Lampertheim

Volksbühne Premiere des neuen Stücks „In Moann schbeeld variggd“ kommt beim Publikum in der Lampertheimer Notkirche bestens an

Zum Schreien komisch

Lampertheim.„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“, besagt ein Sprichwort: Mit dieser scherzhaften Redensart kann man auch den Inhalt der Story „In Moann schbeeld variggd“ beschreiben. Das ist der Titel des neuen Bravour-Volksbühnenstücks, von dem hier nicht viel von der Handlung und gleich gar nicht vom Ausgang berichtet wird. Auf alle Fälle sei verraten: Wer herzhaft lachen möchte, der ist beim Mundarttheater der Volksbühne genau richtig.

Am Samstagabend wurde die erfolgreiche Premiere in der ehemaligen Notkirche gefeiert. Das Original-Theaterstück „Ein Mann spielt verrückt“ stammt aus der Feder von Winnie Abel und wurde von Volksbühnen-Regisseur Michael Tschirner in Loambadda Mundaad umgeschrieben, auf die Schauschbeela gemünzt und mit Lokalkolorit gewürzt. Die Rollen sind den Spargelstädter Darstellern wie auf den Leib geschneidert, sie gehen in ihrem Part auf und verkörpern ihn meisterlich.

Vor allem Frank Griesheimer als korrupter und später „variggder Bauoamdslaida“ Karl-Heinz Strubel, Michael Swietlicki als „soi Froind un Doggda“ Jakob Heiselbetz und Andreas Kirsch als steifer „Vasischarungsvadreera“ Kurt Kronauer in Hochwasser-Hosen haben komödiantische Partien zu bewältigen. Der Doktor hat aus reiner Freundschaft beim Bauamtsleiter Verhaltensstörungen diagnostiziert. Durch seine gespielten traumatischen Störungen hat Griesheimer nun die aufreibendste Aufgabe zu gestalten. Schließlich sei er stressbedingt „variggd“ geworden. Er gibt sich zum Schreien komisch und macht die tollsten Sachen.

Gleich am Anfang wird schnell klar, der Bauunternehmer Strubel hat sich für die Baugenehmigung eines Bordells bestechen lassen. Von Schmiergeldern und Besuchen in dem sogenannten Wellness-Club ist die Rede. Klara Kleber (Traudel Krause), die unnachgiebige „Repoaddarin“ der Morgenpost, ist dem Korrupten auf den Fersen. Es droht ein Skandal. Der „Schwoangk in drei Aggde“ sorgt für Turbulenzen auf der Bühne und für Angriffe auf die Lachmuskeln der Besucher, die mitgerissen sind und den Laienschauspielern zujubeln.

Der technische Apparat hatte im Vorfeld ein schickes Mehrzweckzimmer als Handlungsort gezaubert und die Maskenbildnerinnen Heike Tschirner und Stefanie Plischek verhalfen den Mundartakteuren zum gewünschten Rollenaussehen. Auch wenn ihre Hilfe kaum benötigt wurde: Die beiden Souffleusen Angelika Jenner und Jula Bischof arbeiten hoch konzentriert an den Bühnenseiten.

Witz fein herausgearbeitet

Die Frau des Bauamtsleiters, die Babette (Ilse Prüssing), himmelt seinen Freund, den Doktor Jakob Heiselbetz an und da kommt Strubel eine vermeintlich gute Idee, ein Ausweg, wie er einer Strafe entgehen könnte. Auch die Darstellerin Ilse Prüssing arbeitet den Witz fein heraus. Sie spielt eine taffe und materialistische Frau, die teure Kleider, Schmuck, Düfte, Golfen liebt. Sie möchte mit dem „Doggda“ Jakob nach Maledivien verreisen. Anna-Marie (Saskia Fischer) ist Strubels „esodeerischi Dochda“. Sie ist im Bann der Aura und kann sie sehen. Die Wurzel-Chakra sei verstopft. Aber kann sie mit ihrer Energiearbeit auch die Aura reinigen und heilen?

Beim „Vasischarungsvadreera“ Kurt scheint sich eine Neigung anzubahnen. Positive Energien werden ausgetauscht. Als das „laischde Määdsche“ Mandy (Nina Drya) aus dem Rotlichtmilieu im Familiengeschehen auftaucht, wird das Chaos komplett. Schon ihr Auftreten im aufreizenden Outfit, tiefes Dekolletee und kurzer Rock verzücken das Publikum.

Die für die Betreuung des Bauamtsleiters herbeigerufene „Pflegarin“ Elisabeth Münch (Rita Klemmer) macht dem heißen Begehren von Babette zum Doktor einen Strich durch die Rechnung. Welche Rolle dabei „Lissbedds Soa“ Rudi (Sven Soldan) einnimmt, der ein wandelndes Lexikon ist, bleibt vorerst ein Geheimnis.

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