in der Eifel kennengelernt“, berichtet Winkler. Und dass die zwei Frauen von der Aktion sofort begeistert waren und sich wie besessen daran beteiligten. Zurück in Lampertheim hat sich Winkler mit ihren Enkelkindern ans Werk gemacht. Je nach Beschaffenheit des Naturmaterials entstanden ein Auto, ein Kinderwagen und sogar Schneewittchen mit den sieben Zwergen. Besonders auffallend ist das in roter Farbe gemalte Herz, die Symbolfarbe für die Liebe. Winklers Botschaft ist: „Von Herz zu Herz“. Außerdem sollen die bunten Steine Glück bringen.

Auch Ute Striebinger, die Geopark-vor-Ort-Begleiterin, ist eine emsige Steinmalerin. Und zwar von „RheinSteinen“. Menschen, die am Rhein leben, bemalen solche Steine beiderseitig mit Motiven, legen dann ihre gestalteten Exemplare an öffentlichen Orten aus und posteten ihre Erlebnisse auf Facebook. Beispielsweise legten große und kleine Hobbykünstler ihre Rheinsteine neben dem temporären Garten auf dem Europaplatz aus. Striebinger berichtet: „Für das Stadtradeln hatte ich etliche Steine bemalt. Einen hat sogar Bürgermeister Gottfried Störmer auf seinem Gartentürchen gefunden, auch in Facebook gepostet und wieder ausgewildert.“ Einen weiteren Stein hatte Striebinger vom Ludwigshafener Boule-Club in Lampertheim ausgelegt. Er hat sein neues Zuhause auf der hinteren Treppe des Alten Küsterhauses, heute der Weltladen, gefunden. Vor allem in Zeiten der Corona-Krise sei das Sammeln und Bemalen von Steinen eine schöne Beschäftigung. Und wenn die bunten Kunstwerke zudem noch ausgelegt werden, dann bereite man dem Finder eine Freude und zaubere ihm ein Lächeln auf die Lippen, denkt Striebinger.

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